Start / Ausgaben / BioPress 67 - Mai 2011 / SONETT ökologisch konsequent

SONETT ökologisch konsequent

Beim Stichwort Bio-Pioniere denken die meisten Menschen an Bauern und Hersteller von Naturkost. Im Zuge der aufkommenden Bio-Bewegung entstanden aber auch schon die ersten ökologischen Waschmittel – zum Beispiel von SONETT. Gegründet 1977, gehört das Unternehmen heute zu den führenden Herstellern der Branche mit rund 40 verschiedenen Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln (WPR).

Beate Oberdorfer und Gerhard Heid.

Schon Ende der 60er Jahre wurde entdeckt, in welchem Maß das Trinkwasser mit syn­the­tischen Waschmitteltensiden belastet war. Dies führte zu der Idee des Waschens im Baukastensystem, das heißt Substanzen wie Enthärter oder Bleichmittel nach Bedarf zuzugeben.

Dieser umweltschützende Ansatz liegt der Gründung von SONETT zugrunde. Zunächst konzentrierte sich der damals noch kleine Mitarbeiterkreis auf die Herstellung von ökologischen und wirksamen Waschmitteln in Pulverform.

Heute von Beate Oberdorfer und Gerhard Heid geführt, steht der Name für überzeugte ökologische Konsequenz. Stark vergrößert hat sich das Produktangebot, das längst auch flüssige und den heutigen Anforderungen angepasste WPR umfasst. 3.000 Tonnen, von den Basis- bis zu Spezial­produkten, werden pro Jahr produziert. „Nachhaltigkeit ist für uns untrennbar mit Ganzheitlichkeit verbunden“, sagt Gerhard Heid.

Beim Rundgang durch die Firma, eine ehemalige Ziegelei, machen er und Beate Oberdorfer deutlich, was sie damit meinen. Ihr Anspruch an Ökologie betrifft vor allem die Qualität der eingesetzten Rohstoffe und die hundertprozentige biologische Abbaubarkeit der Endprodukte. SONETT verzichtet vollständig auf petrochemische Stoffe wie Tenside, Düfte oder Farbstoffe und auf Enzyme.

Raps-, Oliven-, Kokos- und Palmöl für die waschaktiven Seifen sowie der größte Teil der ätherischen Öle stammen sogar aus biologischem Anbau oder aus kontrollierter Wildsammlung. Eine Konkurrenz zu Lebensmitteln sehen sie nicht. Im Gegensatz zu Agrarsprit könne dies vielmehr ein Stimulans für Landwirte zur Umstellung auf Bio-Landbau sein, meint Beate Oberdorfer und ergänzt: „Zugleich wird es immer wichtiger, im Bereich der ökologischen Wasch- und Reinigungsmittel die Tenside und andere Rohstoffe selbst zu produzieren.“

Als Lebensmittelchemikerin und ehemalige Wala-Mitarbeiterin hat sie ein Verfahren entwickelt, mit dem die Flüssig- seifen ohne jegliche äußere Energiezufuhr hergestellt werden können. Überhaupt spielt der Umweltschutz auch im Betriebsalltag eine große Rolle. So bezieht das CO2-zertifizierte Unternehmen die Hälfte der Energie aus einem direkt benachbarten kleinen Wasserkraftwerk, die andere Hälfte über Greenpeace Energy. Eine Holzschnitzelheizung liefert die nötige Wärme.

Ganz besonders liegt dem engagierten Team die Wasserqualität am Herzen. Wasser sei der Träger alles Lebendigen, dessen Güte es auch in ihrer Branche zu achten gelte. Entsprechend der Erkenntnis, dass sich Wasser von Natur aus in Mäandern oder Wirbeln bewegt, wird  sämtliches Wasser für die Flüssigwaschmittel verwirbelt. Viele Produkte enthalten außerdem balsamische Zusätze. Diese Präparate stellt SONETT in einem Oloid-Hohlkörper her, dessen Inhalt durch Rollen in eine achtförmige Schwingung versetzt und so sorgfältig und sanft rhythmisiert wird.

Eine Firma mit Charakter

Zwischen den teils halb-, teils vollautomatischen Misch- und Abfüllmaschinen, riesigen Vorratstanks aus Stahl, Paletten und Regalen stößt man immer wieder auf moderne Kunstwerke aus Naturmaterialien, die den anthroposophischen Geist des Unternehmens wiederspiegeln. Die mittlerweile 42 Angestellten arbeiten im Normalfall im Einschicht-Betrieb. Bei Stoßzeiten können sie aber auch flexibel reagieren und so problemlos Lieferengpässe vermeiden.

Die sozial ausgerichtete Mitarbeiterführung entspricht dem ganzheitlichen Nach­haltigkeitsansatz von SONETT. Neben einer betriebseigenen Krankheitskasse und einem monatlichen Gesundheitsbonus, damit die Mitarbeiter auch alternative Heilverfahren wählen können, setzt sich SONETT in hohem Maß für die Behinderten der benachbarten Camphill Werkstätten Lehenhof ein. Deren Mitarbeiter etikettieren die für das fremdsprachige ­Ausland bestimmten Wasch- und Reinigungsmittel – mittlerweile gehen Produkte in 17 Sprachen in die Welt.

Ganz im Sinne einer verantwortungsbewussten, nicht auf schnellen Gewinn ausgerichteten Einstellung gestaltet sich die Rechtsform von SONETT. Während die Firma in Form einer offenen Handelsgesellschaft mit Gerhard Heid, Beate Oberdorfer und dem technischen Leiter Peter Tontsch als persönlich haftende Gesellschafter betrieben wird, gehören Grundstücke, Gebäude und Maschinen einer GmbH. Deren Anteile wiederum, werden komplett von der Stiftung SONETT getragen, so dass die Überschüsse in gemeinnützige Projekte fließen und die Firma weder vererbt noch verkauft werden kann.
www.sonett.eu

Bettina Pabel


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