Start / Ausgaben / BioPress 70 - Februar 2012 / Weber setzt auf China

Weber setzt auf China

Bio-Importeur macht gute Erfahrungen im Reich der Mitte

Naturkost Ernst Weber, Rohwaren-Händler aus München, setzt seit 1999 auf Bio-Soja aus China trotz  des schlechten Rufes chinesischer Bio-Produkte in der öffentlichen Meinung. Das China-Bild in den Medien besteht aus korrupten Funktionären, verschmutzen Flüssen, Hungerlöhnen, billigen Textilien. Der chinesische Bauer kann Reis anbauen, aber Bio??? Die chinesisch sprachigen Mitarbeiter kennen das Reich der Mitte. „Ich fliege jedes Jahr nach China“, berichtet Ursula Eichler.

Nach Nordchina, in die innere Mongolei, führt die Reise der Ursula Eichler von Naturkost Weber. Dorthin wo die Heimat der Leguminose Soja liegt. Bereits 1.500 vor Christus wurde die Sojabohne dort kultiviert. Der Anbau hat also eine mehr als 3.000jährige Tradition. An Boden und Klima angepasste Sorten mit hohem Eiweißgehalt haben sich in den Jahrtausenden entwickelt.

Genau dort sind die Projekte, aus denen Naturkost Weber die Hülsenfrüchte für die Tofu-Herstellung beschafft. „Das ist ein authentisches Produkt. Es wird nicht als Futtermittel angebaut, sondern als Lebensmittel. Wir haben einen Eiweißgehalt über 40 Prozent bei chinesischem Bio-Soja“, klärt der Geschäftsführer Ernst Weber auf. Europäische Sojabohnen ha­­ben dagegen durch­schnittlich 37 Prozent Protein.

„Man kann Soja in Deutschland anbauen. Der Anbau hat aber keine Tradition, und die erzielten Qualitäten werden überwiegend der Verwendung als Tierfutter zugeführt“, steht Ernst Weber fest hinter seinem Produkt. Der Anbau von Gensoja ist in China nach wie vor nicht erlaubt. Der GVO-Test im Labor ist dennoch obligatorisch.

Das Risiko hinter den Produkten kennt der Importeur. Der Anteil der Bauern, die aus Überzeugung Bio-Anbau betreiben, schätzt das Münchener Unternehmen noch gering ein. Weber setzt auf langjährige Partnerschaften. Vor Beginn eines Projektes kommt ein Anbauberater, der die Landwirte im Bio-Anbau schult. In China arbeitet dann permanent ein einheimischer Projektleiter für Weber. Das Unternehmen gibt den Bauern eine Abnahmegarantie und zahlt Preise über Weltmarktniveau. Auf dem Spotmarkt wird nicht gekauft. Naturkost Weber arbeitet mit  dem Zertifizierer BCS aus Nürnberg zusammen. BCS ist als Kontrollstelle in China akkreditiert.

Die Anbauer in China arbeiten  nach EU-Bio-Richtlinien. Zusätzlich werden auch Produkte mit amerikanischem NOP-, Bio Suisse- und Naturland-Standard angeboten. Seit dem Jahr 2008 betreibt Weber ein Partnerprojekt, das auch Fairtrade zertifiziert ist. Ein Bio-Landwirt baut mit zehn Angestellten auf 1.600 Hektar Bohnen, Getreide und Ölsaaten an. Der Dung stammt von 500 Kühen, 8.000 Schafen und 2.000 Gänsen aus extensiver Haltung. Die Vegetationsphase ist mit 130 Tagen recht kurz. Der Schädlingsdruck bei 235 Frosttagen recht gering.

„In der Verarbeitung macht China eine Erneuerung durch. Die Unternehmen investieren in die Mechanisierung und Automatisierung und moderne Lager, um die steigenden Hygiene- und Qualitäts-Anforderungen zu erfüllen“, weiß Eichler aus eigener Anschauung. Die chinesischen Löhne sind in letzter Zeit stark gestiegen, höhere Standards sind die Folge.

Wer die Preisführerschaft im Rohstoffhandel anstrebt, wird in China nicht unbedingt sein Glück finden. In den letzten fünf Jahren hat sich der Preis für Bio-Erdnüsse verdoppelt. Der Bio-Binnenmarkt entwickelt sich. Menschen in den Millionenstädten haben das Einkommen, um den heimischen Bauern ein Auskommen zu ermöglichen.

AG 


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