Start / Ausgaben / BioPress 48 - August 2006 / Biowachstum im LEH

Biowachstum im LEH

Kommentar von Erich Margrander

Trotz aller Unkenrufe, der LEH könne es angeblich nicht, weisen die Zeichen auf nachhaltig hohe Wachstumsraten in der Biovermarktung. Viel Polemik ist zur Zeit im Spiel. So wird zum Beispiel von der Yellow-Presse und auch von Öko-Aktivisten ein Verfall der Bio-Glaubwürdigkeit gepredigt. Sie stützen sich dabei auf Aussagen des Bauernführers Sonnleitner, der einen drohenden Preisverfall deshalb beschwört, weil Bio bei den Discountern Einzug hält. Dabei schielt er nur auf seinen Machterhalt innerhalb der Bauernschaft, die Bio noch kräftig belächelt!

Er unterstellt, dass die „Massenware“ Bio ausschließlich im Ausland billig zu haben sei und schürt damit das Feuer der Ökos, die lange Wege bei der Beschaffung ihrer Biolebensmittel nicht akzeptieren und deshalb Bio für Alle auch bei Aldi entschlossen bekämpfen wollen! Dabei bezahlt Aldi höhere Preise und überweist die Zahlungen für seine Biozwiebeln und -Kartoffeln pünktlich! Und die Bio-Cash-Cow Banane importiert auch der Fachhandel aus Ecuador! Ebenso kommen zirka 30 bis 50 Prozent des gesamten Bio-Fachhandels-Angebots aus dem Ausland!

Die offizielle Politik des Deutschen Bauernverbandes verbreitet Untergangsstimmung wieder besseren Wissens. So vermittelt der DBV-Ökobeauftragte von Bassewitz aktuell im Interview mit der Deutschen Bauern Korrespondenz (dbk) den Eindruck, als wären die Discounter Schuld daran, dass der erfreuliche Bio-Marktzuwachs ausschließlich über Importe bewältigt werden muss.

Es stimmt. Der Biomarkt ist gewachsen, zwar nicht um 15 Prozent, wie von Bassewitz glaubt, aber immerhin um 11 Prozent. Das sind 400 Millionen Euro. Gleich viel Zuwachs, jeweils 400 Millionen Euro, hatten wir schon von 2001 auf 2002 und von 2003 auf 2004. Ein guter Beobachter hätte also damit rechnen und Weichen stellen können.

Statt dessen hatten die Landwirtschaftsminister der Länder nichts anderes im Sinn, als die Erfolgsstory durch Kürzung der Bio-Landwirtschaftssubventionen zu bremsen! Schließlich war es der Erfolg der Grünen Renate Künast, die erstmals seit Gründung der Bundesrepublik Verbraucherinteressen in den Mittelpunkt des Bundesministeriums stellte und dem Handel Rückendeckung gab mithilfe nachhaltiger Faktoren für die Biovermarktung.

Schon Mitte der Neunziger Jahre, also noch zu Kohls Regierungszeiten, war die Zustimmung der Verbraucher für Biolebensmittel auf nahezu 90 Prozent gestiegen, ohne Reaktion der Politik. Der Handel fand, allein gelassen, keine Wege diese Bedürfnisse zu befriedigen. Nur der Fachhandel konnte das auch nicht bewältigen. Schließlich sind 90 Prozent Zustimmung schon lange keine Nische mehr.

Wenn der hohe Zufluss von ausländischen Biolebensmitteln überhaupt zu beklagen ist, dann aufgrund eigener Fehler des DBV! Sie hatten schon Ende der Neunziger Jahre einen Ökobeauftragten installiert, der seither auf die ignorante CDU-Politik hätte aufmerksam machen müssen. Stattdessen wurde das niedrige EU-Bio-Niveau gegenüber den hohen deutschen Verbandskriterien beklagt, so wie aktuell die Aktivitäten der Discounter.

Dass deutsche Bauern dem hohen Konkurrenzdruck ausgeliefert sind, mag zwar stimmen. Aber mit falschen Fährten ist dem nicht beizukommen. So sieht es auch Thomas Dosch, Präsident von Bioland, dem größten deutschen Ökolandbau-Verband. Er sieht die Gründe für die stagnierende Bioproduktion in Deutschland eher in der verfehlten deutschen Agrarpolitik.

Sollte der Einstieg der Discounter in die Biovermarktung etwas bewirkt haben, dann ist es das Aufwachen des LEHs. Die flachen Biosortimente, die keinen Verbraucher richtig befriedigen können, werden zurzeit zügig auf brauchbare Bio-Vollsortimente ausgebaut. Schließlich kann der Vollsortimenter mehr bieten als ein Discounter. Und wer dann neben Bio-Brot auch -Käse und -Wurst, -Fleisch und -Fisch, ein breites -Joghurt-Sortiment, eine Auswahl an -Heißgetränken, -Wein und -Bier in die Regale stellt, der wird ernst und als Bio-Einkaufsquelle wahrgenommen.
Die Regale werden voller und es gilt im Biosortiment des LEH neuerdings das Motto: Vielfalt statt Einfalt! Sollte die deutsche Bauernschaft diesen Trend verschlafen haben, darf nicht das Ausland als Sündenbock herhalten müssen. Vielleicht schaffen wir unsere Ordnung in den eigenen Reihen und suchen die Fehler einmal nicht bei den anderen?

Und wenn die Ökos die weiten Wege beklagen, dann sollten sie zuallererst einmal ihre Urlaubsgewohnheiten überdenken, den Flieger links liegen lassen und dafür mit dem Rucksack auf dem Rücken einfach in die deutschen Lande hinausziehen und die Sonne und gutes Essen hierzulande genießen. Es würde auch helfen, wenn jeder Grünenwähler wenigstens einmal die Woche einen Bioeinkauf macht. Darauf vertrauend würden die deutschen Bauern auf ökologischen Landbau umstellen können!

Erich Margrander
Herausgeber bioPress


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