Start / Ausgaben / bioPress 99 - April 2019 / Eine Ernährungsumstellung ist notwendig!

Fehlernährung

Eine Ernährungsumstellung ist notwendig!

Fehlernährung erzeugt bis zu 11 Millionen Tote jährlich

In der EAT-Lancet Commission on Food, Planet, Health haben sich fast 40 Mediziner, Ökologen, Klimaforscher, Ernährungs- und Politikwissenschaftler aus aller Welt zusammen gefunden, um gemeinsam eine gesunde und gleichzeitig nachhaltige Ernährung zu definieren. Ihre umfassende Analyse ist im Januar dieses Jahres veröffentlicht worden: Die Gesundheit aller Menschen auf dieser Erde sicherzustellen und parallel Klima und Umwelt zu schützen, sei möglich - wenn sich weltweit die menschliche Ernährungsweise ändert und die Produktion von Lebensmitteln komplett nachhaltig wird.

Nach den Daten der EAT-Lancet Kommission haben aktuell weltweit mehr als 820 Millionen Menschen nicht genügend Nahrung zur Verfügung. Bei noch viel mehr Menschen trage eine ungesunde Ernährung zu Krankheiten bei und zu einem verfrühten Tod. Außerdem bedrohe die derzeitige globale Nahrungsmittelproduktion die lokalen Ökosysteme und die Stabilität des Erdsystems. Bis 2050 wird sich die Situation nach Prognose der Wissenschaftler noch verschärfen, zumindest wenn aktuelle Ernährungstrends anhalten und die Bevölkerung auf die zurzeit angenommenen zehn Milliarden anwächst.

Zehn bis elf Millionen Tote vermeidbar

Negative Auswirkungen der Nahrungsmittelproduktion was Treibhausgasemissionen, Stickstoff- und Phosphorbelastung, Biodiversität sowie Wasser- und Landnutzung betrifft, würden Umwelt und Klima aus dem Gleichgewicht bringen. Krankheiten wie Krebs, chronische Atemwegserkrankungen, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nähmen voraussichtlich zu.

Um die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung und das Pariser Abkommen zu erreichen, sei die Umstellung auf gesunde Ernährung aus nachhaltiger Produktion unabdingbar. Allein was die Gesundheit betrifft, könne sie erheblich zur Verbesserung der menschlichen Gesundheit beitragen und jährlich zehn bis über elf Millionen Todesfälle verhindern.

50 Prozent weniger Fleisch und Zucker

Die Forscher stellen in ihrem Papier einen beispielhaften Ernährungsplan vor: Dieser beinhaltet eine Verringerung des weltweiten Verbrauchs kritischer Lebensmittel wie rotem Fleisch und Zucker um mehr als 50 Prozent und eine Erhöhung des Verbrauchs gesunder Lebensmittel wie Nüsse, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte um mehr als 100 Prozent. Welche Änderungen vom heutigen Stand her notwendig sind, ist natürlich je nach Ausgangssituation in der jeweiligen Region sehr unterschiedlich.

Gerade die propagierte radikale Reduzierung des Fleischkonsums stößt bei vielen auf Unwillen. In Deutschland wurden 2017 pro Woche und Person etwa 1,2 Kilo Fleisch verzehrt (Quelle Statista). Im EAT-Speiseplan reicht die empfohlene Spannweite von gar keinem Fleisch bis zu knapp 600 Gramm pro Woche – mit der goldenen Mitte von etwa 300 Gramm als Empfehlung.
Damit liegt die EAT-Kommission gleichauf mit dem, was auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt; und auch die WHO rät zu einem eingeschränkten Verzehr vor allem von rotem Fleisch. Kein Grund also, hier mit Kritik anzusetzen. Neu an der auch als Planetendiät bezeichneten Ernährungsempfehlung ist eher, dass hier der Schutz von menschlicher Gesundheit und der Umwelt zu einem gemeinsamen Maßstab verbunden werden.

Nachhaltigkeit der Produktion

Was die nachhaltige Produktion betrifft, verweigert die Kommission einen Vergleich von konventioneller mit ökologischer Landwirtschaft; es darf vermutet werden aus politischen Gründen. Sie führt aber auf, was heute unsere Umwelt belastet und in der Zukunft drastisch reduziert werden müsste: Phosphat- und Nitratbelastung des Bodens und damit des Grundwassers, weitere Abforstung, Einschränkung der Biodiversität werden benannt. All dieses wird durch ökologische und nachhaltige Landwirtschaft vermieden. Im Resultat entsprechen die Empfehlungen der Kommission also einer Ökologisierung der Landwirtschaft – es wird nur nicht deutlich angesprochen.

Forderung nach wahren Preisen

Bei den Maßnahmen für die weitere Zukunft ist ein wichtiger Punkt die ausdrückliche Forderung, unsere Lebensmittel müssten mit ihren wahren Preisen versehen sein. Eine Forderung, die Umweltverbände und viele andere Organisationen, die für Nachhaltigkeit einstehen, schon lange auf den Tisch gebracht haben.

Elke Reinecke

Weitere Infos:

Internationale Wissenschaftler haben inzwischen in einer ebenfalls in The Lancet veröffentlichten Studie unter anderem die Daten des 'Global Burden of Disease Study' aus 195 Ländern ausgewertet. Bei uns in Deutschland gab es danach im Jahr 2017 ganze 162 Todesfälle pro 100 000 Einwohner, die ungesunder Ernährung zuzurechnen sind. Deutschland liegt auf Platz 38 der Länderliste.

Rangliste aller 195 Länder (Todesfälle in 1990 und 2017)

 

Die EAT-Lancet-Kommission
Hinter dem Bericht steht die sogenannte EAT-Lancet-Kommission, die aus Experten für Gesundheit, Nachhaltigkeit, Wirtschaft, Politik und Landwirtschaft besteht. Sie wurde gegründet, um die wissenschaftliche Grundlage für eine Transformation des globalen Ernährungssystems zu schaffen. 
Der Bericht der EAT-Lancet-Kommission soll eine unabhängige, umfassende Bewertung der bestehenden Wissenschaft über Gesundheit und Nachhaltigkeit sein. Er sei vor der Veröffentlichung in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet unabhängig voneinander begutachtet worden. Finanziert wurde die Arbeit durch Stiftungen. Neben der Fachzeitschrift Lancet sind das das unabhängige Forschungsinstitut Stockholm Resilience Centre und die norwegische NGO EAT. 
Die Kommissare seien von ihren einzelnen Institutionen finanziell unterstützt worden und hätten für ihre Beiträge keine finanzielle Vergütung der Stiftungen erhalten.
Das Fazit der EAT-Kommission
„Wenn wir im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen auf der Welt ernähren wollen, müssen wir unsere Ernährungsgewohnheiten ändern, die Lebensmittelproduktion verbessern und Lebensmittelverschwendung reduzieren.“
Der Konsum von Lebensmitteln wie Rindfleisch und Zucker müsse halbiert werden, die Menge an gesunder Nahrung wie Obst und Gemüse dagegen verdoppelt. Je nach Land schwanke das Ausmaß der nötigen Veränderung: Der Verbrauch an rotem Fleisch sei in Nordamerika fast sechs und in Europa und Zentralasien drei Mal so hoch wie vorgeschlagen. In Südasien wird nur halb soviel Fleisch gegessen, wie erlaubt wäre.
 

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