Ausland
Stark im Export: Bio-Äpfel aus Südtirol
bioPress im Gespräch mit dem Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften (VOG)
© Armin Huber
Deutschland ist für Südtirols Bio-Apfelproduzenten der wichtigste Auslandsmarkt. Fast 40 Prozent seiner Bio-Äpfel liefert der VOG in den deutschen Handel. Die Produktion lag in der Saison 2025/26 bei rund 35.000 Tonnen – darunter Klassiker, Clubmarken und Neuheiten. Vertriebsleiter Klaus Hölzl erläutert, welche Sorten gefragt sind und wie der VOG dem Klimawandel trotzt.
bioPress: Herr Hölzl, in Deutschland geht es mit dem Bio-Markt weiter aufwärts. Wie ist die Situation in Südtirol?
Klaus Hölzl: Südtirol ist ein kleiner Markt, aber auch hier können wir einen steigenden Trend im Bio-Segment verzeichnen. Diesen Trend beobachten wir sowohl in Europa als auch außerhalb Europas, also durchaus global.
bioPress: Wie hoch ist der Anteil der ökologischen Anbaufläche und steigt die Bio-Fläche?
Hölzl: Wir sprechen bei konstantem Verlauf von zehn Prozent unserer Anbaufläche, die biologisch bewirtschaftet wird. Einen Anstieg erwarten wir derzeit nicht.
bioPress: In Deutschland stagniert die Zahl der Umsteller momentan. Wie sieht es in Südtirol aus?
Hölzl: In Südtirol können wir derzeit von einer stabilen Situation sprechen. Es ist weder ein Anstieg noch ein Verlust zu erwarten.
bioPress: Welche Bedeutung haben die 300 Bio-Apfelbauern im VOG? Wie hoch sind die jährlichen Erntemengen?
Hölzl: Die rund 300 Bio-Apfelbauern sind ein wichtiger Bestandteil von VOG: Es handelt sich um Erzeuger, die sich bewusst für diese Anbaumethode entschieden haben und die wie alle Apfelbauern des Konsortiums – über 4.000 familiengeführte landwirtschaftliche Betriebe – ein wichtiges unternehmerisches Kapital darstellen, das VOG auch weiterhin fördern und schützen will. Quantitativ gesehen liegt die Bio-Produktion von VOG für die Saison 2025/2026 mit rund 35.000 Tonnen geernteten Bio-Äpfeln auf dem Niveau des Vorjahres und bestätigt damit die Bedeutung dieses Bereichs.
bioPress: Welche Absatzkanäle sind am relevantesten für den Verkauf von Bio-Äpfeln?
Hölzl: Zu unseren Hauptabsatzmärkten zählen weiterhin vor allem die verschiedenen Supermärkte in den Ländern, die wir beliefern.
bioPress: In welcher Höhe liegt aktuell das Südtiroler Bio-Exportvolumen und wie hoch ist der Exportanteil nach Deutschland und in europäische Länder bzw. Übersee?
Hölzl: Wir exportieren über 70 Prozent unserer Bio-Äpfel nach Destinationen außerhalb Italiens, wobei mit fast 40 Prozent Deutschland eindeutig und weiterhin unser wichtigstes Exportland ist. Übersee ist aktuell noch eine Nische für den Bio-Bereich, aber sicherlich ein Zukunftsmarkt.
bioPress: Welche Spezialitäten haben Sie für deutsche Einkäufer im Gepäck?
Hölzl: Wir liefern aktuell die meisten unserer Produkte auch nach Deutschland – dazu gehören zum Beispiel Klassiker wie der Gala, der insbesondere das Segment Apfel Rot abbildet. Daneben möchte ich auch Inored Story erwähnen, mit dem wir das gesamte Jahr lieferfähig sind. Außerdem haben wir neben den Klassikern unsere Clubmarken im Gepäck, wie Pink Lady Bio und Kanzi Bio, aber auch neue Sorten wie Natyra, Cosmic Crisp Bio, RedPop Bio und Giga Bio, die unser Sortiment erweitern.
bioPress: Was sind Südtiroler Bio-Verkaufsschlager in Deutschland?
Hölzl: Punkten können wir mit unseren Clubsorten und insbesondere in der zweiten Saison-Hälfte mit unseren neuen haltbaren Sorten.
bioPress: Gibt es Südtiroler Bio-Apfel-Produkte, die in deutschen Supermärkten noch fehlen und die sie Kaufleuten besonders nahelegen wollen?
Hölzl: Ich denke, insbesondere mit unseren innovativen Sorten können wir hier ein interessantes Angebot schaffen: neue Sorten mit attraktiven Geschmackseigenschaften in Bio-Qualität. Zudem haben wir auch den Verpackungsbereich optimiert, beispielsweise durch die Einführung von Produkten in Netzverpackungen.
Dank eines breiten und strukturierten Sortiments positionieren wir uns heute als verlässlicher Partner für die Koordination der Bio-Apfelkategorie und reagieren kontinuierlich sowie flexibel auf die Bedürfnisse von Konsumenten und Handel.
bioPress: Wie wirken sich die klimatischen Veränderungen auf den Anbau und die Apfelernte aus?
Hölzl: Die extremen Wetterereignisse haben einen großen Einfluss auf unsere Arbeit: Aus diesem Grund engagiert sich VOG gemeinsam mit Wissenschaftlern und Branchenverbänden an vorderster Front für die Entwicklung innovativer und umweltfreundlicher Lösungen zum Schutz der Apfelplantagen. Die Apfelbauern des Konsortiums haben etwa mit Weitblick in den Schutz vor extremen Wetterereignissen wie Hagel und Frost investiert, um die Kontinuität der Produktion und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Heute sind über 80 Prozent der Anbauflächen mit Frostschutzbewässerungssystemen ausgestattet, während Hagelschutznetze etwa 75 Prozent der gesamten Anbaufläche abdecken, bei den Club-Sorten sogar 100 Prozent.
Der wirksame und nachhaltige Schutz der Pflanzen hat für uns Priorität: Er ermöglicht es uns, qualitativ hochwertige, erschwingliche und haltbare Produkte anzubieten und dies auch in einem von Klimawandel und Unvorhersehbarkeiten geprägten Umfeld weiterhin zu tun.
Interview: Marita Sentz







