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Verbraucher gegen gentechnisch veränderte Eier

Wahlfreiheit in Gefahr

Verbraucher gegen gentechnisch veränderte Eier

Das israelische Startup NRS Poultry will Legehennen mittels CRISPR/Cas so verändern, dass die Entwicklung männlicher Embryonen in einem frühen Stadium gestoppt wird. Die weiblichen Eier seien von der Technik nicht betroffen. Nach einer Umfrage des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) würden 70 Prozent der Verbraucher solche Eier nicht kaufen. 85 Prozent sprechen sich für eine verpflichtende Kennzeichnung aus.

Die Generaldirektion Gesundheit (DG Sante) der Europäischen Kommission hat die weiblichen Küken der CRISPR-Hühner in einer vorläufigen Stellungnahme vom Juli 2021 nicht als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) eingestuft, da sie kein verändertes Erbgut enthielten. Demnach wären für die Eier von NRS Poultry weder Zulassungsverfahren noch Gentechnik-Kennzeichnung nötig.

Das deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat das neue Verfahren bisher als „in der konventionellen Geflügelhaltung prinzipiell möglich“ erachtet. Über die Zuverlässigkeit könne aber noch keine Aussage gemacht werden.

„Die europäischen Behörden müssen jeden einzelnen Fall von Gentechnik in Lebensmitteln einer kritischen Prüfung unterziehen“, erklärt Karl Bär, Grünen-Obmann im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft. Dass in den Legehennen, deren Mütter gentechnisch verändert wurden, keine Veränderung nachweisbar ist, setze eine 100 Prozent fehlerfreie Anwendung der Technologie voraus. Wenn Behörden die Angaben der Industrie ungeprüft übernähmen, handelten sie nicht im Sinne der Bürger.

Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik warnt vor einer schleichenden Deregulierung. „Es ist besorgniserregend, wie die EU-Behörde blindlings den Beteuerungen des Herstellers folgt“, kommentiert VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting. Das stehe im Widerspruch zum Gentechnik-Recht, zu Verbrauchererwartungen und zum gesunden Menschenverstand: „Wenn Legehennen und Eier direkt von einem gentechnisch veränderten Tier abstammen, sind selbstverständlich auch sie Gentechnik-Produkte.“

Bereits rund 70 Prozent der Eier in Deutschland werden nach Angaben des VLOGs ohne Gentechnik-Futter produziert. Dieser Erfolg würde gefährdet, wenn die EU-Kommission bei ihrer Bewertung bliebe und CRISPR-Gentechnik-Eier ungeprüft auf den Markt kämen. Um das Kükentöten zu stoppen, gebe es andere Möglichkeiten wie Zweinutzungshühner, die Bruderhahnaufzucht oder die Geschlechtsbestimmung im Ei ohne Gentechnik.

Für die VLOG-Umfrage hat das Meinungsforschungsunternehmen Civey Ende März 2.500 Bundesbürger ab 18 Jahren befragt. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse liege zwischen 3,4 und 3,5 Prozent.


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