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Pestizide

Schutz für Bienen gefordert

Offener Brief an Julia Klöckner

Der Deutsche Berufs- und Erwerbs-Imker Bund e.V. (DBIB), der Imkerverbund Rheinland-Pfalz sowie die Aurelia-Stiftung haben sich mit einem offenen Brief an Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sowie den Präsidenten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Friedel Cramer, gewandt. Anlass waren die in mehreren Bundesländern erteilten Notfallzulassungen für den bienenschädlichen Insektizid-Wirkstoff Thiamethoxam.

Die Gefährdung bestäubender Insekten durch Neonicotinoide ist hinreichend belegt. Trotzdem billigt die Bundesregierung, dass diese zum Teil längst verbotenen Insektengifte weiter im Ackerbau eingesetzt werden.

Ein besonderes Risiko für Bienen und Imkereien gehe in diesem Jahr von dem Insektengift Acetamiprid aus, heißt es in dem offenen Brief. Die Anwendung acetamipridhaltiger Mittel in der Vollblüte und auch tagsüber während des Bienenflugs sei im Rapsanbau gängige Praxis. Solche Blütenspritzungen führten zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden bei Bienen und immer wieder auch bedenklichen Rückständen in Honig. Die Zulassung für Acetamiprid läuft in Deutschland Ende Februar 2021 aus, soll aber sehr wahrscheinlich verlängert werden.

Dass Acetamiprid hochtoxisch für Bienen ist, erkennen auch die zuständigen Behörden an. Das BVL stuft unter anderem das acetamipridhaltige Mittel Mospilan SG als „schädigend für Populationen von Bestäuberinsekten“ ein. Trotzdem erlaubt das BVL aber weiterhin die Anwendung in der Blüte und billigt Werbung der Hersteller und Händler.

Auch die Notfallzulassungen für Mittel mit dem Wirkstoff Thiametoxam erfolgten wider besseren Wissens um ihre umwelt- und bienenschädigende Wirkung. Annette Seehaus-Arnold, Präsidentin des Deutschen Berufs- und Erwerbs-Imker Bunds e.V., betonte, Notfallzulassungen für bienenschädigende Pestizide zu erteilen, ohne vorher eine Schadensabwägung mit den betroffenen Imkern und Naturschutzvertretern vorzunehmen, sei „eine Zumutung und besonders vor dem Hintergrund des Insektensterbens unverantwortlich.“

„Im Fall der Zulassungen von Neonicotinoiden wägt Ministerin Klöckner wieder einmal völlig einseitig wirtschaftliche Interessen der Agrarindustrie gegen den dringend notwendigen Schutz der Bienen und Biodiversität und die Interessen der Imker*innen ab“, sagte Johann Lütke Schwienhorst, Agrarreferent der Aurelia Stiftung.

Die Verfasser des offenen Briefes fordern daher:

  • die Pestizidanwendung in blühenden Pflanzenbeständen wirksam zu unterbinden,
  • Pestiziden mit dem Neonicotinoid-Wirkstoff Acetamiprid keine Neuzulassung zu erteilen,
  • die Notfallzulassungen zur Saatgutbehandlung mit Neonicotinoiden zurückzuziehen.

Mit diesen Forderungen haben sich die Organisatoren auch am Protest des Agrarwende-Bündnisses ‚Wir haben es satt!‘ am vergangenen Samstag, 16.01.2020, vor dem Kanzleramt beteiligt.


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