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Handel

Bio beim Nahversorger

Die Görge-Märkte in Braunschweig bauen ihr Bio-Angebot weiter aus

Bio beim Nahversorger

1993 entstanden die ersten Filialen, heute sind zehn Märkte mit dem Namen Görge im ganzen Braunschweiger Stadtgebiet verteilt. Die Frischemärkte des Familienunternehmens, seit dem Jahre 2000 Mitglied bei der Edeka, übernehmen die Rolle des Nahversorgers in der niedersächsischen Viertelmillionen-Stadt. 25 Jahre Görge und fast von Anfang an ist Bio im Angebot – 2007 wurde Görge sogar mit einem Preis für ihr Bio-Teilsortiment ausgezeichnet, mit der bronzenen Selly.

Wer in Braunschweig einkauft, kommt an den Görge Frischemärkten kaum vorbei. Rund 55 Millionen Euro setzten die Märkte auf einer Fläche von 6.600 Quadratmetern um. Der größte von ihnen liegt im Stadtteil Mascherode und umfasst 1.200 Quadratmeter. 12.000 Artikel stehen in den Regalen, davon rund sieben Prozent Bio.

Mehr Bio Obst und Gemüse als Pilotprojekt

In Mascherode sei der Bereich Obst und Gemüse gerade erst im Oktober 2018 neu gestaltet worden, um „Bio noch besser herauszustellen“, sagt Dirk Hoffmann, ehemaliger Verkaufsleiter, inzwischen zuständig für regionale Lieferanten. Der derzeitige Verkaufsleiter Marco Weiße bezeichnet den Ausbau als „Pilotprojekt“. Das nun präsentierte Angebot ist groß und vielfältig, auf der begrenzten Fläche wird es sogar etwas eng zwischen den Auslagen.

Die rund 20 Prozent Bio-Waren bei Obst und Gemüse kämen teils von Edeka, teils von einem weiteren Großhändler oder von Direkt-Lieferanten. Äpfel, Birnen, Pflaumen, Heidelbeeren und Maronen finden sich, genauso Zitrusfrüchte, Granatäpfel, Bananen und Datteln. Die Gemüseauswahl ist mit rund 30 Sorten reichhaltig: Kartoffeln, Porree, Schalotten, drei Sorten Zwiebeln, Butternut- und Hokkaido-Kürbis, Süßkartoffeln, Spinat, Champignons, Lauch, Knoblauch, Ingwer, Gurken, Möhren lose und Mini-Möhren, alle Farben Paprika, Spitzpaprika, Minipaprika-Mix, Zucchini, Rote Bete gekocht, Brokkoli, Auberginen, Zuckermais, Pastinaken, Wurzelpetersilie, Fenchel und Avocado.

Salate werden nur abgepackt angeboten, hier sei der Blattsalat-Mix der stärkste Artikel. Daneben gibt es Feldsalat, Rucola und Kresse. Salatkern-Mix, Haselnüsse, Paranüsse, Kürbiskerne und Walnüsse sind ebenfalls abgepackt von Edeka Bio zu haben.

Eier und MoPro als weitere Bio-Hits

Neben Obst und Gemüse seien in Mascherode wie üblich die Eier Bio-Verkaufsschlager mit etwa 56 Prozent. Es gibt sie sowohl Demeter-zertifiziert als auch von Edeka Bio.

Im Regal mit den Molkereiprodukten stehen als ein Highlight die Produkte des regionalen Herstellers Klostergut Heiningen: Demeter-zertifizierte Milch in 0,5 und 1-Liter-Flaschen, außerdem Speisequark und Joghurt. Von Söbbeke sind sechs Sorten Joghurt im Glas erhältlich, sowie Crème fraîche und außerdem BioFeuer Schnittkäse.

Ebenfalls sechs Sorten gibt es von Andechser Natur Joghurt und dazu Bio Kefir, von Edeka Bio Sauerrahm, Sahne, Joghurt und Buttermilch. Alnatura ist mit Mandel-Kokos-Joghurt vertreten, Caffè Latte und Matcha Latte, geriebenem Emmentaler und Gouda sowie Mini-Mozzarella. Auch Bio-Parmesan wird angeboten, von der Firma Trentin. An der Käsetheke hat der Kunde die Auswahl unter 14 Sorten. Abgepackt sind die vier Klassiker von Edeka Bio im Kühlregal: Gouda, Emmentaler, Berg- und Butterkäse. Im Frische Convenience sind Hilcona Tortellini und Gnocchi in Bio-Qualität zu haben.

Wenig Bio an der Fleisch- und Wursttheke

An der Fleischtheke ist in der Bedienung kein Bio-Fleisch zu finden. Es ginge auch um praktische Gründe, die von den Behörden verlangten Maßnahmen zum Handling der Bio-Waren seien teilweise nicht praktikabel. Hier herrscht Unsicherheit, was Bio betrifft, und es fehlt ein Ansprechpartner um zu klären, welche Vorschriften tatsächlich allgemein bindend sind oder wo eine Behörde übers Ziel hinaus geschossen ist.

Bei Wurst findet sich Mortadella und Bierschinken von Rack & Rüther außerdem hängt dessen Bio-Stracke aus. Daneben liegt feine Leberwurst, Kräuterschwein Bierschinken und Mortadella. Vor etwa einem Jahr wäre noch mehr Bio-Wurst an der Theke angeboten worden: „Im Bereich Bedienung ist der Kunde nicht auf die Bio-Wurst gegangen. Perspektivisch wird es sich meiner Meinung nach aber weiter in diese Richtung entwickeln“, erläutert Marco Weiße.

Hoffmann und Weiße sehen beide einen Nachholbedarf bei der Mitarbeiterschulung. „Die Begeisterung für Bio bei den Mitarbeitern muss da sein – das ist die Erfolgsgarantie“ sagt Hoffmann. Früher habe es bei Görge mehr an internen Schulungen und Infomaterialien zu Bio gegeben. Da solle jetzt wieder mehr getan werden. „Über alle Ebenen, vom Azubi über den Abteilungsleiter bis zu den Marktleitern, sollen alle das gleiche Bio-Verständnis haben“, meint Weiße. Es sei geplant, dass 2019 mehr der regelmäßigen Sitzungen für Führungs- und Fachkräfte und für die Azubis als Schulungen stattfinden – und Bio wäre in jedem Fall Thema, möglichst in Kombination mit regional. Auch Externe sollen für Input und Beratung eingeladen werden.

Bio-SB-Wurst ist beliebt

Die SB-Wurst verkaufe sich in Bio gut, sagt der Verkaufsleiter: Es gibt sieben Aufschnitte von Bio Jansen, zum Beispiel Krustenbraten, Bierschinken, Fleischwurst, Salami und Schinken, Bio-Salami von Börner-Eisenach, Edeka Schinken-Würfel, von Wiltmann Fleischkäse und Lyoner, Rügenwalder Schinkenspieker, Mortadella, Lyoner und Pommersche feine Leberwurst.
Würstchen im Glas gibt es von Bio Jansen, Alnatura und Meica. Im SB-Regal findet sich auch Bio-Fleisch: Rinderhack und Schweinefilet von Bio Jansen, gemischtes Hackfleisch, Schweineschnitzel und Bratwurst und Biofino Pulled Chicken.

Brot von der Insel

Bei der gut aufgemachten Brotinsel ist auch ,Brotinsel‘ drin. Die Backwaren des Braunschweiger Bio-Bäckers Sommer finden viel Anklang bei den Kunden: „Hier sind wir gut aufgestellt“, freut sich Marco Weiße. Es gibt rund 14 Brotsorten, dazu drei Sorten süßes Gebäck: Double Choclate Cookies, White Cranberry Cookie und Butterkeks.

Demnächst besäßen die Görge-Märkte auch eine Biozertifizierung für Backwaren, damit Backen und Verpacken der Bioware vor Ort möglich ist. „Wir wollen Backwaren im Bake-off verkaufen“, erklärt Weiße die Zukunftspläne.

Vielfalt bei Säften

Eine weitere Stärke von Görge bei Bio sind die Säfte. Neben Rotbäckchen, Edeka Bio und Alnatura stehen an die 40 Sorten des niedersächsischen Herstellers Voelkel im Regal, teils in Demeterqualität, außerdem noch Sirup. Bei den Limonaden finden sich BioZisch, ebenfalls von Voelkel, Bionade und Fritz-spritz, Schorlen und Mineralwässer von Vio, Adelholzener und Extaler und eine regionale Braunschweiger Limo.

Alkoholische Getränke in Bio-Qualität sind wenig vorhanden. Als Weine ein Prosecco, ein spanischer Merlot mit Demeter-Zertifizierung, ein Ovega Negra Verdejo, ein italienischer Chianti, ein Puglia Bianco und Primitivo als Extra-Angebot. Aus deutschen Landen ein Riesling aus der Pfalz aus der Rheinberg-Kellerei von Edeka. Bio-Bier gibt es nicht.

Viel Bio-Eis im Tiefkühl-Sortment

Bei den tiefgekühlten Produkten gibt es Bio in den meisten Warengruppen. TK-Brötchen, beim Gemüse Brechbohnen, Buttergemüse, Blumenkohl und gemischte Kräuter und von Frosta Sommergemüse, ebenso Himbeeren und Heidelbeeren. Kartoffeliges bietet Schwarmstedter: Puffer, Kartoffel-Taschen und Pommes Frites. Bei Bio-Pizzen ist Alnatura einziger Anbieter mit Pizza Margherita und Vegetale.

Die Eisliebhaber unter den Bio-Kunden werden gut versorgt. Zwölf Sorten Eis von Lycka und das Sorbet Blabaer von SIA Svenks werden angeboten, dazu von Alnatura Schoko und Vanille und Sorbet Himbeere und Mango.
Der TK-Fisch von Followfish (Garnelen, Zander, Kabeljau und Lachs) wird von Bio-Garnelen und Lachs von Edeka ergänzt. Geflügel steuert Dithmarscher Geflügel sogar regional bei: TK-Hähnchenschenkel, Brust, Nuggets und Wings und von der Pute Brust und Schnitzel.

Bio-Zentrale im Block

Im Trockensortiment werden die Bio-Produkte zum Teil im Block präsentiert. So hat die Bio-Zentrale etwa zwei Regalmeter nur für sich: Von Cerealien wie Müsli und Cornflakes über Bratlinge, Grünkern und Buchweizengrütze bis zu Spaghetti, Kräutersalz und Tomatenketchup. Zwei Displays sind mit Alnatura-Produkten gefüllt: Eines mit Bio-Backzutaten, das andere mit Süßigkeiten unter dem Motto Bio-Wintergenuss.

Insgesamt ist die Produktvielfalt bei den Süßigkeiten und Knabbereien für Bio-Kunden nicht groß. Es herrschen die Produkte von Alnatura vor: Knabbereien, zwei Schokoladensorten, Espressobohnen und Schokokugeln. Dann noch eine regionale Braunschweig-Schokolade, fair gehandelt. Eine echte Schokoladen-Vielfalt fehlt, ebenso Bio-Alternativen bei Lakritz und Fruchtgummis.

Geringe Auswahl bei Süßigkeiten, Tee und Kaffee

Bei Kaffee und Tee sieht es ähnlich aus. Alnatura und Edeka Bio Kaffee stehen neben Tempelmann‘s Bio und Café Intención von J.J.Darboven, beide Fairtrade. Beim Tee werden die Produkte von Alnatura und Edeka Bio von Yogi Tee ergänzt (Schoko und Frauen Power).

Bei Müsli ist außer Alnatura, Kölln, Seitenbacher und Hahne auch der Bio-Hersteller Mymuesli mit fünf Sorten vertreten. Zu den Mehlen von Alnatura und Edeka Bio kommt ein Mandelmehl von Borchers. Von Rinatura gibt es drei Sorten Bio-Brotaufstrich, Grünkern und Porridge Schoko sowie Bio-Asia Würze Lien Ying und Kokosmilch, ebenfalls von Rila. Als Aufbackware sind Mehrkornbrötchen von Herzberger und Kürbiskernbrötchen von Edeka im Angebot. Veganer freuen sich über LikeMeat Hack Soja und Golden Nugget, ebenso wie zwei Sorten Tofu von Edeka und drei Sorten von Alnatura.

Für Kinder nur das Beste

Von den Mogli Bio-Kindersnacks in Demeter-Qualität stehen Moothies in vier Sorten zur Auswahl, dazu Mandelriegel, Dinkel-Bällchen und Dinkelkeks. Außerdem die Frechen Freunde von Erdbär. „Junge Mütter mit ihren Kindern konzentrieren sich sehr auf Bio“, sagt Dirk Hoffmann.
Ansonsten finden sich in fast allen Warengruppen Produkte von Alnatura als Bio-Alternative; von Nudeln, Dosentomaten, Ketchup über Dosensuppen und Bouillon, Backgrundstoffe, Knäckebrot, Reis, Kartoffelpüree, Polenta, Couscous, Bulgur und Hirse bis zu Schoko-, Nuss- und Fruchtaufstrichen.

Premiummarken als Marktvorteil

Marco Weiße sieht Görge im Bereich Bio gut aufgestellt, auch im Vergleich zum Wettbewerb. „Wir haben es geschafft, auch die richtigen Bio-Produkte zu haben“, ist er sich sicher. Außer dem Standard, der an allen Görge-Standorten geboten wird, seien in den Filialen mit Bio-affiner Kundschaft auch Herstellermarken wie Soebbecke, Bauck oder Alnavit zu finden. Da greift der Verkaufsleiter zusätzlich zum Angebot der Edeka auf Lieferanten wie Naturkost West zurück und kann mit Produktvielfalt und Premiummarken glänzen.

Elke Reinecke



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