Start / Ausgaben / BioPress 70 - Februar 2012 / Bio expandiert bei Rewe Lenk

Bio expandiert bei Rewe Lenk

Der Rewe Markt am Rand von Bochum ist einer von zehn Supermärkten des Selbstständigen Einzelhändlers Stefan Lenk. 2.000 Bio-Artikel stehen in dem Markt. Das Bio-Sortiment ist im Laufe der Jahre stetig gewachsen. Kaufmann Lenk baut das Ertragssortiment Bio immer weiter aus. 2011 kamen neue Artikel dazu und auch 2012 wird erweitert.

2005 eröffnete Stefan Lenk im Bochumer Vorort Hiltrop einen Rewe-Markt mit 1.600 Quadratmeter Verkaufsfläche. Es wurde der umsatzstärkste seiner mittlerweile zehn Supermärkte mit Flächen zwischen 680 und 1.600 Quadratmeter. Die gesamte Verkaufsfläche seiner Lebensmittelmärkte beträgt 11.000 Quadratmeter.
Mit dem Bio-Sortiment machte der erfahrene Händler neue Erfahrungen: „Die Warenverfügbarkeit war bei Bio nicht immer gegeben. Das kannten wir als Händler von konventionellen Anbietern nicht. Der Bio-Markt entwickelt sich aber.“ Das Grundsortiment und die Trockenprodukte sind inzwischen immer lieferbar, leere Regalplätze eine seltene Ausnahme.

Bio ist für den Rewe-Kaufmann nichts Elitäres. „Das darf nicht sein. Bio hat etwas mit bewusster Ernährung zu tun. Wir vermarkten Themen wie Nachhaltigkeit und Bio. Wir geben dem Verbraucher Antworten auf Ernährungsfragen. Wir missionieren die Kunden aber nicht“. Zu Bio-Kunden will Lenk die Menschen nicht erziehen. Er kann jedoch Bio anbieten und das tut er auch.

Nach vegetarischen und veganen Produkten wird immer öfter gefragt. Viele Bio-Hersteller  erfüllen diesen Kundenwunsch. Veggie Life ist in dem Rewe Markt fester Bestandteil. Soja hat der LEH erst durch die innovative Bio-Branche kennen gelernt. Die Eiweißpflanze fungiert als Fleischersatz.

Ein glutenfreies Sortiment mit Bio-Produkten bietet er natürlich an. Diese Anforderung können die kleinen und mittleren Bio-Hersteller besser erfüllen als die Lebensmittel-Konzerne, für die diese Minderheiten oft zu klein sind.

Bio bringt generell Bewegung ins Sortiment. Die Bio-Aufstriche auf Hefe-Basis waren im LEH eine Innovation: der Ursprung liegt in der Reformbewegung.  „Die vegetarischen Aufstriche kannte der Normalkunde nicht. Das ist für viele auch eine Abwechslung zur Leberwurst geworden“, meint Marktleiterin Melanie Schmechel.

Rinatura kam 2011 neu dazu. Mit den mehr als 100 Artikeln  hat der Markt die Grenze von 2.000 Bio-Produkten überschritten. Die Bio-Marke Rinatura erfüllt Spezial-Anforderungen wie Vollwert, vegan, vegetarisch und glutenfrei und das ist auf diesen Produkten exzellent kommuniziert. Durch Neueinlistungen wächst die Artikelanzahl, der Bio-Anteil steigt. Er liegt momentan bei rund sechs Prozent vom Umsatz. Damit liegt Lenk über dem Durchschnitt von vier Prozent.

Cosa ist im vergangenen Jahr bei Lenk mit den Kinderprodukten der Sesamstraße, den Bionor Aufstrichen und den urbanen Whole Earth Artikeln gestartet. Mit einer Sonderplatzierung in einem Aufsteller auf der Aktionsfläche hat alles angefangen. Mit Verkostungen hat Lenk die Produkte eingeführt. Der Kunde hat sie angenommen. Jetzt ist die Linie fester Sortimentsbestandteil.

Bio hat seinen regelmäßigen Platz in der Werbung. Den Handzettel der Rewe Dortmund kombiniert er mit eigenen Angeboten. Dass inzwischen auch Bio-Produkte zentral im Sonderangebot beworben werden, begrüßt der Kaufmann. Das macht das Sortiment bekannter und vertreibt das Vorurteil des teuren, das Bio noch immer umweht. „Zehn Prozent Preisvorteil in der Aktion bringt uns neue Bio-Käufe“, so Lenk. Preislich steht Bio zwischen den A-Marken und den Premium-Produkten. Kunden erkennen die Wertigkeit und den Unterschied und bekommen viel Geschmack und Inhaltsstoffe für ihr Geld.

Bio-Kunden kommen gezielt

„Wir haben Bio-Kunden, die gezielt zu uns kommen. Wir haben auch Kunden, die sagen, brauche ich nicht, will ich nicht. Natürlich haben wir welche, die einfach mal probieren“, berichtet Marktleiterin Schmechel. Aus einem Teil der Probierer werden Gelegenheitskäufer, daraus rekrutieren sich wieder Stammkäufer von Bio.

Die  Niedrigpreis-Käufer gibt es in großer Zahl. Qualitätssortimente wie Bio müssen dem Verbraucher erklärt werden. Lenk führt das auf wenig Wissen über Lebensmittel zurück. „Wir haben hier ein Bildungsproblem. Ernährung wird nicht gelehrt an den allgemeinbildenden Schulen“, beklagt der Rewe-Kaufmann. 

„Wir haben von Anfang an Bio gemacht. Zuerst war das recht bescheiden, was uns zur Verfügung stand. Präsentiert wird in einer Mischplatzierung. Das Gros von 1.500 Artikel steht in einem Block. Das sind die bekannten Dachmarken wie Bio-Zentrale und BioGourmet. Aber auch das faire Gepa-Sortiment ist darunter. 500 Artikel sind im Sortiment platziert. Dabei handelt es sich um Rewe Bio und die Bio-Artikel der Markenartikler. „Die Eigenmarke Rewe Bio läuft richtig gut“, betont der Kaufmann.

„Mit vier bis fünf  Obst- und Gemüseartikel von Rewe West haben wir begonnen“ erinnert sich Lenk. Ludger Brehloh, heute Rewe-Manager, schulte damals die  Marktleiter. Lenk hat das noch erlebt. Auch die Worte von damals kennt er noch: „Sie können aus einem Stück Land mehr Ertrag herausholen, aber nicht mehr Geschmack und Inhaltsstoffe.“

Bei der Sortimentsplatzierung muss der Verbraucher auf die Bio-Produkte aufmerksam gemacht werden. Lenks Leitsystem funktioniert über die Preisschilder am Regal. Dort ist auf grünem Hintergrund das Bio-Siegel aufgedruckt. Farbe und Logo schaffen eine leichte Orientierung. Rewe hat ein neues System eingeführt, das die Preisauszeichnung sicher macht und total erleichtert.

Bio als Block in der O + G Abteilung

Aktuell sind 35 Bio O+G Artikel im Regal. Innerhalb der O+G Abteilung bildet Bio einen Block. Bei Kartoffeln sind zehn Prozent der Verkäufe aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA). Da gibt es auch Auswahl an diversen Sorten in unterschiedlichen Verpackungen von der Schale bis Carry fresh. Bei Bio-Tomaten hat der Bochumer ebenfalls Auswahl an Kirsch-, Cocktail und Rispen-Tomaten. Auch tagesfrischer biologischer Salat ist in Form von Eisberg vorhanden. Beim Obst ist die Bio-Zitrone längst Pflicht, weil unbehandelt. Bio-Bananen und Äpfel gehören schon seit Jahren zum Standard.

Täglich frisch liefert die Rewe Dortmund die Regionalgesellschaft im Ruhrgebiet. „Die Rewe Dortmund ist für uns Händler ein Zuhause. Wir fühlen uns da super aufgehoben“, lobt Lenk.

Gepa ist für die Verbraucher präsent, die sozial einkaufen wollen. BioGourmet für die Liebhaber von biologischer Feinkost. Das Trocken-Sortiment der Bio-Zentrale ist verfügbar. Rinatura hat der Kaufmann eingeführt und Gepa mit Sitz in Wuppertal in Nordrhein-Westfalen ist noch ein größerer Bestandteil. Das Fairhandelshaus ist für das Ruhrgebiet ein regionaler Lieferant.

Problem der Bio-Dubletten erkannt

 „Im Trockensortiment besteht die Problematik der Dubletten“, berichtet der Kaufmann. Das gleiche Produkt, ähnlich verkauft in der gleichen Preisklassen gibt es oft von mehreren Herstellern. Hier hilft nur Sortimentsarbeit.

Seitenbacher aus Baden-Württemberg ist mit seinen Müsli auch im Westen ein unentbehrlicher Umsatzbringer geworden. Vier Bio-Produkte sind dabei. Kölln ist mit seinem Bio-Sortiment fürs Frühstück und für Kinder vertreten.

Im Kaffee-Regal hat der Kunde mit Schirmer, Darboven und der Rewe-Eigenmarke eine biologische Wahl. Mit Gepa Grün- und Schwarz Tee lässt sich die Tea-Time bestreiten. BioGourmet liefert die Frühstücksmarmelade. Von süßen Fruchtsaufstrichen stehen neun Sorten zur Auswahl. Mono-Produkte wie Aprikose und Sauerkirsche, Duo-Aufstriche wie Sanddorn-Orange und das Multiprodukt Waldbeeren mit Brombeere, Heidelbeere und Himbeere mit Fruchtgehalten von 50 bis 60 Prozent. 

Für das Mittagessen steht Reis in Bio-Qualität zur Verfügung. BioGourmet deckt hier mit Basmati, Langkorn, Parboiled und Milchreis das Verbraucherinteresse ab. Mit Couscous, Polenta und Goldhirse in Bio-Qualität wird schon eine beträchtliche Fülle geboten.

Im Mopro-Regal ist Andechser neben der Eigenmarke ein starker Bio-Lieferant mit der weißen und gelben Linie. Aber auch die Bio-Molkerei Söbbeke aus dem Münsterland ist als regionaler Anbieter aus NRW dabei, sich zu etablieren.

In der Wursttheke gibt es einige Sorten  aus der Bio-Range von Rack & Rüther.  Bio-SB-Fleisch hat Lenk erfolglos getestet: „Der Kunde hat es nicht angenommen“. Der Versuch wurde beendet.

In der Käsetheke werden eine handvoll Bio-Käse angeboten, darunter auch österreichischer Heumilchkäse. Die Fischtheke ist biofrei. Ein regionaler Gastronomie-Großhändler, der kein Bio führt, bestückt die Theke. Bio-Fisch gibt es im TK-Sortiment.

Bio-Wein zu moderaten Preisen

Den passenden Bio-Wein findet der Genießer ebenfalls. 15 Sorten zu moderaten Preisen ab 2,99 bis 4,99  Euro. Sie stehen in einer Sonderplatzierung im Holzregal. Die deutschen Weinbaugebiete und die europäischen Weinbauländer sind vertreten mit bekannten Rebsorten wie Pinot Grigio und Cabernet Sauvignon ihrer Regionen.

Bei den alkoholfreien Bio-Getränken stehen die Säfte im Mittelpunkt. Die Grünland Gemüsesäfte gibt es hier für den bewussten Trinker. Karotte und Tomaten sind die bekanntesten und beliebtesten. Rewe Bio-O-Saft wird im praktischen Tetra Pak angeboten. Auch mit hochwertiger Anmutung in Flaschen abgefüllt gibt es biologischen Fruchtsaft. Als Direktsaft überspringt er die Zwei-Euro-Preisgrenze. „Für höhere Qualität zahlt der Kunde den höheren Preis“, weiß Marktleiterin Schmechel.

Im Vorkassen-Bereich beim frischen Brot schöpft Malzers Backstube aus dem Vollen. Von der biologischen Backbord Mühlenbäckerei bekommt der Konzessionär ein umfangreiches Sortiment an Brot, Brötchen und Gebäck. Frische Backwaren aus Vollkorn und Weißmehl bietet die Bioland Vertragsbäckerei an.
Handel ist Wandel. 2012 eröffnet Lenk seinen zehnten Markt. Hier wird Bio konsequent in Sortimentsplatzierung angeboten. Das wird der Anfang vom Ende des Bio-Blocks sein bei Rewe Lenk. 

Anton Großkinsky


 


Ticker