Start / Ausgaben / bioPress 98 - Januar 2019 / Biozyklisch-veganer Landbau

Nachhaltigkeit

Biozyklisch-veganer Landbau

Kreislaufwirtschaft ohne Tiere

Biozyklisch-veganer Landbau

Die Methode des biozyklisch-veganen Anbaus ist in der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM) als weltweit gültiger Bio-Standard anerkannt. Damit können Betriebe überall nach diesen Anbaurichtlinien wirtschaften. Zu erkennen sind die veganen Lebensmittel an dem Gütesiegel "aus biozyklisch-veganem Anbau".

Den Keim zu dieser Anbaumethode legte die Schweizerin Mina Hofstetter (1883-1967) schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie war eine Biobäuerin, Vegetarierin und Anhängerin der Lebensreform. Sie führte selbstständig einen Bauernhof, auf dem sie die viehlose, biologische Landwirtschaft einführte. Und auch der Ökopionier Adolf Hoops arbeitete kurz nach den Kriegswirren im Jahr 1953 in seinem biologischen Gartenbaubetrieb in der Lüneburger Heide nach dieser Methode. Es waren besonders seine Ideen zu Mischkulturen, die auf sprichwörtlich fruchtbaren Boden fielen. Anstelle von tierischem Dung setzten die Ökopioniere in erster Linie auf Leguminosen, Mulchen und Kompost als Nährstoffquelle.

Der Agraringenieur Dr. Johannes Eisenbach entwickelte dann in Griechenland und Zypern diesen Ansatz zu den Biozyklischen Standards weiter, welche die Grundlage für die heute von IFOAM anerkannten Biozyklisch-Veganen Richtlinien lieferte, nach denen bereits über 60 kleinbäuerliche Betriebe wirtschaften. Sie haben sich im Panhellenic Biocyclic Vegan Network in Griechenland und Zypern zusammengeschlossen und exportieren im Rahmen des Organic Marketing & Export Networks (O.M.E.N.) Zitrusfrüchte und Gemüse, aber auch Oliven und Olivenöl nach ganz Europa. In der Hochsaison fahren jede Woche zwei LKWs die vegan angebauten Frischeprodukte von Griechenland nach Deutschland. Alle Betriebe wurden im vergangenen Jahr offiziell nach den Biozyklisch-Veganen Richtlinien von den beiden größten Öko-Kontrollstellen des Landes, Bio Hellas und Dio zertifiziert.

Auch in Deutschland wurde im vergangenen Jahr ein Biobetrieb von der Bio-Kontrollstelle CERES aus Happurg als biozyklisch-vegan zertifiziert. Clemens Hund, Apfelbauer aus der Bodenseeregion, so-wie die Saftkelterei Stiefel führen nun das biozyklisch-vegane Label auf ihren Produkten.
Unterstützt werden Betriebe im deutschsprachigen Raum durch den Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau mit Sitz in Berlin, welcher sich zum Ziel gesetzt hat, diese Anbauweise im deutschsprachigen Raum zu fördern und bekannt zu machen.

Ohne Dung und nach EU-Öko-Richtlinien

Das wichtigste Prinzip im Ökolandbau ist die Kreislaufwirtschaft. Viehhaltende Betriebe versuchen diesem Anspruch gerecht zu werden, indem sie die von den Nutztieren ausgeschiedenen Dünger aus verdautem Gras, Getreide und Hülsenfrüchten wieder in die Felder und Weiden einbringen. Daher betreibt ein Biobauernhof Pflanzenproduktion und Tierhaltung. Doch mehr als ein Viertel aller Biobetriebe hält schon heute keine Tiere mehr. Die meisten viehlosen Betriebe versorgen ihr Obst und Gemüse mit eigenem Kompost und kaufen tierische Düngemittel dazu.

Doch es geht auch ganz ohne tierischen Dung und organische Handelsdünger aus dem Schlachthof wie Hornspäne und Blutmehle. Die biozyklisch-vegane Landwirtschaft demonstriert das vorbildlich. Hinsichtlich des Einsatzes von Pestiziden und Mineraldüngern decken sich die Richtlinien mit den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau sowie den Vorgaben der Ökoverbände. Tierische Betriebsmittel und die wirtschaftliche Haltung oder Nutzung von Tieren sind hier jedoch ausgeschlossen.

Pflanzen pflegen Pflanzen

Für biozyklisch-vegane Betriebe wurzelt die Pflanzengesundheit im Boden. Für die dort lebenden Mikroorganismen werden durch die Anbau­methode naturnahe Wachstumsbedingungen geschaffen, denn „in einem gesunden Boden wachsen auch robuste Pflanzen he­ran", sagt der Agrarökologe Johannes Eisenbach.

Mit der biozyklisch-veganen Methode bringen Gründüngungspflanzen wie zum Beispiel Kleegras und Lupinen Stickstoff und Blattmasse in den Boden. Darüber hinaus düngen die Anbauer ihre Kulturen mit Kompost und daraus entstehender biozyklisch-veganer Humuserde. Hinzu kommen pflanzliche Dünger und mineralische Stoffe wie Kalk und Schwefel.

Artenvielfalt und biologisches Gleichgewicht haben im biozyklisch-veganen Anbau die wichtigste Funktion hinsichtlich vorbeugender Pflanzenschutzmaßnahmen. Ein optimales Ökosystem, geschaffen durch Hecken, Bäume und Blühstreifen um die bewirtschafteten Anbauflächen, bietet zahlreichen nützlichen Wildinsekten und Wildtieren Lebensraum, welche wiederum die Schädlinge vertilgen. Das gezielte Ausbringen von Schlupfwespen und anderen nützlichen Insekten zur Schädlingsbekämpfung ist  in Ausnahmefällen möglich. Um diese Prinzipien nachvollziehbar zu machen, gibt es den Biozyklischen Betriebsindex (BBI), an dem sich der ökologische Zustand der Flächen ablesen lässt. Vertreter des Förderkreises Biozyklisch-Veganer Anbau ermitteln den BBI vor der eigentlichen Öko-Betriebskontrolle. Alle erlaubten Hilfsstoffe und Präparate stehen in einer für alle biozyklisch-veganen Betriebe verbindlichen grünen Liste.

Der Mix macht’s

Monokulturen sind keine lebendigen Kulturen und für das Prinzip des biozyklisch-veganen Anbaus keine Option, weder im Freiland noch im Gewächshaus. Verschiedene Pflanzen mit ähnlichen Ansprüchen an Temperatur und Feuchtigkeit wachsen nebeneinander, in einem Gewächshaus müssen mindestens jeweils vier unterschiedliche Kulturpflanzen stehen. Doch nicht alle Partner passen zueinander und das muss immer wieder neu austariert werden.

Beispielsweise mögen es Tomaten und Gurken zwar beide gern warm, sie sind sich aber trotzdem nicht grün. Es ist also ein wenig Geschick bei der Gestaltung einer sinnvollen Mischkultur und Fruchtfolge gefragt. Bei Dauerkulturen wie Wein oder Oliven muss der Boden mit einer Krautschicht bedeckt sein. Auch hier ist Vielfalt bei den Kulturen innerhalb eines Betriebs wichtig.

Bio-vegan zurückverfolgen

Das Siegel des biozyklisch-veganen Anbaus hat einen hohen Wiedererkennungswert und ermöglicht den Verbrauchern der veganen Wa- ren durch eine Rückverfolgbarkeitsnummer deren Herkunft bis auf das Feld nachzuvollziehen.

Allerdings ist das Angebot in den Naturkostläden und im Lebensmitteleinzelhandel noch gering. Die deutschen Produkte gibt es direkt ab Hof oder über den Online-Shop www.veganabfeld.de. Seit Januar 2019 lassen sich hier zertifizierte biozyklisch-vegane Erzeugnisse wie Äpfel und Nüsse aus der Bodenseeregion sowie Oliven und Zitrusfrüchte aus Griechenland bestellen.

Seit Ende 2018 gibt es biozyklisch-vegan zertifizierte Zitronen und Orangen deutschlandweit bei HIT.

Biocyclic Network Services Ltd. (O.M.E.N.) ist auf der Biofach Halle 6 /Stand 323  und auf der Fruit Logistica Halle 1.1 Stand D08 vertreten.

Elke Reinecke



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