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Breites Bündnis für mehr Bio in der Region Hohenlohe

Bio-Musterregion Hohenlohe/Schwäbisch Hall bringt erste Regional-Projekte auf den Weg

Breites Bündnis für mehr Bio in der Region Hohenlohe
Rudolf Bühler, Vorsitzender der Stiftung Haus der Bauern, freut sich mit allen Akteuren über die neue Bio-Musterregion Hohenlohe/Schwäbisch Hall.

Anfang des letzten Jahres kam die Botschaft aus dem Stuttgarter Landespräsidium: Die Region Hohenlohe/Schwäbisch Hall darf sich in Zukunft Bio-Musterregion Baden-Württemberg nennen. Am 15. August 2019 wurde auf Schloss Kirchberg die Förderungsurkunde übergeben. Hier stellte sich auch die neue Regionalmanagerin Franziska Frey einem Publikum aus den örtlichen Akteuren, der Landespolitik und der Presse vor.

Eingeführt wurden die Bio-Musterregionen Baden-Württemberg im Jahr 2018. Erklärtes Ziel der Landesregierung war es, der steigenden Nachfrage nach regionalen Bio-Lebensmitteln gerecht zu werden, indem die Rahmenbedingungen für ein entspre- chendes Angebot unterstützt würden. Es sollten Maßnahmen für mehr Öko-Landbau in Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung vor Ort entwickelt, die unterschiedlichen Akteure vernetzt und gemeinsame Ideen entwickelt werden.

Ziel sei es, regionales Bio in kurzen Wertschöpfungsketten voranzubringen. Dazu wird in den jeweiligen Regionen ein Regionalmanagement zur Unterstützung des Öko-Landbaus mit maximal 100.000 Euro jährlich für einen Zeitraum von drei Jahren vom Land gefördert.

Bio-Heimat Hohenlohe

Nach der Benennung der ersten vier Bio-Musterregionen 2018 wurde bereits Ende letzten Jahres eine weitere Ausschreibung für zusätzliche Musterregionen auf den Weg gebracht. In einem zweiten Anlauf war auch die Region Hohenlohe/Schwäbisch Hall unter den Bewerbern und konnte sich jetzt erfolgreich durchsetzen.

Hinter der mit ‚Bio-Heimat Hohenlohe‘ überschriebenen Bewerbung stand diesmal ein breites Bündnis von mehr als 60 Akteuren. Projektträger für die Bio-Musterregion Hohenlohe ist wiederum die Stiftung Haus der Bauern. Auf deren Initiative hin hätten die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH), Ökoverbände wie Bioland und Demeter, Unternehmen, gastronomische Betriebe, die Landkreise Schwäbisch Hall und Hohenlohe, Bauernverband und Landfrauen in einer mehrmonatigen Findungsphase Ideen gesammelt.

Breites Bündnis aller Akteure

Zur feierlichen Übergabe der Förderungsurkunde fanden sich Mitte August letzten Jahres ein Publikum aus diesen örtlichen Akteuren, Vertretern der Landespolitik und der Presse im Hof des der Stiftung Haus der Bauern gehörigen Schloss Kirchberg zusammen. Von allen Redner wurde vor allem der „gemeinsam erzielte Erfolg“ betont: Sowohl der Landrat Gerhard Bauer in seiner Eröffnungs-Rede als auch der Vorsitzende der BESH und Gründer der Stiftung Haus der Bauern Rudolf Bühler wiesen noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass „alle Akteure aus der Region an einem Strang ziehen“.

Als Vertreter des Verbands der Kleinbauern war Albrecht Löblein vor Ort, ebenso Jürgen Maurer, der Vorsitzende des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems. Nach Maurer sei der Bauernverband zwar nicht an der Bio-Musterregion Hohenlohe beteiligt, er wolle seine Anwesenheit aber als positives Zeichen verstanden wissen, dass der Bauernverband das Projekt unterstütze.

Alle Beteiligten dankten besonders Dr. Walter Döring, der die umfangreiche und schwierige Koordination der Planung für eine erneute Bewerbung übernommen hatte. Hier gebe es die „Chance etwas Positives für die Region anzupacken“, sagte der ehemalige stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP und Wirtschaftsminister in Baden-Württemberg, der seit rund zehn Jahren im Aufsichtsrat der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) sitzt. Er betonte noch einmal die „ungeheure Bandbreite“, mit der die Region aufwarten könne.

Staatssekretärin Gurr-Hirsch bei der Eröffnung

Die Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum, Friedlinde Gurr-Hirsch, wies darauf hin, dass es in der Region Hohenlohe bereits viele Strukturen in der Erzeugung, handwerklichen Verarbeitung und verbrauchernahen Vermarktung gebe. Diese gelte es nun weiter miteinander zu verbinden und so zu stärken: „Ein innovatives Konzept und vielfältige Ideen für die Region Hohenlohe wurden schon entwickelt. Jetzt dürfen wir gespannt sein, welche dieser Projektideen nun als erstes umgesetzt werden“.

Vorstellung der neuen Regionalmanagerin

Wichtiger Punkt der Eröffnungsveranstaltung war die offizielle Vorstellung von Franziska Frey, der neuen Regionalmanagerin für die Region Hohenlohe/Schwäbisch Hall. Die auf einem kurpfälzischen Naturland-Bauernhof groß gewordene studierte Agrarwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Ökolandbau war vielen der Anwesenden bereits bekannt. Sie hatte ihre Arbeit schon zum 1. Juli 2019 aufgenommen und sei nach eigenen Worten inzwischen gut heimisch geworden in der Region.
Die neue Stelle wird zu 70 Prozent vom Land Baden-Württemberg bezahlt. Den Rest übernehmen die Verbände Demeter, Bioland und Ecoland sowie die gemeinnützige Stiftung Haus der Bauern.

Elke Reinecke

 

Bio in Hohenlohe/Schwäbisch Hall
Auf der Eröffnungsfeier auf Schloß Kirchberg wurden von den Akteuren erste Hohenloher Bio-Projekte vorgestellt:

Anja Frey, Vorstandsmitglied Demeter
Baden-Württemberg, Projekt Bio-Kälber-Vermarktung
Anja Frey ist nicht nur Vorstandsmitglied Demeter Baden-Württemberg, sie ist auch die Betriebsleiterin des Demeter-Betriebs Völkeswaldhof bei Oberrot. Hier wird Vorzugsmilch produziert und muttergebundene Kälberaufzucht betrieben. Bei den auf extreme Milchproduktion hin gezüchteten Rassen sind die Bruderkälber, die kaum Fleisch ansetzen, ein wirtschaftliches Problem. Sie werden auch von Bio-Milcherzeugern häufig an konventionelle Mastbetriebe weitergegen, teils sogar ins europäische Ausland. Im Projekt Brüderkälbervermarktung und Mast soll ein regionaler Markt für diese Tiere geschaffen werden, also alles von Aufzucht, Mast und Schlachtung bis zur Vermarktung vor Ort unter tiergerechten Bedingungen stattfinden.

Rainer Kubach, Bioland-Landwirt, Öko-Jungbauern-Schulkurs
Rainer Kubach, Bioland-Landwirt und stellvertretender Vorsitzender der neu gegründeten Fritz-Strempfer-Bauernschule, stellte den geplanten Öko-Jungbauernschulkurs vor. Damit schließt sich ein Kreis des biologisch-dynamischen Landbaus, denn im inzwischen der Stiftung Haus der Bauern gehörenden Kirchberger Schloss hatte 1949 der Bio-Pionier Fritz Strempfer seine Bauernschule gegründet, an der er die Grundlagen des biologisch-­dynamischen Landbaus nach den Lehren Rudolf Steiners unterrichtete. Sie wurde zur Keimzelle der ökologischen Landwirtschaft in Hohenlohe und darüber hinaus. In dieser Tradition sollen jetzt wieder Kurse für Öko-Bauern stattfinden, zum „ sich stärken, sich austauschen, Ideen sammeln“.

Max Koschinsky, Küchenchef BESH-Gastronomiebetriebe, Außer-Haus-Verpflegung
Die von der BESH betriebene Gastronomie ist schon jetzt stolz auf ihre Erfolge: Erst Mitte letzten Jahres hatte das Restaurant Mohrenköpfle im Regionalmarkt Hohenlohe in Wolpertshausen die höchste Auszeichnung der ‚Schmeck den Süden‘-Gastronomie erhalten. Das Lokal darf sich damit mit dem Emblem der drei Löwen schmücken, das bisher nur 25 Restaurants im Land auszeichnet. Dafür müssen 90 Prozent der Produkte der Speisekarte aus der Region stammen.
Der zuständige Küchenchef Max Koschinsky geht jetzt mit den Partnern in der Region weitere Herausforderungen an: Es lege ein ausgearbeitetes Verpflegungskonzept vor, um mit regionalen Produkten und Bio die Außer-Haus-Verpflegung zu erobern. Der Unterstützung von Friedlinde Gurr-Hirsch und Walter Döring wurde er gleich vor Ort versichert.

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