Start / Business / International / Bioland zur Resilienz in der Futtermittelkrise

Agrarwende

Bioland zur Resilienz in der Futtermittelkrise

Gegen Spekulationen im Lebensmittel- und Futtermittelbereich

Angesichts des fortdauernden Krieges in der Kornkammer Europas bekräftigt der Bioland-Landesverband Hessen die Forderungen des größten deutschen Bio-Anbauverbands. Mit Blick auf die globale Lebensmittelproduktion sei der Krieg vor allem für viele afrikanische Staaten problematisch, die ihren Bedarf weitgehend mit ukrainischem Getreide abdecken.

Die wesentlichen Forderungen der Bioland-Resolution:

  1. Bioland spricht sich klar gegen Spekulationen im Lebensmittel- und Futtermittelbereich aus, die zu einem zusätzlichen Anstieg der Preise führen würden
  2. Der Lebensmittelproduktion sei unbedingt Vorrang zu geben vor anderer Flächennutzung
  3. Ziele des Green Deals mit der Farm-to-Fork-Strategie sowie die nationalen Bio-Ziele müssten auch und insbesondere in Krisenzeiten weiterverfolgt werden

Die derzeitigen Engpässe am Bio-Futtermittelmarkt seien keine direkten Folgen des Krieges, sondern eine Folge von Spekulationen an den Märkten. Hierdurch seien die Preise auf dem konventionellen Markt so sehr in die Höhe getrieben worden, dass verstärkt auf den Bio-Markt zurückgegriffen wird.

Die unterschiedliche Wirtschaftsweise im Vergleich zur EU-Bio-Landwirtschaft verliehe Bioland-Betrieben zudem eine größere Resilienz gegenüber der aktuellen Futtermittelknappheit. Mindestens die Hälfte des gesamten Futters muss beim Bioland-Standard vom eigenen Betrieb kommen. Durch flächengebundene Tierhaltung soll der Futterzukauf zudem deutlich reduziert werden.

Unter der derzeitigen Futtermittelknappheit litten daher vor allem Tierhalter, die nach konventionellem Standard oder nur nach den Standards des EU-Biosiegels und nicht nach den Standards eines der Bio-Anbauverbände arbeiteten.

„Die Krise, wie wir sie jetzt erleben, offenbart welche Abhängigkeiten entstehen, wenn Produktionskreisläufe nicht geschlossen sind“, mahnt Gita Sandrock, Vorstandsvorsitzende von Bioland Hessen.

Den Ukraine-Krieg zu instrumentalisieren, um ein Aussetzen des Umbaus der Landwirtschaft zu fordern, sei der falsche Weg. Denn Artensterben, Klimakrise und Umweltzerstörung schritten weiter voran.

„Wenn wir uns resilienter gegenüber all diesen Krisen aufstellen wollen, müssen wir uns für ein nachhaltiges Wirtschaftssystem entscheiden. Der Ökolandbau ist ein zentraler Baustein für diese Transformation“, erläutert Mareike Weißmüller, Geschäftsführerin des Bioland-Landesverbandes Hessen.

Die Agrarwende müsse zudem von einer deutlichen Reduzierung des Konsums tierischer Lebensmittel aus industrieller Tierhaltung flankiert werden. Der Abbau der hohen Tierbestände und die Etablierung einer flächengebundenen Tierhaltung wäre ein sinnvoller Weg in eine zukunftsfähige Landwirtschaft.


Ticker

Das könnte Sie auch interessieren

Das Feilschen um den Bio-Rohwarenpreis stoppen

AöL fordert: wahre Preise etablieren

Nicht nur die Hitze der letzten Wochen und die Dürre auf den Feldern, auch die anhaltende Coronapandemie und der Krieg in der Ukraine zeigen, wie krisenanfällig unser konventionelles Ernährungssystem ist. Resiliente und nachhaltige Strukturen waren seit jeher ein Grundgedanke der Öko-Land- und Ernährungswirtschaft. Das zahlt sich jetzt in der Krise aus. Die Chance zum Wandel zu einem enkeltauglichen Ernährungssystem war nie größer und die Notwendigkeit nie drängender, meint die Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL).

11.08.2022mehr...
Stichwörter: Bioland, Ukraine, Russland, Verbände, International, Agrarwende, Resilienz, Futtermittel

Öko-Feldtage machen deutlich: Ökolandbau ist Landwirtschaft der Zukunft

330 Unternehmen präsentieren innovative Lösungen

Öko-Feldtage machen deutlich: Ökolandbau ist Landwirtschaft der Zukunft © Marzena Seidel

Vom 28. bis 30. Juni fanden die Öko-Feldtage auf der Hessischen Staatsdomäne Gladbacherhof in Villmar statt. Die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz und der Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir eröffneten die Innovationsschau rund um den Ökolandbau. Auf dem Programm standen neben Präsentationen von Saatgut, Landtechnik, Stallbau und Futtermitteln auch politische Diskussionen über die Zukunft der Landwirtschaft.

04.07.2022mehr...
Stichwörter: Bioland, Ukraine, Russland, Verbände, International, Agrarwende, Resilienz, Futtermittel

Nach Kohle- und Ölembargo: Ansturm auf neue Rohstoffquellen bedroht Umwelt und Menschenrechte

Initiative Lieferkettengesetz fordert verbindliche Regeln

Der Angriffskrieg gegen die Ukraine droht, weit über die Region hinaus Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in Rohstofflieferketten zu befördern. In einer heute veröffentlichten Analyse zeigt die ‚Initiative Lieferkettengesetz‘, wie Bundesregierung und Unternehmen nach alternativen Quellen für Steinkohle, metallische Rohstoffe und Erdöl aus Russland suchen. Dabei geraten zunehmend Regionen wie Kolumbien oder Indonesien in den Fokus, in denen die Rohstoffindustrie zu massiven Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen beiträgt.

09.06.2022mehr...
Stichwörter: Bioland, Ukraine, Russland, Verbände, International, Agrarwende, Resilienz, Futtermittel