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Deutscher Bio-Markt wächst um sechs Prozent

15,9 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2021

Nach dem Bio-Boom im ersten Corona-Jahr konnte der Bio-Markt sein Wachstum 2021 nicht halten. Mit 5,8 Prozent ist der Umsatz dennoch weiter gestiegen. Während der Naturkostfachhandel leichte Einbußen verzeichnete, legten Lebensmitteleinzelhandel und insbesondere Discounter weiter zu. Die neuesten Zahlen hat Diana Schaack von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) auf der digitalen Branchenbilanz der Biofach vorgestellt.

Um 9,1 Prozent ist der Bio-Umsatz im LEH im letzten Jahr gewachsen, auf 9,88 Milliarden Euro. Anders als 2020 trugen dazu die Discounter noch mehr bei als die Vollsortimenter und auch die Drogeriemärkte bauten ihren Bio-Verkauf deutlich aus, wie Schaack berichtete. Unter den Vollsortimentern hätten vor allem Edeka- und Rewe-Märkte im Bio-Bereich zugelegt, weniger die großen SB-Warenhäuser. Die sonstigen Einkaufsstätten mit Hofläden, Online-Handel, Wochenmärkten, Bäckereien etc. verzeichneten ein Plus von 7,4 Prozent und einem Ergebnis von 2,41 Milliarden Euro. Dagegen musste der Naturkostfachhandel mit minus 3,3 Prozent zurückstecken und erzielte 3,58 Milliarden Euro Umsatz.

„Der Naturkostfachhandel muss seine bisherigen Geschäftsmodelle überprüfen!“, stellte Kommunikationsberater Klaus Braun in der digitalen Konferenz fest. War ein Wachstum von fünf bis zehn Prozent pro Jahr früher normal, so seien die Wettbewerbsvorteile aus der Pionierphase zunehmend überholt und der Bio-Handel habe angesichts anderer Vertriebskanäle sein Alleinstellungsmerkmal verloren. Innerhalb des Fachhandels sei zunehmend die Schließung kleiner Läden und die Eröffnung großer Filialen zu beobachten.

Pflanzendrinks und Fleischalternativen im Trend

Während die Entwicklung des gesamten Lebensmittelmarkts 2021 leicht rückläufig war, lässt sich im wachsenden Bio-Markt ein ungebrochener Trend zur vermehrten Nachfrage nach Bio-Produkten beobachten. Der Bio-Anteil am Gesamtmarkt liegt inzwischen nach vorläufigen Schätzungen bei 6,8 Prozent.

Besonders nachgefragt waren ökologische Pflanzendrinks (rund 62 Prozent Mengenanteil), Fleischersatzprodukte (27 Prozent) und Eier (17 Prozent). Bio-Pflanzendrinks wurden um 35,2 Prozent mehr gekauft als im Vorjahr, -Fleisch um 18,9 Prozent und Fleischersatzprodukte um 11,3 Prozent. Dabei konnten Milchalternativen und Fleischersatz im konventionellen Markt ein noch größeres Wachstum verbuchen. Das führte Schaack auf den vermehrten Einsatz von Zusatzstoffen zurück, der die Herstellung für konventionelle Verarbeiter vereinfacht. „Hier ist im Bio-Bereich noch Entwicklungsarbeit nötig!“ Vor allem junge Menschen kauften überdurchschnittlich häufig Pflanzenalternativen in Bio-Qualität. Man dürfe sich daher auf einen langfristigen Trend einstellen.

Weiteres Bio-Flächenwachstum nötig

Was die landwirtschaftlichen Flächen angeht, so wurden 2021 in Deutschland 10,8 Prozent biologisch bewirtschaftet (rund 1,78 Millionen Hektar). Das ist eine Steigerung von 4,8 Prozent und 81.872 Hektar im Vergleich zum Vorjahr. 320 Bio-Höfe kamen neu dazu, die Gesamtzahl liegt damit inzwischen bei 35.716 Betrieben (13,2 Prozent aller Höfe). Von der Bio-Fläche werden 64 Prozent (58.260 Hektar) nach den Standards von Bioanbauverbänden bewirtschaftet.

Fast die Hälfte der Fläche, nämlich 880.000 Hektar, wird von Grünland eingenommen. Auf den 760.000 Hektar Bio-Ackerland bleibt Weizen die wichtigste Anbaukultur. Während Bio-Landwirte im Jahr 2021 um 47 Prozent mehr Dinkel und 26 Prozent mehr Hafer ernteten, ging der Anbau von Gerste (-20 Prozent) und Roggen (minus vier Prozent) zurück. „Die Futterknappheit liegt den Tierhaltern schon im Genick“, so Schaack. Trotz der gewachsenen Anbaufläche übersteige die Nachfrage bei vielen Kulturen das Angebot, mit Preissteigerungen als Folge. Vor allem Leguminosen und Eiweißfutter seien teurer geworden.

Trotz der höheren Endpreise werde die Kostensteigerung auf Seiten der Erzeuger momentan nicht gedeckt – ein Problem, das dieses Jahr weiter anhalten werde. „Wir müssen auch aufpassen, dass die Verarbeiterstufe nicht unter die Räder gerät.“ Mit einem Plus von sieben Prozent sind aktuell 17.350 Bio-Verarbeiter in Herstellung und Gastronomie tätig.

Damit das im Koalitionsvertrag festgelegte Ziel von 30 Prozent Bio bis 2030 erreicht werden kann, muss das Flächenwachstum sich noch deutlich beschleunigen: Zwölf Prozent pro Jahr sind nötig. Damit das erreicht werden kann, brauche es eine „kohärente ressortübergreifende Strategie, eine ausreichende Finanzierung, mehr Forschung und Förderung von Bio-Höfen und -Verarbeitern“, erklärte Tina Andres, Vorstandsvorsitzende des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft.

Lena Renner


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