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Mehr Nachhaltigkeit im Lebensmittelsektor ist erwünscht – auch ohne Initiative

Vergangenes Wochenende hat das Schweizer Stimmvolk entschieden, die Fair Food-Initiative abzulehnen. Die politischen Debatten im Vorfeld der Abstimmung zeigten aber, dass sich Befürworter und Gegner in zumindest einem Punkt meist einig waren: Mehr Nachhaltigkeit und Transparenz hinsichtlich der Herkunft und der Produktionsweise von Lebensmitteln sind wünschenswert. Diesem Bedürfnis widmet sich das FiBL schon seit geraumer Zeit und hat mit dem SMART Tool bereits einen weltweit erprobten Lösungsansatz entwickelt.

Frick/Schweiz, 25.09.2018  |   Im vergangenen Abstimmungskampf zur ,Fair Food-Initiative‘ wurde einmal mehr klar, dass die Lebensmittelproduktion ein Thema ist, welches jede und jeden angeht und die Gemüter erhitzt. Klar wurde auch, dass bei Lebensmitteln umfassende Informationen zu Themen wie Tierwohl, Klima, Biodiversität und Arbeitsbedingungen rare Ware sind. Transparenz ist gefragt – vor allem bei Produkten aus dem Ausland. Für Transparenz sind fundierte Fakten zur Lebensmittelproduktion notwendig. Dazu bedarf es zunächst wissenschaftlich basierter Methoden, um die Informationen zu erheben, zu bewerten und zu einem nachvollziehbaren Resultat zusammenzufassen. Darauf aufbauend sind geschickte Kommunikationsarten gefragt, damit die Konsumenten schliesslich eine informierte Kaufentscheidung treffen können.

Ganzheitliche Nachhaltigkeitsbewertung auf Produzentenebene mit SMART

Das FiBL beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesem gesellschaftlichen Bedürfnis nach Informationen zu Nachhaltigkeit von Lebensmitteln: Mit Hilfe des eigens hierfür entwickelten SMART Tools (Sustainability Monitoring and Assessment RouTine), kann die Nachhaltigkeit in der Produktion von landwirtschaftlichen Rohwaren umfassend und pragmatisch bewertet werden. Dabei handelt es sich um kein neues Label, sondern um eine neutrale Methode zur effizienten Analyse der Produktionsbedingungen. Das Tool bündelt langjähriges Expertenwissen des FiBL und wird heute bereits in vielen Produktbereichen erfolgreich angewendet – von Schweizer Milchvieh-, Ackerbau- und Obstbaubetrieben, bis hin zu Kaffeebauern in Afrika, Teebauern in Asien und Avocado-Produzenten in Lateinamerika. Zu aktuellen SMART-Projekten gehören:

  • Nachhaltigkeitsbewertung von 185 Knospe-Betrieben zur Weiterentwicklung des Standards und zur Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistungen
  • Nachhaltigkeitsbewertung von über 500 Zulieferbetrieben für die Marke ,Zurück zum Ursprung‘ der österreichischen Lebensmittelhandelskette Hofer
  • Nachhaltigkeitsbewertung von 100 Kakaoproduzenten in Ecuador für Coop / Chocolats Halba
  • Nachhaltigkeitsbewertung von ca. 2000 Kleinbauern in Uganda, Kenia und Ghana zur vergleichenden Analyse verschiedener Produktionssysteme im Rahmen des ProEcoAfrica / OFSA-Projekts
  • Dialog und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren nötig

Um bestehende sowie neue Lösungsansätze für die Nachhaltigkeitsbewertung von Lebensmitteln (weiter) zu entwickeln und in die Breite zu tragen, ist eine intensive Zusammenarbeit zwischen Bund, Forschungsinstitutionen, Konsumentenschutzorganisationen aber vor allem auch dem privatwirtschaftlichen Sektor nötig. Davon ist Urs Niggli, Direktor des FiBL Schweiz, überzeugt: „Das gesellschaftliche Bedürfnis nach mehr Transparenz und Nachhaltigkeit ist offensichtlich. Jetzt geht es darum, diesem bestmöglich nachzukommen, unabhängig von vergangenen oder zukünftigen Initiativen“.



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