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Bio wirkt – auf vielen Ebenen

Biofach Kongress stellt Leitthema vor

Anfang 2020 trifft sich die internationale Biobranche wieder zur Biofach in Nürnberg. Parallel findet der Biofach Kongress statt, dieses Mal mit dem Kongressschwerpunkt ,Biowirkt !‘.

Der Biofach Kongress ist die größte internationale Wissens- und Networking-Plattform der Branche. Es versammeln sich Vertreter aus Politik, Verbänden, NGOs und andere VIPs. Branchenakteure diskutieren Zukunftsfragen des Marktes und prägen gemeinsam die aktuelle und künftige Branchenpolitik.
Gestaltet wird er vom internationalen Schirmherr der Biofach, der IFOAM (Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen), dem BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft) und der Biofach selbst. Die Geschäftsführerin der IFOAM, Louise Luttikholt führt zum diesjährigen Thema aus:

„Bio-Bauern, -Verarbeiter und -Händler stärken Nachhaltigkeit auf vielen Ebenen. In zahlreichen Ländern weltweit ist die ökologische Wirtschaftsweise durch strenge, gesetzliche Normen geregelt. Doch ihr positiver Einfluss geht weit über das Prüfzeichen einer Öko-Kontrollstelle oder ein Bio-Zertifikat hinaus. Die Arbeitsweisen der Bio-Landwirtschaft inspirieren Millionen –  von Landwirten bis zu Verbrauchern – sowie ganze Regionen, gemeinsam für eine nachhaltige und enkeltaugliche Zukunft zu arbeiten. Immer mehr Landwirte stellen auf Öko-Landbau um, immer mehr Menschen entscheiden sich für Bio-Produkte.

Für die Öko-Branche bedeutet Bio allerdings mehr als eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Letztendlich geht es doch darum: Wir wollen unserer Umwelt, dem Wasser, dem Boden, der Biodiversität und dem Klima sowie den Erzeugern die Wertschätzung entgegenbringen, die sie verdienen. Das wollen wir mit dem Kongressschwerpunkt der Biofach 2020 unterstreichen!“

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen: Bio wirkt und bietet heute schon Lösungen für zentrale Herausforderungen der Zukunft. Das staatliche Thünen-Institut zeigte Anfang des Jahres in der weltweit bisher größten Überblicks-Studie auf (Thünen Report 65):

Bio-Landbau schützt Wasser

Bio-Landbau reduziert den Stickstoffeintrag um durchschnittlich 28 Prozent. In 71 Prozent der Fälle schnitt Biolandbau beim Anfall kritischer Substanzen (Stickstoff, Pestizide) besser ab.

Bio-Landbau hält den Boden fruchtbar

Die Fruchtbarkeit des Bodens profitiert vom Bio-Landbau. Vorkommen und Biomasse von Regenwurmpopulationen sind im Durchschnitt um 78 Prozent bzw. 94 Prozent höher.

Bio-Landbau fördert Artenvielfalt

Bio-Landbau wirkt sich positiv auf die Biodiversität aus. Ökologisch bewirtschaftete Böden verfügen über 34 Prozent mehr Biodiversität. Bei den Spezies der Flora auf bebaubarem Land wurde auf Bio-Bauernhöfen ein Anstieg von 95 Prozent festgestellt, bei Feldvögeln 35 Prozent.

Bio-Landbau unterstützt den Kampf gegen den Klimawandel

Im Durchschnitt verfügen ökologisch bewirtschaftete Böden über einen zehn Prozent höheren organischen Kohlenstoffgehalt und binden, bzw. speichern, mehr Kohlenstoff – jährlich 256 Kilogramm Kohlenstoff pro Hektar.

Bio-Landbau schützt die Gesundheit

Bio-Landbau sorgt dafür, dass Schadstoffe nicht in die Natur und zu den Menschen gelangen. In der Verarbeitung von Bio-Produkten kommen keine schädlichen Zusatzstoffe zum Einsatz. Kunden, die zu Bio greifen, tendieren dazu, lieber frisch zubereitete Speisen und weniger Fleisch zu essen.

Bio-Landbau schafft Einkommen für ganze Familien

Bio-Landbau bietet Menschen in ländlichen Gebieten eine zuverlässige Einnahmequelle. Dies trägt dazu bei, den ländlichen Raum zu stärken und stoppt Landflucht.

Diese Beispiele zeigen, dass es beim ökologischen Fußabdruck um weit mehr geht als wirtschaftlichen Erfolg. Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, BÖLW: „Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen: Bio steht für ein zukunftsorientiertes Wirtschaftssystem, in welchem Preise die ökologische Wahrheit widerspiegeln und die Nahrungsmittelproduktion fair und nachhaltig gesteuert wird. Jeder Hektar Öko-Fläche und jedes Bio-Lebensmittel tragen heute schon zur nachhaltigen Zukunft unseres Planeten bei. Bio-Landbau ist der Weg, wie wir unsere Nahrungsmittelproduktion wirklich wirksam umbauen.“

Die Zukunftsfragen im Fokus des Kongresses 2020 beschäftigen sich demgemäß mit den verschiedensten Wirkungen von Bio:

  • Welche positiven Effekte hat der Bio-Landbau und welchen Beitrag leistet er für den Erhalt der Biodiversität? Wie schneiden CO2-Gehalt und Biodiversität im Bio-Landbau ab? Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen dazu vor?
  • Wie trägt der Bio-Landbau zum globalen Kampf gegen Hunger und Klimawandel oder die Ausbreitung von Wüsten bei?
  • Was leistet Bio für das Gemeinwohl? Wie lassen sich Ökologie und Ökonomie nachhaltig miteinander verbinden? Wie profitieren zum Beispiel ärmere Regionen vom Bio-Landbau? Und auch:
  • Wie kann die Politik den Agrar- und Ernährungswandel fördern, welche politischen und Kommunikations-Strategien sind die Besten?

Beim Call for Ideas können Interessierte ihre Ideen einreichen und Diskussion und Kongress mitgestalten.
Einsendeschluss:  
Mittwoch, der 25. Sept. 2019
(http://www.biofach.de/kongress).

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