Start / Ausgaben / BioPress 70 - Februar 2012 / Stärken in Szene setzen

Stärken in Szene setzen

Individualität findet in der Ladengestaltung Ausdruck

Menschen und Räume haben einiges gemeinsam. Die Alltagsroutine verstellt manchmal den Blick auf das Wesentliche. Bei Menschen kann eine kleine Auszeit dabei helfen, die Dinge wieder ins rechte Licht zu rücken. Auch Ladenkonzepte gehören von Zeit zu Zeit auf den Prüfstand.
„brendel. raum für bio.“ berät Biohändler dabei, ihre Individualität
herauszustellen.

Die nationale Filialisierung im Biohandel schreitet unaufhaltsam voran: uniforme Ladenkonzepte überziehen das Land. Die wachsende Konkurrenz wird von vielen selbstständigen Biohändlern als Gefahr empfunden. Sie bietet jedoch gleichzeitig auch die Chance zur Profilierung.

„Für überzeugte Biokunden ist Bio nicht nur eine Mode, sondern eine Erkenntnis. Diese wollen sie auch bei ihrem Einkauf fühlen“, weiß Regina Brendel aus langjähriger Erfahrung. Als Architektin und Innenarchitektin berät die Wahl-Münchnerin seit mehr als 15 Jahren Biohändler in der Ladengestaltung. Mit brendel. raum für bio. hat sie sich darauf spezialisiert, die Persönlichkeit von Händler und Laden in Einklang zu bringen.

Wahrnehmung und Raum verbinden

„Viele Ladner sehen den Wald vor lauter Bäumen oft nicht mehr“, sagt Brendel. „Die Besonderheiten in ihrem Sortiment sind für sie selbstverständlich. Da sie ihren Highlights jedoch nicht genug Raum für die Präsentation einräumen, gehen diese in der Produktvielfalt einfach unter.“ Die Ladengestalterin empfiehlt den Biohändlern daher, diesen Herzstücken im Laden auch starke Plätze frei zu räumen.

„Der Kunde soll das individuelle Profil spüren und Wert schätzen können“. Wie bei einem Garten, müsse man nach einigen Jahren überprüfen, ob die richtigen Pflanzen an der richtigen Stelle sitzen. Kann der Betrachter die kostbarsten und schönsten Pflanzen auch richtig wahrnehmen?
Eine ganzheitliche Gestaltung beginnt für Regina Brendel bereits bei der Herausstellung der eigenen Werte. Ein Naturkosthändler hat sich aus ganzer Überzeugung für diesen Beruf entschieden. Daher ist es sehr wichtig, dass er diese Wertschätzung für seine Produkte und auch für seine Mitarbeiter im Laden entsprechend transportiert.

Wenn er das schafft, spürt es auch der Kunde. „Das ist die Musik im Laden und meine Aufgabe ist es, sie wieder erklingen zu lassen“, beschreibt Regina Brendel ihre Arbeitsweise. Jeder Mensch und jeder Biomarkt hat eine eigene Geschichte. Viele Händler arbeiten seit vielen Jahren in ihrem Laden. Vieles läuft gut, einiges vielleicht weniger gut. Regina Brendel sucht daher nach Kraftplätzen im Raum, orientiert daran den Kundenlauf und hebt so die Individualität im Sortiment hervor.

Der Laden erzählt Geschichten

Wenn ein Händler beispielsweise stark mit regionalen Lieferanten arbeitet, muss dieser regionale Bezug deutlich im Regal erkennbar sein. „Die Ware muss auf einer entsprechenden Bühne präsentiert werden“, sagt Brendel. Selbst in manchen Hofläden könne der Kunde jedoch kaum erkennen, welche Waren direkt vom Hof stammen.

Neben groben, über die Jahre verschleppten „Gestaltungssünden“ sieht Brendel auch in Sachen Beleuchtung in vielen Bioläden erheblichen Nachholbedarf: „Denn ohne eine gute Lichtinszenierung können auch die hochwertigsten Produkte nicht im Regal gefunden werden.“
Förderprogramm nutzen

Die erste Stufe der Analyse bis zur Neuausrichtung des Ladenkonzeptes wird bis zu 75 Prozent von der EU gefördert. Bei dieser Fördermaßnahme werden bis zu 1.500 Euro der Kosten zurückerstattet. „Mit diesem ersten Baustein kommt der Ladner schon sehr weit“, erläutert Brendel. Nach Analyse des Ist-Zustandes sind zukünftige Schwerpunkte definiert und erste Skizzen des neuen Grundrisses gefertigt.

Für die praktische Ideenumsetzung des Ladens von Ladeneinrichtung über Beleuchtung bis hin zu Herstellung grafischer Elemente steht ein kompetentes Team in den Startlöchern, das aus einer Hand koordiniert wird. Auf Wunsch können selbstverständlich auch ortsansässige Unternehmen eingebunden werden.

Das Shop-Coaching beginnt zunächst mit einem grundlegenden Ladencheck und stellt dabei auch die Sortimentsgestaltung auf den Prüfstand. Über die Jahre hinweg quellen die meisten Läden vor Produkten über, in jeder Ecke wird noch etwas platziert. Diese Überfrachtung schwächt das Kauferlebnis für den Kunden.

Kunden sinnvoll betrachten und gezielt ansprechen

brendel. raum für bio. setzt daher auf Fokussierung. Welche Zielgruppe will der Ladner erreichen? Was braucht meine Zielgruppe, um sich im Laden wohl zu fühlen? „Oftmals ist alles schon vorhanden, wir müssen es nur gemeinsam sinnvoll sortieren und in Szene setzen“, sagt Brendel.

Für den 130 Quadratmeter großen Hofladen Wittschap von Sylvia Manske und Christmut Anders hat sich die Zusammenarbeit mit der Ladengestalterin gelohnt. „Unsere zum großen Teil noch nicht ganz greifbaren Ideen wurden mit viel Geduld und Kreativität in eine praktische Form gegossen“, lobt die Biohändlerin die Unterstützung durch brendel. raum für bio. und freut sich über die Resonanz eines erfreulich gut wachsenden Kundenstamms. „Mein Laden ist zu einer Oase geworden, die von großzügiger Raumgestaltung und Farbe lebt und damit zum entspannten Einkauf einlädt.“

Infos: www.brendel-raum-fuer-bio.de

BioFach  Halle 7 / 7-111
Am 17.02.12 von 14 - 15:30 Uhr als Referentin für Ladengestaltung Halle 9 Fachhandels Forum.


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