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Der Chef sind wir

Eine französische Verbraucherinitiative kommt nach Deutschland

Der Chef sind wir © Nicolas Barthelmé
 Vier der Gründungsmitglieder von ‚Du bist hier der Chef‘: Stephanie Anthoni, Anika Fischer, Elena Barthelmé, Nicolas Barthelmé (von li. nach re.).

Seit 2016 gibt es in Frankreich die Initiative ‚C’est qui le patron?!‘ (Wer ist der Chef?!). Hier werden Verbraucher dazu aufgerufen, selbst zu wählen, wie die Ihnen verkauften Lebensmittel aussehen werden. Der Erfolg in Frankreich ist groß, jetzt kommt die Initiative auch nach Deutschland. Weit über 9.000 Verbraucher haben hierzulande darüber abgestimmt, wie ‚ihre‘ Milch aussieht. Noch dieses Jahr soll sie zu kaufen sein.

Auch in Frankreich war das erste kreierte Produkt eine Milch. Rund 6.000 Franzosen beteiligten sich an der Befragung. Heute gehen wöchentlich etwa 1,5 Millionen Liter dieser Milch über die französischen Ladentische und die Idee selbst wurde auf zahlreiche weitere Produkte angewandt. Über 30 sind es inzwischen und die Initiative wurde auf Länder wie Belgien, Spanien, Italien und Marokko ausgeweitet.

In Deutschland haben sich über 9.300 Verbraucher per Online-Fragebogen am ‚Milch- Design‘ beteiligt – auf der Website dubisthierderchef.de. Den deutschen Teilnehmern am wichtigsten war danach Tierwohl, Bio und die faire Vergütung für die Landwirte. Jetzt ist am Ende eine Milch herausgekommen, die für 1,45 Euro pro Liter verkauft werden soll, von denen 58 Cent beim Landwirt landen. Die Milcherzeuger erhalten dabei für zunächst drei Jahre eine Preisgarantie. Partner auf Erzeugerseite sei die Upländer Bauernmolkerei GmbH in Willingen, die ausschließlich Biomilch verarbeitet.

Geht alles nach Plan, dann steht die ,Du bist hier der Chef‘-Milch schon im dritten Quartal 2020 in den ersten Regalen. Die Listungsgespräche laufen. Rewe werde der erste Partner sein, der die Produkte zunächst regional anbietet. Auch für H-Milch laufen die Gespräche zwischen Erzeugern, Verarbeitern und Handel, nach Aussage von Nicolas Barthelmé gegenüber agrarheute.

Aktuell sind die Besucher bereits aufgefordert, die nächsten zu designenden Produkte zu wählen. Mehr als ein Dutzend stehen momentan zur Wahl, die Palette reicht von Apfelsaft und Haferdrink über Honig und Müsli bis zu Bratwürsten. Für Eier, Kartoffeln und Butter wird schon an den Fragebögen gearbeitet.

Im Interview mit agrarheute zeigt sich Nicolas Barthelmé, Gründungsmitglied der Initiative, davon überzeugt, die Idee lasse sich auch auf die eher ‚knauserigen‘ Deutschen übertragen: „Deutsche Verbraucher interessieren sich immer mehr für ihre Lebensmittel: Wo kommen sie her, wie wurden sie produziert, wie nachhaltig sind sie, kann der produzierende Landwirt davon leben? Für diese Informationen brauchen sie eine Transparenz, die in den gegenwärtigen Strukturen nicht immer vorliegt. Wenn die Käufer wissen, wie ein Preis entstanden ist und wo ihr Geld hinfließt, sind viele gar nicht so ,knauserig‘, wie Sie meinen. Gerade Corona hat uns doch gezeigt, dass die Geiz-ist-geil-Mentalität auch ihren Preis hat und überdacht werden sollte.

Der Trend geht zurück zu Qualität und zu Produktion im eigenen Land, davon bin ich überzeugt. Diese Solidarität erleben wir gerade neu und geben damit unserem Konsumverhalten wieder viel mehr Sinn.“

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