Start / Ausgaben / BioPress 73 - November 2012 / Bio-Spezialbiere aus der Oerbaek Bryggeri

Bier

Bio-Spezialbiere aus der Oerbaek Bryggeri

Dänischer Familienbetrieb widmet sich der Braukunst und der Brennerei

Niels Römer besuchte 1996 als Bio-Getränke-Großhändler aus Dänemark die BioFach in Deutschland. Auf der Rückfahrt mit dem Auto sagte sein Sohn Nicolai: „Es gibt keine Bio-Cola.“ Die Idee für die Herstellung alkoholfreier Getränke (AfG) war geboren. Ein Jahr später kaufte die Familie die stillgelegte Oerbaek Bryggeri (Brauerei) aus dem Jahr 1906 und startete mit der Herstellung von Erfrischungsgetränken und Bier. Später kamen Spirituosen hinzu.

Mit Bio-Cola fing alles in der Oerbaek Brauerei an. Andere Erfrischungsgetränke, Säfte und Smoothies kamen dazu. Naturfrisk zu deutsch Naturfrisch heißt die Marke. Edel-Brände, Liköre und Single Malt Whiskey wird hergestellt. Natürlich wird Bier gebraut. Kleine Mengen an Spezial-Bieren für die wahren Freunde der Braukunst entstehen in Oerbaek auf der Insel Fünen. 10.000 Hektoliter stößt die Brauerei aus pro Jahr.

Als Römer die Brauerei übernommen hatte, fand er den alten eisernen Braukessel aus den 50er Jahren vor. Die einfache Anlage hat er wieder in Betrieb genommen. Sie läuft noch heute. Zweimal pro Woche wird sie angefahren für Privat-Brauer, die hier her kommen und ihr eigenes Bier machen. 2.000 Liter fasst der Kessel: Ideal für kleine Private Labels.

Oerbaeks Spezialbiere entstehen auf einer modernen Edelstahl-Anlage. Vor zwei Jahren hat die Familie Römer die neue Anlage in Betrieb genommen. Regelmäßig fahren die Spezialbiere bei Prämierungen Preise ein: so beim European Beer Star. Die Zutaten werden aus Deutschland importiert. Das Malz stellt die kleine Brauerei nicht selbst her. Das wäre unrentabel. Bio-Malz kommt von Weyrich in Bamberg und Rhön-Malz in Mellrichstadt. Der Hopfen und die 0,33 Liter und 0,5 Liter Glasflaschen werden ebenfalls in Deutschland gekauft.

Das Sortiment unterscheidet sich mächtig von Industrieware. Die Brauer orientieren sich an der englischen und deutschen Brauart. Brown, Santa Ale und Blueberry Hill Ale in Anlehnung an den Hit von Fats Domino aus den 50er Jahren sind die Biere benamt. Ein Holunderblüten Ale mit Dinkelmalz wird als Frühlingsbier vermarktet.

Ein Lager ist ebenfalls unter den Bieren aus der dänischen Kleinstadt. Typisch deutsche Varianten sind dabei wie ein Bockbier mit 7,8 Prozent Alkohol und ein Weißbier aus Dinkel und Gerste.

Ein Stark-Bier, genannt Gersten Wein, wird im Barrique-Fass gelagert. Der Preis pro Flasche liegt im Bereich eines Bio-Weins. Es sollte auch in kleinen Mengen wie Portwein oder Sherry genossen werden.

Eine Brennerei ist in der Brauerei ebenfalls untergebracht. Bier wie Whiskey ist veredelte Gerste. Im Juni hat Roemer seinen ersten Bio-Whiskey aus dem Jahr 2009 abgefüllt. Die Flaschen gingen für rund 300 Euro an Sammler nicht an Händler. Aber die nächsten Abfüllungen kommen in die Geschäfte.

Oerbaek baut gerade eine neue Brennerei direkt am Meer. „Für Bio-Spirituosen gibt es einen Markt“, hat Römer erkannt.

15 Mitarbeiter beschäftigt die Oerbaek Brauerei aktuell. Der Bio-Getränkehersteller erzielt rund vier Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Oerbaek ist heute ein breit aufgestellter Bio-Getränkehersteller mit einem alkoholischen und alkoholfreien Sortiment.

Anton Großkinsky

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