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ISM

Bio versüßt das Leben

ISM in Köln zeigt Bewährtes und Neues aus biologischer Herstellung

Trotz Finanzkrise versüßen sich die Menschen das Leben: Bei der ISM 2009 in Köln vom 1. bis 4. Februar waren die Aussteller gedämpft optimistisch, und die Bio-Branche rechnet für Schokolade und Co. mit weiterem Wachstum. Mit 32.500 Fachbesuchern aus 150 Ländern blieb der Besuch leicht unter dem Niveau des Vorjahres. „Der jährliche internationale Treffpunkt ISM ist für die Branche unverzichtbar“, resümiert Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung Koelnmesse GmbH. Bio-Süßwaren sind noch eine Angelegenheit der mittleren Hersteller, wie der Blick in die Hallen zeigten. Für die Großen ist der Bio-Süßwarenmarkt noch zu klein.

Dem gestiegenen Interesse an ökologisch produzierten Süßwaren und Knabberartikeln wurde auf der diesjährigen ISM in Köln durch die „Bio-Straße“ Rechnung getragen. 52 Aussteller belegten eine Vitrine oder bauten gleich hier ihren Stand auf. Neben Bio-Spezialisten präsentierten sich außerhalb der Bio-Straße weitere Hersteller mit einem Bio-Sortiment oder einem Teilangebot mit Bio-Produkten.

„Mit der Bio-Straße rücken wir das Thema Süßwaren und Knabberartikel aus biologischem Anbau und Verarbeitung erneut in den Blickpunkt“, erklärte Peter Grothues, eschäftsbereichsleiter Ernährungsmessen. Die Bio-Straße war zwar nicht die Hauptstraße im Besucherstrom, aber die Aussteller waren mit der Qualität der Gespräche zufrieden.

„Für mich ist die ISM nicht schlechter als letztes Jahr. Ich kann noch keine Krise feststellen. Die asiatischen Besucher scheinen ein wenig zu fehlen. Die Qualität der Kontakte stimmt“, äußerte sich Exportleiter von Maestrani Rodolfo Colcergnan.

Frischer Bio-Wind

Die Bio-Hersteller offerieren dem Handel eine Reihe neuer Bio-Produkte, um frischen Wind in die Regale zu bringen. Ein Besucher-Magnet war Zotter mit der Mitzi Blue-Linie. Der mit plakativen Buchstaben bedruckte quadratische Karton weicht von der klassischen Schokoladen-Packung ab. Es ist auch keine Tafel drin, sondern eine Scheibe im CD-Format mit einem variierenden Brech-Muster.

Die Displays haben Ähnlichkeit mit einem CD-Ständer. Zu jeder Sorte gibt es ein Lied. Das Produkt spricht ein junges Supermarkt-Publikum an, nicht den eingefleischten Naturköstler. Für die 50-Gramm-Packung sollen 2,20 Euro in die Kasse wandern. „Das ist spritzig und etwas verrückt. Schauen wir, wie es läuft“, meint Exportmanagerin Katharina Frauwallner.

Katjes ist mit zwei Sorten Fruchtgummis unter dem Namen „Bio Bande“ in den Bio-Markt eingestiegen. Die eine Sorte heißt Fruchtsaft & Milch, die andre Fruchtsaft und Traubenzucker. Außerdem ist Apfel-, Holundersaft und Magermilchpulver in den Bio-Fruchtgummis enthalten.

Die PCO Group präsentiert eine Popcorn-Edition zum ­Genießen und Sammeln mit zwei Bio-Produkten: „Janoschs Bio-Zuckerwatte für Freunde“ aus reinem Roh-Rohrzucker und „Janoschs Bio-Glücks-Popcorn“ sind Lizenzprodukte des berühmten Zeichners.

Neu auf dem Markt sind die Bio-Biskotten von Spitz aus Attnang-Puchheim in Österreich. Spitz beweist, dass „Bio“ köstlich schmeckt. Eine feine Rezeptur mit hochwertigen Zutaten wurde nach zahlreichen Geschmackstests für marktreif befunden. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Desserts, Baby- und Kindernahrung, Schonkost oder Imbiss.

F.W. Praum Friedrichsdorf stellte seine neue Marke Praum vor. Der Gebäck-Hersteller wählte die edle Faltschachtel in dezenter Farbgestaltung mit Blick auf das Produkt und hohem Wiedererkennungswert. „Eine schö­ne Präsentation ist wichtiger denn je. Jedes Produkt ist durch eine eigene Farbe gekennzeichnet“, erläutert Inhaber Dietrich Praum das System.

Überwiegend ist hochwertiges Dinkelmehl die Basis; zwei Sorten werden aus Weizenmehl gebacken. Demeter oder Fairtrade oder demeter plus Fairtrade sind zusätzliche Merkmale der 16 Artikel: Zehn Sorten Süßgebäck, vier salzige und zwei Zwiebacks werden im qualitätsorientierten Einzelhandel vertrieben. Zusätzlich gibt es drei Weihnachtsartikel. Den Weg in den Handel finden die Kekse unter anderem durch die bioVLog aus Fulda.

Bio bietet Besonderes

Die Confiserie Dr. Scholze hat vor zwei Jahren ein Bio-Sortiment aufgelegt. „Alle Welt ruft nach Bio“, hat Frau Scholze festgestellt. Die Confiserie kommt aus dem Bereich Konferenzgebäck und beschreitet mit dem Bio-Gebäck neue Vertriebswege. Die Firmen-Philosophie heißt handwerkliche Herstellung. Für den Händler mit anspruchsvoller Kundschaft, die das Besondere will, können die Produkte ein Aushängeschild sein.

Am Montag- und Dienstagnachmittag diskutierten Experten in Bio-Fachgesprächen die Themen Vermarktung sowie Rohstoffe und Verarbeitung. Bis zu 100 Besucher signalisierten das Interesse an den Bio-Themen. „Bio-Süßwaren machen Sinn. Es ist eine Nische, aber eine große Nische“, wie Sascha Tischer von der Agentur relations in einer von Bernward Geier moderierten Diskussionsrunde darlegte (Siehe auch Bericht Bio-Süßwaren & Bio-Knabberartikel machen Sinn).

Etwas mehr als die Hälfte der Verbraucher hält Bio-Süßwaren für gesünder als konventionelle. Bei steigendem Gesundheitsbewusstsein ein Argument für den Handel, sich hier richtig zu positionieren. Allerdings herrscht weiter Aufklärungsbedarf beim Verbraucher. Ein Viertel verneint die Frage, ob Kakao als Übersee-Produkt biologisch sein kann. Da geistert noch das Bild der Öko-Insel Deutschland in einer rundum konventionellen Welt in den Köpfen herum.

Die bevorzugte Verkaufsstätte des Konsumenten für Bio-Naschwerk ist der Supermarkt vor dem Discount und dem Naturkostfachgeschäft. „Die internationalen Markenartikler halten sich bei Bio-Süßigkeiten aber noch zurück“, hat Tischer herausgefunden. Oft herrscht die Meinung, Bio addiert nichts zu den reinen Genussmitteln, die Süßwaren sind. Ein vermeintlicher Rohstoffmangel wird vorgeschoben und das Allerwelts-Argument, das immer zieht: zu teuer.

So hinkt der Süßwarenmarkt mit einem Bio-Anteil von unter einem Prozent der allgemeinen Entwicklung hinterher. Der LEH sendete allerdings positive Signale: Ein Plus von 32 Prozent zählten die Marktforscher 2008 bei dem noch sehr schmalen Bio-Süßwaren-Sortiment.

Der Publizist Hans Lauber sieht eine langsame Aufwärtsentwicklung für den Bio-Süßwaren-Markt. Für Bio-Berater Christoph Soika ist das eine Kopf-Sache: „Bio-Süßwaren sind gesund und teuer, denken die Verbraucher. Was sie nicht wissen: Bio Süßwaren schmecken ganz hervorragend.“ Das ist eine Kommunikationsaufgabe. Marketingleiterin Sylvia Rutschke vom Schweizer Schokoladen-Fabrikanten Maestrani sieht hier ein Dilemma: „Ich liste Sie, wenn ein TV-Spot kommt,“ spricht der Handel zum Hersteller und umgekehrt: „Ich mache einen TV-Spot, wenn ich gelistet werde.“

Die Studenten der Köln International School of Design (KISD) begleiteten den Bio-Schwerpunkt mit der Sonderschau „Sweet Organic“. Gezeigt wurden Entwürfe, die einen frischen, unverstellten Blick in die süße Bio-Zukunft gestatten.

Anton Großkinsky


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