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Mehr als Bio-Obst und -Gemüse

Die niederländische Eosta engagiert sich in Nachhaltigkeit und gesunder Ernährung

Mehr als Bio-Obst und -Gemüse © Eosta

Handel, Nachhaltigkeit und Gesundheitsförderung zu verbinden, ist die Zielsetzung des Obst- und Gemüsegroßhändlers Eosta aus dem niederländischen Waddinxveen. Damit gewinnt er das Vertrauen seiner Kunden: So sei Dr. Goodfood, die aktuelle, gerade erst angelaufene Kampagne im Bereich gesunder Ernährung, nicht trotz, sondern wegen der Corona-Pandemie besonders gut gestartet.

Es sei nicht das erste Mal, dass in Krisenzeiten gerade Bioprodukte einen Boom erlebten, meint Eosta-Geschäftsführer Volkert Engelsman. Seit er 1990 die Eosta gründete, wuchs sein Unternehmen mit Ausrichtung auf nachhaltiges und gesundes Bio-Obst und -Gemüse kontinuierlich – gerade wenn zum Beispiel Skandale wie BSE oder Gammelfleisch den Lebensmittelhandel erschütterten. Heute liegt Eosta geschätzt bei einem Umsatz von 130 Millionen Euro im Jahr. Und für 2020 werden sich die Zahlen aller Voraussicht nach steil nach oben entwickeln, denn nach Engelsman gehen momentan „Umsatzzahlen und Nachfrage bei Bio-Obst und –Gemüse durch die Decke“.

Bis zu 50 Prozent Wachstum beim Verkauf

Produkte, die die Widerstandskraft fördern, etwa Zitrusfrüchte mit ihrem Vitamin-C-Gehalt, zeigten im Verkauf 30, 40 oder sogar 50 Prozent Wachstum. Aber auch bei den anderen Bio-Obst- und Gemüseprodukten steigerten sich die Umsatzzahlen. „Am Anfang dachten wir, das sind Hamsterkäufe, aber das Wachstum bleibt da“, freut sich der Eosta-Chef.
Mit Dr. Goodfood, einer Kampagne, die schon 2018 aufgesetzt wurde und gerade in eine neue Phase geht, zielt Eosta genau auf die den Verbrauchern zur jetzigen Zeit wichtigen Punkte: Gesundheit und damit auch Widerstandkraft. Es geht um die individuelle Ernährung der Verbraucher.

In den letzten zwei Jahren fokussierten sich die Dr. Goodfood-Aktivitäten vor allem auf die Website und Social Media, wo zwischenzeitlich rund 10.000 Follower zu verzeichnen seien. Die Verbraucher werden von der Ärztin Anna Kruyswijk und der Ernährungsberaterin Steffi Haazen als Gesichtern der Kampagne über gesunde Ernährung aufgeklärt und angeleitet.

Während es darüber hinaus bisher nur vereinzelte Aktionen außerhalb des Netzes gab, findet die Ansprache seit Mai dieses Jahres direkt am Point of Sale statt. Hierfür verantwortlich ist vor allem Bavo Van Den Idsert, bis Mitte letzten Jahres als Direktor von Bionext tätig, dem niederländischen Bio-Dachverband. Er organisierte die Zusammenarbeit von Eosta und der niederländischen Naturkosthandelskette Ekoplaza, die als Partner für die erweiterte Dr. Goodfood-Kampagne wirkt.

Kampagnenstart in 130 Biosupermärkten

Am 15. Mai waren in den Niederlanden in rund 130 Ekoplaza Supermärkten Studenten vor Ort, die in weißen Kitteln und mit Stethoskopen die Kunden begrüßten. Sie klärten nicht nur Fragen zu Gesundheit und Ernährung, sondern verteilten auch sogenannte FoodFixes. Das sind ‚Widerstandskraftpakete‘ mit zum Beispiel Ingwer, Kurkuma, Zitrone oder anderen Zusammenstellungen von Lebensmitteln mit eindeutig belegten positiven Auswirkungen auf die Gesundheit. Ergänzt wird die landesweite Kampagne mit Displays, Postern, Flurklebern und Regalstoppern. Dazu vermarktet Ekoplaza die Aktion auch prominent in seinen wöchentlichen Prospekten und auf Social Media.

Die Verbraucher würden auf diese Themen sofort anspringen, meint Engelsman. Kleine Foodfixes werden verschenkt, dauerhaft gibt es sie als fertige Zusammenstellung zum Kauf bei Ekoplaza, für diejenigen, die sich nicht die Mühe machen, sie selbst in der Obst- und Gemüseabteilung zusammen zu tragen.

Die Kampagne wird bis Ende des Jahres weiterlaufen und aktionsweise auf immer neue Themen fokussieren. So liege jetzt beispielsweise die Betonung auf Gesundheit allgemein und auf Widerstandskräften, später im Jahr solle Vitalität Thema sein und es werde auch eine Aktion geben, in der Demeter-Produkte in den Mittelpunkt gestellt werden.

„Generell wird Gesundheit meist einfach als Abwesenheit von Krankheit definiert“, meint Engelsman. Hinter dem verstärkten Zugriff auf Bio zurzeit stehe aber ein mehr ganzheitlicher Gesundheitsbegriff. Nicht nur Obst und Gemüse, auch nicht nur Obst und Gemüse ohne Rückstände, sondern Obst und Gemüse aus einer ganzheitlichen Landwirtschaft, wo es auch um Bodenfruchtbarkeit und Pflanzengesundheit gehe. „Milliarden von Pflanzenstoffen spielen im Gesundheits- bzw. Widerstandsorchester und schaffen etwas, was größer ist als die Summe der Teile“, meint Engelsman. „Ich denke, wir werden mit Dr. Goodfood Erfolg haben, weil wir genau die aktuellen Themen bespielen.“ Es werde mit mehr Bewusstsein eingekauft und Eosta liefere die Bausteine für dieses Bewusstsein.

Biofachhandel mit Unique Selling Point

Es liegen inzwischen schon erste Zahlen über den Erfolg der neuen Phase der Dr. Goodfood-Kampagne vor. Über 91 der teilnehmenden Supermärkte betrachtet, zeigte sich eine Umsatzsteigerung von 28 Prozent bei Bio-Obst- und Gemüse. Volkert Engelsman ist dazu überzeugt, dass die aktuelle Kampagne viele Verbraucher verstärkt in den Naturkostfachhandel ziehen wird. Momentan sei das Umsatzwachstum in den Bioläden stärker sichtbar als im LEH.

Schon frühere Krisen hätten gezeigt, dass der bewusste Verbraucher in solchen verunsichernden Zeiten zum Biofachhandel tendiere, wo er mehr Hintergrundinformationen über die nachhaltigen und gesundheitlichen Themen bekommt. Das sei ein Unique Selling Point für den Naturkostfachhandel.

Für die nächste Zukunft werde Eosta bei Dr. Goodfood exklusiv mit Ekoplaza zusammenarbeiten. Bevor neue Partner in den Niederlanden dazu kommen, gehe es erst einmal um die Ausweitung der Kampagne auch in andere Länder. Mit deutschen Kunden fänden bereits verschiedene Gespräche statt, lässt Engelsman durchschimmern. Im Herbst 2020 werde Dr. Goodfood nach Deutschland kommen.

Er ist sich sicher, die guten Resultate in den Niederlanden könnten in Deutschland reproduziert werden. Deutsche und niederländische Konsumenten ähnelten sich sehr.

Erfolg mit Guerilla-Taktik

Auch der LEH habe Interesse gezeigt, doch vorläufig wolle das Unternehmen dem Fachhandel den Vorzug geben und ihn dadurch auch fördern. Engelsman möchte den LEH aber auch nicht ausschließen, da für eine nachhaltige Zukunft im Einzelhandel alle gebraucht würden: „Es ist nur so, dass manche Aktionen einfach nur dort zu fahren sind, wo allein Bio-Produkte zu kaufen sind.“

Damit meint er zum Beispiel seine Aktivitäten zum Thema True Cost Accounting, dem in Rechnung stellen der gesellschaftlichen Kosten von Lebensmitteln. Direkte Kosten-Vergleiche zwischen konventionellen und Bio-Produkten seien im LEH am Point of Sale meist nicht möglich. Allerdings wäre die Eosta hier mancherorts in ,Guerilla-Manier‘ vorgegangen: Sie habe die entsprechenden Informationen dann eben in den Verpackungen ‚versteckt‘: „Wenn es dann Beschwerden gibt, reden wir drüber – und machen weiter“, meint Engelsman.

Ein selbstbewusstes Handelsunternehmen

Die Eosta gehe durchaus aggressiv vor und scheue vor Konflikten nicht zurück. So wird nicht nur die konventionelle Produktion, die ihre echten Kosten für die Gesellschaft nicht deklariert, sondern zum Beispiel auch Big Pharma angegriffen. Aufgrund von Postern mit Slogans wie „Leidest Du auch unter Pharma?“ sei der Eosta auch mit juristischen Schritten gedroht worden – doch Engelsman konnte darauf hinweisen, dass alle gegebenen Infos abgesichert waren, etwa von der World Health Organization (WHO) stammten.

Die drei großen Themen bei Eosta sind Klima, Boden und Gesundheit und für deren Schutz tritt das Unternehmen ein, von Anbeginn. Eosta habe sich nie nur als Händler verstanden - eher als Vertreter von Erzeugern vor allem der südlichen Hemisphäre.

Elke Reinecke

Eosta und Nature & More
Eosta wurde 1990 in den Niederlanden als 100-prozentiges Bio-Unternehmen von Volkert Engelsman, dem heutigen Geschäftsführer, und seinem Studienfreund Willem van Wijk gegründet. Sie zählt heute zu den größten Handelsunternehmen für Bio-Obst und -Gemüse weltweit und arbeitet mit Bio-Erzeugern auf sechs Kontinenten sowie Handelspartnern in Europa, USA und Fernost zusammen.
Mehrfach ausgezeichnet wurde Eosta für das innerhalb des Unternehmens entwickelte Transparenzsystem Nature & More. Mit dessen Hilfe ist die Herkunft der Produkte bis zum Erzeuger rückverfolgbar. Auch die Kampagne ‚Save Our Soils – Rettet unsere Böden‘ und das ‚Natürliche Labeling‘, mit dem große Mengen Verpackungsmüll eingespart werden, zählen zu den erfolgreichen Intitiativen von Eosta.
Gemeinsam mit verschiedenen europäischen Handelskunden trägt Eosta seit 2016 die True Cost-Debatte in den Handel und macht mit Nature & More für seine Produzenten die wahren Kosten der Lebensmittelproduktion für den Kunden transparent. Unter anderem für die Bemühungen des Unternehmens in diesem Bereich wurde die Eosta Mitte 2018 mit dem wichtigsten unternehmerischen Nachhaltigkeitspreis der Niederlande ausgezeichnet, dem Koning Willem I-Preis.
Die unternehmenseigene Verlust-Gewinn-Rechnung beruht nach Geschäftsführer Volkert Engelsman vollständig auf True-Cost-Accounting. „Wenn Banken und Investoren die ökologischen und sozialen Auswirkungen zukünftig in ihren Risikoanalysen berücksichtigen und damit den Zugang zu Kapital bestimmen, sind wir auf dem richtigen Weg“, ist Engelsman überzeugt.

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