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Biodiversität

Ökofläche vereint 260 Prozent mehr Biomasse

Biodiversitätsstudie von Hipp zeigt positiven Effekt des Ökolandbaus

Ökofläche vereint 260 Prozent mehr Biomasse © Thomas Greifenstein, Ehrensberger Hof
Die Population des Sechsfleck-Widerchens (Zygaena filipendulae) ist zunehmend rückläufig. Durch die Beseitigung von Blühwiesen sowie die intensive Bewirtschaftung von Grünflächen geht dieser Nachtfalterart wichtiger Lebensraum verloren.

Die ökologische Landwirtschaft bietet mit einer um 260 Prozent höheren Biomasse einen deutlich besseren Lebensraum für zahlreiche Insekten als die konventionelle. Das geht aus einer Studie hervor, die der Babynahrungshersteller Hipp zusammen mit der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) und den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) durchgeführt hat. Auch gefährdete Tierarten hätten hier mehr Überlebenschancen.

„Die Biomasse aller Fluginsekten ist innerhalb von rund 30 Jahren um mehr als 70 Prozent zurückgegangen“, mahnt Dr. Axel Hausmann von der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM), der die Studie ‚HiPP Projekt Insektenvielfalt‘ zusammen mit Hipp leitet. Vor knapp vier Jahren hat Hipp die Studie, die den Einfluss von ökologischem und konventionellem Landbau auf die Biodiversität untersucht, angestoßen. Es sei weltweit die erste Studie, die in diesem Bereich durch DNA-Metabarcoding eine umfassende qualitative und quantitative Analyse ermöglicht.

Für die wissenschaftliche Evaluation werden Fliegen, Hautflügler, Käfer, Schmetterlinge und zahlreiche weitere Insekten gesammelt, identifiziert und präpariert. Mittels DNA-Metabarcoding, bei dem eine gemischte Probe homogenisiert und analysiert wird, konnten die Wissenschaftler rund 20 Millionen DNA-Sequenzen untersuchen und hieraus mehr als 500.000 genetische Cluster feststellen.

„Diese Studie erweitert und ergänzt die wissenschaftlichen Erkenntnisse der ‚Krefelder Studie zum Insektenrückgang‘ aus dem Jahr 2017 durch Anwendung modernerer Methoden“, sagt Dr. Axel Hausmann. Mit bemerkenswerten Ergebnissen: Auf dem Hipp Musterbetrieb für biologische Vielfalt, dem Ehrensberger Hof in der Nähe von Pfaffenhofen an der Ilm, konnte bei der Erfassung im Jahr 2018 im Vergleich zum konventionellen Versuchshof das 2,6-fache an Biomasse festgestellt werden.

Insgesamt 21 Prozent mehr Insektenarten sowie 60 Prozent mehr Schmetterlingsarten fanden auf den ökologisch bewirtschafteten Flächen Lebensraum – darüber hinaus die doppelte Anzahl der laut Roter Liste gefährdeten Arten. Insgesamt konnten dort von den zirka 25.000 in Bayern bislang erfassten Insektenarten rund 7.500 nachgewiesen werden.

Um die Untersuchungen durchzuführen, setzten die Wissenschaftler der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) sowie der Schmetterlingsforscher Thomas Greifenstein im Jahr 2018 auf je zwei Malaise-Fallen (Zeltfallen) auf dem Bio-Hof und auf dem konventionellen Hof. Seit 2019 kommen insgesamt 20 Fallen zum Einsatz. Unterstützend hierzu wurden Lampen mit hohem UV-Anteil, sogenannte Lichtfallen, zum Fang von Nachtschmetterlingen eingesetzt.

„Diese Ergebnisse zeigen ganz deutlich, dass die Bewirtschaftungsform landwirtschaftlicher Flächen von enorm hoher Relevanz für die Insektenvielfalt und das gesamte Ökosystem ist“, so Hausmann. Die Natur könne sich außerdem schnell erholen. Bereits nach einem Jahr, in dem Landwirte auf mineralische Stickstoffdünger verzichten, siedelten sich auf Wiese oder Acker wieder zahlreiche Insekten an.


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