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BioFach

Weiteres Wachstum

20. Ausgabe der BioFach zeigt eine gesunde und starke Branche

Die gesamte Bio-Welt versammelt sich unter dem Dach der Messe Nürnberg zur 20. BioFach. Die Branche bleibt Motor und Wachstumsfeld des Lebensmittel-Marktes.

Gelassene und heitere Stimmung bei den Ausstellern signalisierten Zufriedenheit. Stagnation bei den Besucherzahlen, aber mehr Aussteller und rege Gespräche an den Ständen zeigen in Richtung weiteres Wachstum. Weniger Besucher aus Asien registrierten deutsche Hersteller, die nach Fernost exportieren. Sie diskutieren ob wegen der Krise oder ob die BioFach Japan die Besucher von der weiten Anreise abhält. Teilweise vermisst wurden die großen Einkaufsteams der deutschen Handelsketten, die in den letzten drei Jahren Gruppen weise ausströmten, um ihre Neugierde zu stillen.

Die Weltleitmesse stand 2009 im Zeichen ihres 20-jährigen Bestehens. IFOAM-Präsidentin Katherine Di Matteo aus den USA gratulierte der BioFach zum Geburtstag: „Wir waren Kinder und sind jetzt erwachsen geworden“. Bio sei nicht die Befolgung von Regeln, gab die Amerikanerin den 800 Gästen der Eröffnungsfeier mit auf den Weg. Die Bio-Bewegung habe sich einem höheren Zweck verschrieben: „Die Erde und die Vielfalt bewahren, ökologisch gesund und sozial gerecht produzieren.“

„Die Natur hat Recht“, so Hagen Sunder mit Hubert Rottner und Jürgen Ries Gründer der BioFach, im Rahmen der offiziellen Eröffnung. „Wie der Flügelschlag eines Vogels einen Orkan auslösen kann, möge die BioFach einen Orkan der Nachhaltigkeit auslösen“, formulierte Jürgen Ries seine Glückwünsche. „Die Bio-Bewegung hat für die Volksgesundheit mehr getan als jeder Gesundheitsminister“, konstatierte Hubert Rottner nüchtern.

Ministerin Aigner nutzt Plattform

Die große Politik ist zurück auf der BioFach. Ernährungsministerin Ilse Aigner betrat wieder die medienwirksame Plattform. Vorgänger Horst Seehofer, eigentlich ein gekonnter Selbstdarsteller, war aus unbekannten Gründen ein Verweigerer. Zum Thema Gentechnik bewegte sich die Ministerin ein wenig in die richtige Richtung: „Wir setzen auf eine strenge Überwachung des Anbaus, das sogenannte Monitoring. Zeigt sich, dass gegen die strengen Auflagen verstoßen wird, werde ich die Zulassung zurückziehen.“ Wer ein klares GVO-Nein von der CSU-Politikerin erwartet hatte, war zu optimistisch. Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly ist da schon einen Schritt weiter: „Die Nahrungsproduktion hat keine Zukunft mit GVO.“

Beim Deutschen Bauernverbandes (DBV) hat sich ein deutlicher und erfreulicher Sinneswandel vollzogen. Vor drei vier Jahren herrschte dort noch Skepsis gegenüber der Bio Landbau. „Öko-Landbau ist eine Herausforderung, aber auch eine Chance für die deutsche Landwirtschaft“, verdeutlichte der Präsident des DBV, Gerd Sonnleitner, Perspektivforum „Was kann Bio“ auf der BioFach in Nürnberg. Bioprodukte würden mittlerweile aufgrund ihrer besonderen Produkt- und Prozessqualität von den Verbrauchern als eigenständiges Marktsegment anerkannt. Ebenso werde der Öko-Landbau als eine durch sich selbst überzeugende Wirtschaftsweise wahrgenommen. Damit stehe Bio heute für Genuss und gutes Gewissen und sei nicht mehr Angst- oder Boykottreaktion verunsicherter Verbraucher auf Skandale, erklärte Sonnleitner.

Im Bio-Sortiment steckt immer noch viel Bewegung. Die Innovationskraft ist ungebrochen. Der Handel bekommt weiterhin nachhaltige Impulse, Qualität und Transparenz. Das machte ein Gang durch die Hallen der BioFach deutlich. Zurück zu den Wurzeln gehen viele Hersteller, in dem sie bei der Wurst auf Zutaten wie Nitritpökelsalz verzichten oder bei Teigwaren auf alte Getreidesorten setzen. Auch der Fairtrade-Gedanke rückt immer weiter vom Rand in den Mittelpunkt.

Deutsche See erwartet Auftrieb

Seit Anfang des Jahres ist eine neue EU-Öko-Verordnung in Kraft, die erstmals auch Fisch und Meeresfrüchte berücksichtigt. Das wird Auftrieb geben. Andreas Lippmann, Category Manager Bio, begrüßt die neuen Bestimmungen: „Für Deutsche See stellt die neue EU-Öko-Verordnung einen wichtigen Meilenstein dar, um den Markt für Bio-Fisch noch zu erweitern und dem Verbraucher mehr Vielfalt zu bieten.“ Auf der BioFach 2009 stellte der größte Fischhändler Deutschlands folgende neuen Bio-Produkte vor: Black Tiger Garnelen aus Thailand, die Garnelenpfanne „Pesto“, Tilapiafilet „Arabica“ und Lachsfilet „Curry“ für das Kühlregal im Einzelhandel.

Gekühlte Bio-Convenience ist auf dem Vormarsch: Seit Juli 2006 belebt Popp Feinkost mit der Produktlinie „natürlich Bio“ den Handel. Die Klassiker Fleischsalat, Geflügelsalat, Eiersalat, Kartoffelsalat und Nudelsalat bilden die Bio-Range des Feinkost-Herstellers. „Auch Popp möchte einen Beitrag zur Erhaltung der körperlichen Gesundheit und der Umwelt leisten“, teiltet das Unternehmen mit.

Der Wurst-Spezialist für die Bedienungstheke, Rack&Rüther aus Fuldabrück, stellte auf der BioFach fünf frische biologische Suppen-Klassiker sowie eine Sauce Bolognese und Chili con Carne vor.

Die Suppe ist im Schlauch abgefüllt und sieht aus wie eine große Wurst. Der Verbraucher sieht durch die transparente Packung, was drin ist. Sie wird hergestellt von Bio Catering Marbachshöhe. „Wir müssen der Bio-Idee Impulse geben und tun das mit unseren Suppen“ betonte Geschäftsführer Gernot Peppler.

Reinheitsgebot für Wurst

Dieter Hein aus Hasbergen hat sein Bio-Wurst- und Schinkensortiment um eine Linie für die Bedienung erweitert. Bisher gab es nur ein SB-Programm. Die BESH (Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall) präsentierte ihr umfassendes Wurst-Sortiment, das nach dem eigenen Reinheitsgebot hergestellt wird. Wesentliche Elemente sind Warmbrät, Rohgewürze statt Compounds und Verzicht auf NPS. In den ersten zwei Tagen registrierte Verkaufsleiter Werner Vogelmann überdurchschnittlich starkes Interesse: „Wenn das in Geschäft mündet, haben wir gewonnen. Besonders die Dosen kamen gut an. Damit sind wir auf dem richtigen Weg.“ Auf Nitritpökelsalz verzichten immer mehr Bio-Metzger. Thönes Natur aus Wachtendonk hat die NPS-freie Linie ausgebaut, wie Geschäftsführer Bruno Jöbkes berichtet.

Im Fleischbereich entdeckte Tomás Sonntag, Ressortleiter Tier bei Naturland, beim Rundgang wenig grundlegend Neu­es. „Vertrauen wird gesucht mehr denn je. Transparenz ist ganz wichtig und Qualitätsarbeit ist gefordert“, stellt er fest. Bio-mit-Gesicht, mit initiiert von Naturland, sieht er als wichtigen Baustein, um diese Werte zu vermitteln.

Nicht alle Neuerungen geschehen auf Produktebene. Die Bio-Molkerei Söbbeke hat mit KUH-M ein Erzeuger-Qualitätsmanagement geschaffen. Aktuell beteiligen sich mehr als 110 Landwirte an diesem System. In diesem Jahr wurden erstmalig die besten sechs Betriebe, je drei Betriebe aus NRW und drei aus Niedersachsen, anhand von Kriterien wie Tiergesundheit und Milchqualität ausgewählt. Auf der BioFach 2009 in Nürnberg wurden diese nun ausgezeichnet und erhielten von den Landwirtschaftsministern der beiden Bundesländer eine Urkunde überreicht.

Die Andechser Molkerei kann nach Ende der BioFach 2009 über eine „erfreuliche Resonanz und ebensolche Abschlüsse“ berichten. „Der in anderen Branchen aufgetretene Wachstumsstopp ist noch kein Thema bei den Bio-Milchprodukten“, konstatierte Geschäftsführerin Barbara Scheitz.
Die Demeter-Verarbeitungsbetriebe aus Baden-Württemberg hatten auf der BioFach Besuch von Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Der Politiker probierte die ersten frischen Demeter-Suppen im Becher von der Rose Biomanufaktur aus Hayingen-Ehestetten. Die Beutelsbacher Fruchtsaftkelterei stellte den neuen Karottensaft vor, der rein aus der bio-dynamisch gezüchteten Möhrensorte Rodelika gewonnen wird.

Die Produktserie Kornfix Schnellkochgetreide von Bauck wurde zum „Demeter Produkt des Jahres“ gekürt. Mit dem Schnellkochgetreide erhält damit ein 30 Jahre altes Convenience-Produkte seine späte Würdigung. „Die Idee war von Anfang an, gesunde und regionale Demeter-Vollkorn-Produkte durch eine schnelle und einfache Zubereitung vielen Menschen zugänglich zu machen“, berichtet Marketingleiterin Susan Bauck.

Bei Teigwarenhersteller Alb-Gold kamen die XXL-Formen und die frische Ware hervorragend an. Die Urgetreide Emmer und Einkorn lässt Albgold seit drei Jahren in Baden-Württemberg anbauen und verarbeitet sie zu Nudeln. Eine Rückkehr zu vergessenen Traditionen deutet sich an. „Die Messe war sehr, sehr gut für uns. Ich bin rundum zufrieden“, äußerte sich Albgold-Geschäftsführer Klaus Freidler zufrieden.

Bio und fair eine Traum-Kombination

Die Kombination Bio und fair ist nach wie vor ein Thema für den Handel. Ökologisch und fair produzierte Waren erlebten Fachbesucher auf der Sonderschau Organic + Fair. 28 Aussteller und 125 Produktpräsentationen bildeten das Spektrum des fairen Handels ab. „Wir waren sehr zufrieden mit der Resonanz. Die Sonderschau bot uns die Gelegenheit, die Siegelung einiger unserer Produkte besonders gut zu erklären“, erklärte Martin Himmelheber von Oasis Teehandel.

Bio allein reicht nach Meinung von Gepa-Gesamtvertriebsleiter Michael Klaiber nicht mehr als Alleinstellungsmerkmal. Der soziale Aspekt gewinnt an Einfluss. „Wir spüren noch nichts von der allgemeinen Wirtschaftskrise und waren mit dem Zulauf zufrieden. Die wichtigen Kunden sind gekommen“, resümierte Klaiber. Hanf & Natur verzeichnet gar die beste BioFach aller Zeiten, wie der geschäftsführende Inhaber Ralf Buck erklärte.

Die internationale Bio-Branche trifft sich das nächste Mal von Mittwoch, 17. bis Samstag, 20. Februar 2010, im Messezentrum Nürnberg zur BioFach und Vivaness statt wie bisher Donnerstag bis Sonntag. Siegfried Kewitz von Weingroßhändler Naturian kann sich mit dem neuen Termin nicht auf Anhieb anfreunden: „Sonntags sind die Ladner da. Das sind unsere Kunden, die brauchen wir. Die Handelszentralen kommen am Donnerstag und Freitag. Den Mittwoch brauchen wir nicht“. Und wer hat an das Samstagsfahrverbot für LKW´s gedacht, macht sich ein Organisator eines größeren Ausstellers schon jetzt den Kopf.

Anton Großkinsky


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