Start / Ausgaben / BioPress 70 - Februar 2012 / Genuss ist, wo man das Ganze schmeckt

Genuss ist, wo man das Ganze schmeckt

BioGourmet präsentiert auf der BioFach 2012 das neue Marken-Konzept

Durch die Übernahme der Marke „BioGourmet“ von ­Rapunzel/ Legau hat sich das Geschäftsfeld von HUOBER BREZEL in Erdmannhausen wesentlich erweitert. Das Traditionsunternehmen („Die Marke durch die dreimal die Sonne scheint“) arbeitet zusammen mit der kleineren Firma ErdmannHAUSER Getreideprodukte, die nur für den Naturkosthandel tätig ist, an einer Plattform für ökologische Lebensmittel.

Neben der Idee, die künftig die Marke BioGourmet beseelt, präsentieren die Schwaben auf der BioFach schon eine Reihe neuer Produkte in verschiedenen Sortimentsbereichen.

Im Frühjahr 2011 hat HUOBER BREZEL die Marke BioGourmet von Rapunzel Naturkost aus Legau als Mehrheitsgesellschafter übernommen. Mit Druck auf die Margen und dem Wunsch, sich in Logistik und Beschaffung mehr auf das Kerngeschäft im Bio-Fachhandel zu konzentrieren, hatte die Geschäftsführung von Rapunzel die Trennung von der Marke begründet. Die Bitte, sich für BioGourmet zu engagieren, wurde an HUOBER BREZEL durch die Handelsagentur Must + Riedel aus Stuttgart herangetragen.

Seit 2005 hat die Agentur sich in der Distribution der Marke BioGourmet verdient gemacht und dabei ein starkes Interesse entwickelt, sich  künftig noch mehr für Lebensmittel auf biologischer Grundlage einzusetzen. Must + Riedel sind nun auch gemeinsam mit ihrem nationalen Agenturnetz „LEH-Vertrieb“ an der BioGourmet GmbH in Erdmannhausen beteiligt. Rapunzel hält keine Anteile mehr, stellt aber weiterhin ein Kernsortiment für die Marke her. Ergänzt wird das Ganze durch weitere Hersteller, die ihre Kompetenz und Kapazität für jeweilige Sortimentsbausteine und deren Weiterentwicklung einbringen.

HUOBER hat sich Zeit gelassen, sich in die Marke eingearbeitet und eigene Vorstellungen über die künftig anstehenden Aufgaben im Lebensmitteleinzelhandel reifen lassen. Jetzt will das neue BioGourmet-Team sein Konzept dem Handel vorstellen. Die knapp zwölf Millionen Euro, die Rapunzel zuletzt erwirtschaftete, stellen eine Umsatzbasis dar, auf die sich aufbauen lässt.

HUOBER und seine Partner werden einiges ändern, aber nicht alles. Verpackungskosmetik wird es nicht geben. „Ich bin kein Freund notorischer Re­-launches. Wir wollen möglichst ohne optischen Bruch weiter machen und das Geld unserer Kunden nicht durch überflüssige Spielereien im Marketing vorverausgaben.“ Der Inhaber schätzt kontinuierliche Entwicklung und setzt darauf. So ist man bestrebt, den Mut und die Einsicht für nötige Veränderungen oder auch Einschnitte geduldig wachsen zu lassen.

Neuer Claim wird vorgestellt

Die Handschrift des Familienunternehmens und der Herstellertradition wird spürbar werden und soll das Markenverständnis prägen. Die Kundenansprache wird dadurch weiterentwickelt. „Dass wir kein Handelshaus sind, braucht der Sache ja nicht zu schaden. Dem Konsumenten ist geholfen, wenn er Einblick in die Entstehungsprozesse seiner verschiedenen Lebensmittel erhält; mit allerhand verschieden Prüfsiegeln und juristischen Vorschriften ist ihm oft genauso wenig gedient wie mit Werbe bla bla“, betonen Karl Huober und sein Mitarbeiter Herbert Völkle, der Praxiserfahrung und Sachverstand aus der biologischen Landwirtschaft in das Unternehmen einbringt. Er kümmert sich verstärkt um die kooperative Zusammenarbeit mit anderen Herstellern und Landwirtschaftsinitiativen.

„Unser Konzept ist die Pflege der Wertschöpfungskette selbst: Angefangen bei der Landwirtschaft. Anbau ist immer regional und immer boden-, natur-, und landschaftsgebunden. Des Weiteren setzt ein breites Spezialitätensortiment wie es BioGourmet führt, die Zusammenarbeit mit anderen Herstellern voraus; gemeinsame Leitbilder für die Erneuerung der Ernährungskultur und der Ernährungswirtschaft sollen die Arbeit für die Produkte befeuern. Keine Definitionen, sondern Menschen. Es ist vor allem eine Frage der Fantasie, wie wir einen Zusammenhang verstehen und praktisch umsetzen“, sagt der Unternehmer Karl Huober.

Branchenerfahrung ist in Erdmannhausen reichlich vorhanden. Diese wurden in der Dauerbackwarenbranche gesammelt und gleichzeitig auch in der Naturkostbranche. Schon in den 80er Jahren im DEMETER-Bund aktiv, gehört Karl Huober heute dem Vorstand der „Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller“ (AOeL) an.
„Unseren Marken-Claim muss uns keine Werbeagentur machen. Wir können ihn am Leben ablesen. Wenn man eine Gourmet-Marke ins Nest gelegt bekommt, muss man halt sehen, dass der Gourmet nicht zum Bourgeois wird“. Der neue Claim heißt deshalb: „Genuss ist, wo man das Ganze schmeckt“. Das soll kein Besitzstand sein, sondern eine Aufgabe, bei der in der Zukunft auch Konsumenten mitwirken dürfen.

Etwas besonderes für den Handel

Dachmarken für Bio haben zu Beginn des vorigen Jahrzehnts die prägende Rolle gespielt beim Aufbau der Bio-Sortimente im LEH. Im Laufe eines Jahrzehnts haben die Hersteller die Sortimente vielfach kopiert und zahlreiche Dubletten sind entstanden: gleicher Hersteller, gleiches Produkt in anderer Verpackung. BioGourmet startete 2003 mit 80 Feinkost-Artikeln. Heute sind es rund 150. In dieser Größenordnung will man sich weiterhin bewegen.

Produkte, die eher ins Bio-Einstiegsortiment und die entsprechenden Handelsmarken gehören, werden heraus genommen, dafür kommen dann neue Spezialitäten ins BioGourmet-Sortiment. Einer „ Me-Too“- Mentalität wird Huober nicht folgen: „Eine Verdünnung für den Handel und die Kunden wird es nicht geben. Wichtig ist, dass die Marke lebenskräftig ist und der Handel uns Vertrauen schenkt. Dann können wir gemeinsam mit allen Beteiligten die Transparenz schaffen, die in der Zukunft an die Stelle von Kunstmarken tritt.“
Leistungsfähige Logistik 

HUOBER BREZEL hat in Erdmannhausen das ehemalige BÄKO-Lager gekauft. Statt neue Flächen zu versiegeln hat man so ein Objekt, das zur Handelsruine zu werden drohte, umgestaltet und mit neuem Leben erfüllt. In Erdmannhausen wird BioGourmet zusammengeführt und kommissioniert. Wie beim HUOBER BREZEL-Sortiment, so werden auch die BioGourmet Aufträge täglich national verteilt. Eine mittelständische Spedition übernimmt diese Aufträge für die Strecke und die Zentralläger. Der Kunde zahlt für den Mehrwert von Bio, nicht für überfrachtete Strukturen.

Der Vertrieb liegt in der Hand der etablierten Handelsagentur Must + Riedel aus Stuttgart und den Partnern der LEH-Vertrieb GmbH. Seit Januar 2012 arbeitet der LEH-Vertrieb auch für die Marke HUOBER BREZEL. BioGourmet hat damit beste Zukunftsaussichten.

Das Logistikzentrum in Erdmannhausen bietet sich als Partner auch anderer Markenartikler an. Voraussetzung der Schwaben aber ist: 100 Prozent Bio.

Anton Großkinsky


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