Start / Ausgaben / BioPress 59 - Mai 2009 / Optimistische Bio-Fruchthändler

Fruit Logistica

Optimistische Bio-Fruchthändler

Auf der Fruit Logistica überzeugte die Bio-Branche mit Neuheiten

Mit einem starken Auftritt haben die biologischen Obst- und Gemüse-Lieferanten auf der Fruit Logistica 2009 in Berlin ihre Bedeutung unterstrichen. Vom 4. bis 6. Februar informierten sich wie im Vorjahr rund 50.000 Fachbesucher aus 125 Ländern auf der bedeutendsten Messe des Fruchthandels. Mit 2.288 Aussteller gegenüber 2.110 im Jahr 2008 aus 80 Ländern (im Vorjahr 68 Länder) verzeichnete die Messe eine Rekordbeteiligung. Der Anteil ausländischer Aussteller lag bei rund 89 Prozent. Die belegte Fläche stieg von 81.000 in 2008 auf 88.000 Quadratmeter im Jahr 2009. 346 Aussteller oder 15 Prozent mit Bio-­Produkt­en sind ein Hinweis auf die Beliebtheit, die das grüne Bio-Sortiment inzwischen erlangt hat.

Die Bio-Aussteller auf der Fruit Logistica 2009 versprühten Zuversicht, von Pessimismus keine Spur. „Wir rechnen mit einem abgeschwächten Wachstum, aber immer noch mit einer zweistelligen Rate“, prognostizierte Michael Wilde von Bio-Fruchthändler Eosta aus Waddinxveen. „Die Messe war wirklich gut für uns“, stößt Jörgen Nielsen von Northern Green aus Dänemark ins gleiche Horn.

Das ist beileibe kein Zweckoptimismus. Neue Markteilnehmer, neue Produkte, neue Strategien schaffen Anreize. Neues statt mehr vom selben bietet Northern Green mit Kartoffeln kombiniert mit Marinade für den Backofen. Transparenz für Verbraucher mittels Internet haben sich Eosta durch Let’s meet oder der Vinschgau durch die Beteiligung an Bio-mit-Gesicht vorgenommen.

Trend zum Zweit-Apfel

Neue Ganz-Jahres-Bio-Pro­gramme wie von der Behr AG mit schwierigen Produkten wie Bio-Salat bringen Belebung. Nachdem die Bio-Sortimente des Handels in den vergangenen Jahren in die Breite gingen, wird zunehmen mehr Tiefe geboten. „Neben dem roten Apfel findet sich zunehmen ein gelber oder grüner. Der Trend geht zur zweiten Sorte“, beobachtet Verkaufsleiter Gerhard Eberhöfer von Bio-Vinschgau in Südtirol. Noch wird Bio im LEH überwiegend verpackt präsentiert. So zeigten die Bio-Lieferanten auf der Fruit auch ihre Produkte überwiegend in Schalen und Tüten. „Lose steigt die verkaufte Menge enorm“, weiß Eberhöfer aus der Erfahrung mit dem Handel.

Bio ist ein Trend und Convenience ist ein Trend. Aber Bio und Convenience marschieren auf dem Fruchtsektor noch getrennt. Wenn sich beide treffen, bringt das einen Schub. Bio-Apfelschnit­ze in der Tüte sind in Italiens Schulen schon Wirklichkeit und bei den Kindern fast so beliebt wie Pommes.
Italien ist nach wie vor größter biologischer Obst- und Gemüseproduzent in Europa. Das zeigt auch der starke Aufritt der Südeuropäer in Berlin. Die dortigen Erzeuger blicken über die Alpen, denn frisches biologisches Obst und Gemüse ist ein Export-Schlager. Bio Orto exportiert sein Gemüse zu 80 Prozent. Hauptadressat ist der deutsche Handel vom Discount bis zum Supermarkt.

Die Gruppo Tarulli ist Italiens und Europas größter Bio-Traubenerzeuger. „Die Konkurrenz ist nicht groß. In Italien gibt nur noch einige kleinere. Die Nachfrage in Italien ist gering und steigt kaum,“ beurteilt Marilena Tarulli die Marktsituation. In Deutschland, Groß-Britannien und Skandinavien werden die süßen Früchte mit wachsendem Appetit verzehrt. 2008 ist der Markt weiter kräftig gewachsen trotz Wirtschaftskrise“, erzählt Tarulli. Dennoch ist die Italienerin nicht voller Freu­de: „Die Preise sanken. Die Kosten für Diesel stiegen dagegen immens“.

Südtirol ist das führende Bio-Apfel-Anbaugebiet und das Vinschgau mit 20.000 Tonnen Äpfel der Ernte 2008 Europas größter Lieferant. „Wir wollen nicht bei der Quantität, sondern bei der Qualität an Nummer eins stehen“, betont Verkaufsleiter Eberhöfer. Der Hüne aus den Alpen spricht keine leeren Worten: Die Genossenschaft hat eine runde Million in eine neue Abpackstraße gesteckt. Ein Drittel mehr Kapazität beschleunigt die Auslieferung an den Handel. Die moderne Anlage arbeitet schonender, so dass es weniger Druckstellen gibt. „Außerdem werden wir uns an Bio-mit-Gesicht beteiligen“, berichtet Eberhöfer. Mittels Internet kann der aufgeklärte Verbraucher so einen Blick auf den Ursprung werfen und per E-Mail Kontakt aufnehmen.

Fyffes forciert Bio

Noch populärer als der regionale Apfel ist die Südfrucht Banane. Der Big-Player Fyffes aus Dublin kündigte auf der Fruit Logistica an, die Verkaufsmengen an Bio- und Fair-Trade-Bananen zu vergrößern. „Derzeit machen die nicht konventionellen Früchte einen Anteil von zwei bis drei Prozent am Sortiment aus“, erklärt Ralph Fischer, Marketingleiter bei Inter Weichert aus Hamburg. Die Hanseaten importieren auch Fyffes Bio-Bananen. Frische Früchte müssen schnell reisen. Von der Dominikanischen Republik hat die Banane den kürzesten Weg nach Europa. „Unsere Verschiffung dauert acht Tage.

Aus Süd- und Zentral­amerika braucht der Transport drei Wochen“, sagt Julie Vermeiren, Geschä­ftsführerin von Savid International. 60 Prozent der Savid-Bananen werden biologisch angebaut und fair gehandelt. „Das macht uns zum weltgrößten Exporteur derartiger Bananen,“ fügt Vermeiren hinzu. Spanien ist nach Italien die größte Anbau-Nation für Bio-Früchte. Bei einem kleinen Binnenmarkt bereichern Tomaten, Gurken, Zitrus und Steinobst die ­Supermärkte West- und Mittel­europas. Auf einer Anbaufläche von mehr 260 Hektar erzeugt die Haciendasbio in der Extremadura jährlich rund 4.000 Tonnen Steinobst.

„Wir wollen mit unseren ökologisch erzeugten Produkten eine Nische besetzen und nutzen die Messe, um unsere Pfirsiche und Pflaumen, Nektarinen und Aprikosen, Birnen und Melonen am europäischen Markt bekannt zu machen. Für uns ist besonders der deutsche Markt von Interesse, aber auch in Großbritannien, Irland, Holland und Frankreich sehen wir großes Potenzial, “, so Miguel Aceituno vom Verkauf.

Der Bio-Bär wächst heran

Auch Rudolf Behr, Vorstandsvorsitzender der gleichnamigen AG, sieht noch ungenutztes Bio-Potenzial. Der Bio-Gemüse-Garten von Behr dehnt sich über 380 Hektar in Mecklenburg-Vorpommern aus. Insgesamt 5.000 Hektar bepflanzt Behr. Acht Prozent Bio-Anteil hat das Agrar-Unternehmen erreicht. Das „Bio-Bär“ genannte Sortiment umfasst 14 Sorten Kohl und Salat: Eissalat, Mini Romana, Salanova, Kopfsalat, Feldsalat, Radiccio, Treviso, Frisee, Endivie, Blumenkohl, Broccoli, Bluccoli, Kohlrabi, Chinakohl. Neue Produkte sind geplant ohne dass Behr schon einen Zeitpunkt nennt für die Auslieferung: „Rucola ist im Werden und Bio-Tomaten aus dem Gewächshaus kommen.“

Im spanischen Murcia betreibt die Behr AG inzwischen einen zweiten Bio-Betrieb. Hier läuft im Winter das gleiche Programm wie in Deutschland im Sommer. „Die Ganz-Jahres-Versorgung des LEH steht dahinter“, so der Vorstandsvorsitzende. Das kurbelt die Bio-Umsätze an.

Ähnlich sieht es Geschäftsführer Rainer Carstens vom Westhof, seit 2007 ein Unternehmen der Landgard-Gruppe: „Das Angebot an Bio-O+G ist noch zu klein. Es gibt nur die wenigen Hauptarten wie Möhren, Tomaten und Kartoffeln. Der Schritt in den LEH ist schwierig, weil die benötigten Mengen groß sind. Ich würde Landwirte finden, wenn es langfristige Zusagen vom Handel gäbe.“ Carstens sucht mit Land­gard den Weg in die Ballungsräume: „Wir können unsere Bio-Möhr­en in Schleswig-Holstein nicht alle im Direktverkauf absetzen.“ Dafür gibt es in dem Küstenland zu wenig Menschen und zu viele Bio-Möhren. Von der Resonanz auf der Fruit Logistica war Carstens positiv überrascht und absolut zufrieden.

Verbraucher trifft Erzeuger

Der Eosta-Stand auf der Fruit Logistica ist in den vergangenen Jahren vom kleinen Pflänzchen zur farbenfrohen Frucht gewachsen. Bei der Rückverfolgung via Internet hat das niederländische Fruchthandelsunternehmen „Nature & More“ durch „Let’s meet“ ersetzt. „Wir lancieren das auf der Messe hier. Let’s meet erzählt die Geschichte des Anbauers. Er ist auf einem Bild zu sehen und kann per E-Mail kontaktiert werden“, berichtet Marketingleiter ­Michael Wilde. Viel Auf­merksamkeit erheischte auch Lehmann Natur. Der Bio-Fruchthändler provozierte mit dem Spruch „Pharmazie der Zukunft“, der in dicken Lettern über dem Stand prangte. Bei den einzelnen Bio-Früchten wurden Schilder mit Nährwert-Angaben und Gesundheitsnutzen aufgestellt. „Wir haben positive Rückmeldungen bekommen. Die Besucher sind dankbar für die Tipps“, gab Karin Lehmann Auskunft. Schließlich tut biologischer Anbau nicht nur der Natur gut, sondern die Früchte auch dem Körper.

Fairtrade und Bio hat sich Bomarts aus der Schweiz auf die Fahne geschrieben. „Nachhaltiges wirtschaften zum Nutzen der Menschen in Afrika ist unser Hauptthema“, erklärt Daniel Senn. Ananas ist das Hauptprodukt. Daneben handelt der Afrika-Spezialist noch mit Mangos, Papayas und Kokosnüssen, frisch und getrocknet. Seit zwei Jahren ist der ­Importeur von Bio Suisse zertifiziert.

Bio lockt neue Firmen an.

Fru’Cha aus Hamburg erlebte bei der Fruit Logistica seinen ersten Messe-Auftritt überhaupt. Das neue Unternehmen verbindet ein Sortiment von 20 Trockenfrüchten und Nüssen mit Genuss und Gesundheit. Fru steht für Frucht Cha für culture, health and more.

Eine edle Faltschachtel mit Fenster verrät in großen Buchstaben das Herkunftsland. „Wir schaffen Authentizität über die Verpackung. Sie erzählt die Geschichte des Produkt“, erläutert Geschäftsführer Andre Pilling die Strategie. Innovationen wie Acai- und Maca-Pulver bereichern das Sortiment. Cranberries aus Kanada und Goji aus China haben ebenso exotischen Charakter wie die Ananas aus Sri Lanka und die Mango aus Burkina Faso. Der qualitätsorientierte LEH, Reformhäuser und Apotheken sind die Vertriebskanäle über die das Sortiment den Weg zum Verbraucher finden soll.

Mit Northern Greens ging in Berlin ein weiteres neues Bio-Unternehmen an den Start. Bio-Gemüse aus Dänemark verbirgt sich dahinter. Die Dänen wollen auf dem großen deutschen Bio-Markt Fuß fassen. „Wir sind von Jütland aus schneller in Hamburg als in Kopenhagen“, erklärt Geschäftsführer Jörgen Nielsen.

Die Erzeuger haben langjährige Erfahrung auf dem hochentwickelten dänischen Bio-Markt und wagen sich jetzt an den Export mit 18 Ge­müsesorten von Auberginen bis Zwiebeln. Kartoffeln und Karotten sind laut Saisonkalender ganzjährig lieferbar. Auf dem Bio-Markt bewegt sich was.

Anton Großkinsky


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