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Editorial

Editorial Ausgabe 48/06

Liebe Leserin, lieber Leser!

Wir erleben bei der Produktion dieser bioPress-Ausgabe ein starkes Gefühl der Vorfreude. Seit zwölf Monaten treiben wir die Umsetzung des 2. Kölner Bio Handels-Forums voran. Uns sind einige Unsicherheiten begegnet - so zum Beispiel die plötzlich auftretenden vielen „Bio-Kongresse“. Gelingt uns trotzdem die notwendige Konzentration vieler an einen Ort? Oder zerreiben die vielen Angebote die Zeit- und Finanzbudgets? Im Ergebnis konnten wir feststellen, dass es nicht um die äußeren Hüllen geht, ein Programm ist noch nicht alles - auf die Inhalte kommt es an!

Der Handel beschäftigt sich hochkonzentriert mit dem Thema Bio, und immer mehr Hersteller arbeiten an Bioranges. Da kommt eine Plattform, die das Thema Biovermarktung im herkömmlichen Handel aufgreift und umfassend darauf eingeht, gerade richtig. Ziel muss sein - ohne Ausgrenzungen - Bio für ALLE geht nur mit allen.

Die eingehenden Anmeldungen zum 2. Bio Handels-Forum sind mehr als vielversprechend. Den Bio-Zug in Köln haben wir vor sieben Jahren angeheizt, jetzt gerät er in eigendynamische Bewegung. Sie kommen alle - auch im Anuga-freien Jahr. Der Gedanken- und Meinungsaustausch wird die Bio-Marktentwicklung im deutschen Lebensmittelhandel weiter bringen.

Das Programm steht: Es sind acht Diskussionsrunden mit insgesamt 34 Diskussionsteilnehmern und fünf Moderatoren vorgesehen. Ein Programm, das sich mit der Bio-Vermarktung im Lebensmittelhandel beschäftigt, mit den Bio-Sortimenten und den Kundenbedürfnissen. Ein Blick auf die Bio-Vermarktung in Europa ist genauso vorgesehen, wie ein Schwenk auf den US-amerikanischen Biomarkt und die Frage von Christoph Soika, was kommt nach dem Bio-Boom, was sind die Konsequenzen des Wachstums? Ergänzt wird die Informationsplattform durch eine begleitende Ausstellung - rund 50 Firmen präsentieren ihre Bioangebote für den LEH. An zusätzlichen Info-Points stehen unabhängige Bio-Fachberater für alle Fragen der Kongressteilnehmer zur Verfügung.

Rechtzeitig zu dem Branchen-Highlight wurden die aktuellen Zahlen von Prof. Hamm veröffentlicht. Fachleute sind nicht überrascht über die Aufwärtsentwicklung. Kalt erwischt hat sie jedoch die Tatsache, dass der LEH mit 320 Millionen Euro plus bei 41 Prozent Bioumsatz-Anteil am Gesamtmarkt angekommen ist.

Die überall sichtbare Dynamik wird zwischenzeitlich konterkariert mit Behauptungen über Preisdruck auf die Bauern. Einmal weil wir hierzulande von zu viel Biorohstoffen aus dem Ausland überschwemmt würden und dann wird die Angst geschürt, dass der Erfolg des Bioabsatzes die Preise kaputt mache!

Ich für meinen Teil kaufe seit mehr als 30 Jahren Bioprodukte. Und noch nie hatte ich so viel Freude daran, mein Geld dafür auszugeben, wie jetzt, wo ich das Gefühl erlebe, dass – außer beim Wein – die Preisleistungs-Verhältnisse ins Gleichgewicht kommen. Und das, obwohl erst diese Woche wieder ein Gespräch stattgefunden hat mit einer Mutter, die beteuert, viel Bio zu kaufen. Aber sie kann sich mit zwei Halbwüchsigen Jungs einfach nicht „nur“ Bio leisten!

Vor zweieinhalb Jahren erntete die Aussage in einem Zukunftsforum Bio in NRW auf die Frage nach dem größten (Zukunfts-) Wunsch, dass es nichts besseres gäbe als 100 Prozent Bio, noch ungläubiges Staunen: Das wäre wohl überzogen. Nur wenige nahmen es ernst. Letztes Jahr in einer Bio-Diskussionsrunde auf der Angua hat Gerald Hermann das bereits für die IFOAM postuliert und sich diesem Wunsch sozusagen angeschlossen. Vor einigen Tagen wurde das Porgramm für die Herbsttagung des BÖLW verbreitet mit dem gleichen Leitthema: Kann oder wie kann 100 Prozent Bio erreicht werden? Die Gedanken sind also in Stellung oder auf die Reise gegangen. Irgendwann jedenfalls kann sich die Mutter vielleicht Bio für beide Jungs leisten!

Warum macht die Biovermarktung so große Schritte vorwärts? Weil da jemand den Markt leerkauft? Oder ist es, wie so viele Bio-Laien im Handel noch glauben, Bio sei ein Boom? Ist es nicht vielleicht doch eine einfache Rückkehr zur Vernunft unter all diesen 10.000 Seiten Steuergesetzen. Sollte Mensch tatsächlich noch in der Lage sein, für sich das Beste zu erspüren? Dann wäre das wohl doch kein Boom. Eher ein Big Bäng, wie der ehemalige IFOAM-Geschäftsführer Bernward Geier das bereits 1997 formulierte. In dem Jahr hat das Biowachstum im deutschen Lebensmittelhandel begonnen und ist seitdem nur einmal eingesackt: Im Jahr 2002/ 2003 mit nur 3,8 Prozent Wachstum, nachdem in den zwei Jahren davor zusammen 50 Prozent Wachstum stattgefunden hatte. Danach ging es weiter aufwärts, das zeigt jedenfalls die Statistik von Prof. Hamm auf Seite 71 dieser Ausgabe. Und die aktuellen Beobachtungen lassen darauf schließen, dass es noch lange so weiter gehen kann.

Erich Margrander
Herausgeber


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