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Editorial

Editorial Ausgabe 100/Juli 2019, 3. Quartal

Liebe Leserinnen, liebe Leser.

Der bioPress Verlag ist in ein Alter gekommen, in dem er mit vielen Partnern und Freunden um sich herum Jubiläen feiert. Und jetzt hat es uns selbst erreicht, nein nicht das 100-jährige, nur die 100. Ausgabe in 25 Jahren! Um die Jahrtausendwende, als bioPress die ersten 20 Ausgaben des ersten Bio-Fachmagazins in Deutschland in Auflagen von 5.000 Exemplaren gedruckt hatte, wollte der Edeka-Verlag für seine elf Tausend Edeka-Rundschau bioPress huckepack nehmen. Wir erhöhten daraufhin die gedruckte Auflage um 10.000 Magazine.

Das war ein erster Erfolg für unsere Arbeit, mit der wir Bio in den Mainstream begleiten wollten. Ein Jahr später gelang uns der Sprung in die Höhle des Löwen, als wir, zeitgleich mit der Inthronisation von Renate Künast in das erste grüne Landwirtschaftsministerium, eine Zusammenarbeit mit der Anuga beginnen konnten. Der Angebots- kippte zum Nachfragemarkt und veränderte die Situation vollkommen.

Die damals noch aktive CMA Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH öffnete sich Anfang des Jahrtausends für Bio. Zusammen mit dem bioPress Verlag wurde die erste Bio-Umfrage gestartet.

Ein überraschender rund ein Prozent Bio-Umsatzanteil kam im konventionellen Handel zum Vorschein. In der Folge organisierte die CMA den Selly-Wettbewerb: Die jährliche Suche nach den besten Bioläden und Supermärkten mit dem besten Bioangebot hatte einen enormen Zulauf. Drei Mal veranstaltete der bioPress-Verlag zusammen mit der Koelnmesse/Anuga und der CMA in den Nicht-Anuga-Jahren das Bio Handels Forum in Köln, wo sich das Who‘s Who des Lebensmittelhandels und der Biobranche traf. Die Selly wurde jeweils auf der Anuga und dem Bio Handels Forum verliehen.

Hunderte Biomarktteilnehmer und Kaufleute sowie Bio-Einzelhändler aus dem Fachhandel kamen zum Festakt und zum Austausch zusammen. Sein abruptes Ende fand dieses Zusammenwirken mit der Schließung der CMA. Doch die Saat war gelegt. Die Lebensmittelkaufleute hatten den Sinn von Bio erkannt und maßgeblich weiter entwickelt. Von unter einer Milliarde Mark Umsatz Mitte der 90er Jahre, die Biofach zählte gerade erst 600 Teilnehmer, stieg das Marktvolumen um das mehr als 20-fache auf heute rund elf Milliarden Euro. Unmöglich, das allein mit dem Fachhandel zu stemmen, dem rund ein Drittel des Volumens zugeschrieben wird.

Die Bauern, es sind oft die jungen,  entwickeln Vertrauen in den Markt und stellen um. Die Biofläche in Deutschland ist von 240.000 Mitte der 90er Jahre auf heute zirka 1,4 Millionen Hektar oder rund neun Prozent der Fläche gewachsen. Die Erträge reichen dennoch nicht aus zur Versorgung des prosperierenden Biomarktes. Ohne Importe gäbe es großen Mangel. Der weltweite Bio-Umsatz hat gerade die 100 Milliarden Dollar Grenze gesprengt! Bio – ein Trend oder Big Bäng?

1997 öffnete der erste Biosupermarkt in München. Ein Aufschrei durch die Reihen der Bioladner war die Folge!  Mit dem Wachstum im Biosupermarkt-Segment stieg auch das Bio-Angebot im Lebensmitteleinzelhandel, vom Discounter über die Nahversorger bis hin zu den Supermärkten und Großflächen. Alle bieten sie heute Biosortimente. Die Vorstufen des Handels liefern ihren Filialen und Kaufleuten jedoch nur beschränkte Sortimente, die Discounter Grundsortimente und Aktionswaren.

Gute Kaufleute beschaffen für ihre Kunden mehrere Tausend Bioprodukte. Das geht hin bis zu Bio-Vollsortimenten und Umsatzgrößen wie ein Bio-Supermarkt.  Dennoch ist Bio in der Fläche noch dünn gesät. In den urbanen Zentren konzentriert und drängelt sich das Biogeschäft. Auf dem Land ist die Versorgung mit Bio noch immer nur mit dem PKW in oft längeren Anfahrten zu machen. Und der Kulturkampf um die Frage, wer wird beliefert oder nicht, zieht sich in unerwartete Länge.

Zwischenzeitlich hat das Postulat 100 Prozent Bio eine neue Aussagekraft gewonnen. Nicht Supermärkte mit 100 Prozent Bio-Angebot = Biosupermarkt sind gemeint. Sikkim, ein kleiner indischer Bundesstaat hat die Umstellung auf 100 Prozent ökologischen Landbau geschafft. Und andere wollen folgen.

Vom Nachhaltigkeitsziel der Bundesregierung bis 2020 den CO2-Ausstoß um 40 Prozent zu reduzieren sind erst 32 Prozent erreicht! Die ökologische Landwirtschaft konnte in den letzten drei Jahren zwar eine Umstellungswelle verzeichnen, aber das Zwischenziel von 20 Prozent ist noch weit entfernt. Dabei kann die Biolandwirtschaft neben den Faktoren Wirtschaft, Verkehr und Energieverbrauch der Gebäude viel zum CO2-Ziel beitragen. Wenn der Lebensmittelhandel es ernst meint mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie, müssten viel mehr flächendeckende Bio-Vollsortimente angeboten werden.

Erich Margrander
Herausgeber


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