Start / Ausgaben / BioPress 67 - Mai 2011 / Biologische Ess-Kultur

Biologische Ess-Kultur

Das Lebensmittel-Land Frankreich will mit Öko in den Export

Die französischen Bio-Lebensmittelhersteller demonstrierten auf der BioFach in Nürnberg ihre Esskultur. Neben dem ökologischen Inhalt wird zunehmend auf eine umweltfreundliche Verpackung Wert gelegt, und viele Verpackungsdesigns wurden verjüngt. Bei der Produktentwicklung geht es auch über die klassischen Getreide- und Backwaren hinaus. So werden Bedürfnisse von Kindern berücksichtigt und breitere Zielgruppen angesprochen als die klassische Bio-Klientel.

„Die Aussteller des Pavillon France ziehen eine sehr positive Bilanz und konnten sich über qualitative internationale Kontakte freuen. Bereits 80 Prozent der Unternehmen, die dieses Jahr unter dem Dach des Pavillon France ausgestellt haben, planen 2012 wiederzukommen. Wir verzeichnen ebenfalls Anfragen von französischen Unternehmen, die nächstes Jahr erstmalig teilnehmen möchten und sich via der BioFach dem Exportmarkt öffnen wollen“, erklärte Patricia Tranvouez, Verantwortliche des Pavillon France.

Billig können und wollen die Franzosen nicht. Bei Qualität können sie dagegen mithalten. Traou Mad ein traditioneller französischer Hersteller steuert Dauergebäck wie die knusprigen Crepe dentelle oder Galette zur Bio-Marke Carrement bei. Andere Hersteller ergänzen mit Schokolade, Honig, Konfitüre und Spirituosen das Carrement-Sortiment.
Moderne Getränke, traditionelle Teigwaren für die TK-Truhe und Shampoo als Seifenstück exportieren die französischen Bio-Hersteller.{_umbruch_}

Vitagermine ist in Deutschland bereits mit Säuglings- und Kindernahrung vertreten. Das Ziel lautet, ein optimales Produkt zu kreieren, nicht das billigste. Rückverfolgbarkeit hat oberste Priorität, deshalb stammen die Rohstoffe aus dem Südwesten Frankreichs; dort wo Vitagermine zuhause ist. Übersee-Ware wird nicht verarbeitet. Die Produkte für den Export werden an den deutschen Geschmack angepasst. Denn die Mutter gibt vor, was das Kind isst.

Karma Kombucha aus Frankreich will das Gesundheitsgetränk demokratisieren und ein Erfrischungsgetränk daraus machen. Die Gestaltung spricht auch die Generation unter 40 an. Das Ferment-Getränk bekommt durch Ingwer, Grapefruit, Granatapfel, Rooibos und Beeren ein fruchtiges Aroma. Gesüßt ist der Kombucha mit Rohrzucker und Honig. Die Rohstoffe stammen aus demeter-Landwirtschaft und fairem Handel. Außerdem ist das Produkt klimaneutral, wie ein Logo auf der Flasche ausweist.

Die besonders leichte Flasche kommt aus Deutschland. Sie ist nur halb so schwer wie der Standard. Produziert wird in Belgien und der deutsche Markt ist somit in Reichweite. Ein halber Liter kostet im Handel 3,90 Euro. Da braucht es Kunden, die den Wert zu schätzen wissen. 

Bei der Naturkosmetik setzt Douce Nature rundum auf Ökologie. Das Unternehmen bietet ein trockenes Shampoo als Stück an. Das Produkt wird angewendet wie Seife: Die Haare nass machen und einreiben, dann entsteht Schaum. 90 Prozent in der Shampoo-Flasche sind Wasser und müssen mit Energieaufwand zum Verbraucher transportiert werden. Die Shampoo-Stücke in kompostierbarer Verpackung gibt es für trockenes, normales, fettiges Haar und gegen Schuppen.

Die Bio-Landwirtschaft ist in Frankreich im Aufwind. Die Zahl der Bio-Bauern stieg 2010 um 25 Prozent auf 20.600 Betriebe. Der Bio-Anteil an der Anbaufläche beträgt nur bescheidene 2,9 Prozent, gegenüber 2,5 Prozent im Vorjahr. Die Regierung hat sich sechs Prozent im Jahr 2012 und 20 Prozent bis 2020 als Ziel gesteckt. Widersprüchlich sind die Bilanzzahlen beim Konsum. Der Umsatz im Bio-Sektor kletterte 2010 um zehn Prozent auf 3,3 Milliarden Euro, wie die Jahresbilanz der Bio-Agentur unterstrich.

Anton Großkinsky


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