Start / Ausgaben / BioPress 70 - Februar 2012 / Das mobile Bio-Huhn

Das mobile Bio-Huhn

Stallbau Weiland mit alternativer Freilandhaltung

Das Hühnermobil von Stallbau Weiland aus Bad Sooden-Allendorf hat mittlerweile 100 Abnehmer gefunden. Die Neuentwicklung hat 2003 den Förderpreis Ökologischer Landbau des Ministeriums für Verbraucherschutz Ernährung und Landwirtschaft erhalten. Das Hühnermobil ist ein fahrbarer Stall für Legehennen. Das System ist eine Alternative zur Freilandhaltung mit festem Standort. Die Ställe gibt es in drei Größen für 225, 800 und 1.200 Legehennen. Neuerdings gibt es auch ein Mobil ohne Legenester für Hähnchenmast.

Hühnerhalter Maximilian Weiland aus Witzenhausen in Hessen hatte im Auslauf seines stationären Stalles ein Problem. Der Boden wurde kahl, verschlammte und im Laufe  der Zeit stellte er Wurmbefall bei seinen Legehennen fest.

„Wir sahen die Lösung darin, den Stall regelmäßig zu versetzen“, erzählt er. Auf dem Markt fand er aber keinen transportablen Stall. Also entwickelt er das Hühnermobil, den Stall auf Rädern. Im Wochenrhythmus wird der Stall mit dem Traktor ein Stück weiter gezogen auf der Wiese und eine neue Weidefläche für das Federvieh mit einem Zaun abgesteckt. So bleibt die Grasnarbe erhalten. Es entstehen keine Pfützen, in denen sich Krankheitserreger bilden. Der Stall auf Rädern ist auch  in Hanglage einsetzbar, wie der Erfinder sagt.

Die Ställe sind ausgerüstet mit Tränke, Futter, Sitzstangen, Legenestern und Transportbändern für den Mist. Unter dem Mobil ist ein Scharrbereich und der Auslauf ins Freie. Die Auslaufklappen schließen nachts automatisch und öffnen sich morgens automatisch. Zu den Nestern gibt es von außen Klappen, so dass die Eier einfach einzusammeln sind.

Um fünf Uhr geht das Licht an, und die Hühner werden geweckt. Sie fressen und legen im Gruppennest ihr Ei. Um neun Uhr öffnen sich die Auslaufklappen und die Legehennen können ins Freie. Nach Eintritt der Dunkelheit, wenn die Hühner zurück sind im Stall, schließen die Klappen. Gespeist wird die Elektrik durch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach oder eine Kfz-Batterie. Füttern und Eier einsammeln muss der Bauer von Hand.

Die Tiergesundheit bei der mobilen Haltung ist nach den Erfahrungsberichten hervorragend. „Auf die Frage der Amtsveterinärin nach der Medikation der Tiere, konnte ich ihr sagen, dass im gesamten Legedurchgang keine Medikamente eingesetzt wurden“, berichtet Johannes Lampen vom Gut Vorder Bollhagen, Betreiber von drei kleinen Hühnermobilen. Der Hof in Mecklenburg-Vorpommern ist Demonstrationsbetrieb für ökologischen Landbau in Deutschland. Ein weiteres Indiz für die artgerechte Haltung ist das intakte Gefieder. Denn oft lassen die Legehennen Federn und sehen ziemlich erbärmlich aus ohne ihren Federschmuck.

Die Legeleistung liegt bei mehr als 90 Prozent, wie ein Betreiber von vier Hühnermobilen mit 2.500 Hennen bestätigt. 320 Eier sind das pro Tier im Jahr. Das sind etwas mehr als im Schnitt in der biologischen Haltung.

„Die Eier schmecken besonders lecker und haben einen intensiv gelben Dotter durch das viele Grünzeug, das die Tiere fressen“, meint Landwirt Gerhard Niederwahrenbrock aus Hopsten. Durch das Wandern des Stalles bekommen die Hühner ständig frisches Grünfutter. Das darin enthaltene Carotin sorgt für das kräftige Eigelb.

In der Direktvermarktung erzielen die Eier Preise, die dem Erzeuger Spaß machen. Roland Lübbertsmeier von der Schwäbischen Alb vermarktet direkt im Hofladen und über Abo-Kisten.
Martina Mast und Martin Häring vom Jagsthof in Westhausen auf der Schwäbischen Alb betreiben seit 2011 ein Hühnermobil. Die mobilen Bioland-Hühner nennen sie Wandervögel. Unter diesem Namen werden die Eier exklusiv vom Bio-Supermarkt Organix in Stuttgart verkauft.
Der Hof Hasenkrug aus Schleswig- Holstein beliefert Alnatura regional.

Eier direkt vermarkten

Die Eier lassen sich direkt vermarkten im Hofladen oder auf dem Wochenmarkt. Örtliche Edeka und Rewe Händler finanzieren manchmal die Investition, die Bauern zahlen dann mit Ware ab. So wie beim Ehepaar Irmgard und Jörge Penk, Bio-Bauern aus Niedersachsen.

Das Bio-Gut Vorder Bollhagen vermarktet auch im nahegelegenen Grand Hotel Heiligendamm und im Hotel Adlon in Berlin. Die Hotels und das Gut sind im Besitz des Geschäftsmannes Anno August Jagdfeld. Dem Immobilienunternehmer wird ein Hang zur Exzellenz nachgesagt. Die misst der Weitgereiste unterwegs in den Hotels beim Frühstück, an dem sich der Ruf eines Hauses entscheidet. Und beim Rührei offenbart sich nach seiner Meinung die Wahrheit über  die Güte des Hühnerprodukts. Das Optimum kommt für ihn von mobilen Hennen.
www.huehnermobile.de


Ticker Anzeigen