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Forschungs- und Bildungscampus in Frick wird ausgebaut

Forschungs- und Bildungscampus in Frick wird ausgebaut
Von links nach rechts: Matthias Müller, Leiter der Abteilung Landwirtschaft Aargau, Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse, Martin Ott, Präsident des FiBL-Stiftungsrats, Markus Schärer, Inhaber der Architekturfirma fsp, Daniel Suter, Gemeindeammann Frick, Urs Niggli, Direktor von FiBL Schweiz, Markus Dieth, Aargauer Regierungsrat, Claudia Friedl, Nationalrätin und Stv. Präsidentin des FiBL-Stiftungsrats, Peter Jossen, Präsident des bio.inspecta-Verwaltungsrats.

Das FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) investiert über 25 Millionen Schweizer Franken, während gleichzeitig staatliche Forschungsstandorte unter Druck stehen. Ein Blick auf die Erfolgsgeschichte des Bio-Forschungszentrums, die seit Jahren über die Landesgrenzen hinauswirkt.

Aus dem ehemals kleinen Forschungszentrum (siehe Infobox) ist ein national und international renommiertes Institut mit 200 festangestellten WissenschaftlerInnen und Beratern sowie rund 100 Studierenden und Auszubildenden gewachsen. „Der Neubau ist die Antwort auf die stark wachsende Nachfrage nach Forschung und Dienstleistungen des FiBL“, betonte der langjährige FiBL-Direktor Urs Niggli beim Spatenstich am 17. August 2018, mit dem die Bauarbeiten für den neuen Forschungs- und Bildungscampus in Frick feierlich eingeläutet wurden.

Der grosse Sprung nach vorn des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL kommt zum richtigen Zeitpunkt. Urs Niggli zeigte das gesellschaftspolitische Umfeld auf, das den Ausbau der Bio-Forschung begünstigt und gleichzeitig erforderlich macht: „Der Biolandbau wächst und wächst – und er braucht einen modernen Forschungs- und Bildungs-Campus. Vom Markt kommen klare Signale: Die beiden Grossverteiler (LEH red.) Coop und Migros haben als Biovollsortimenter grosse Wachstumsziele. Auch Discounter wie Aldi und Lidl dehnen ihr Bioangebot aus. Und nicht zuletzt wächst auch der Biofachhandel mit seinen 350 Läden und vielen regionalen Produkten.“ Mit Blick auf die derzeit aktuellen vier landwirtschaftlichen Volksinitiativen (vgl. Artikel Direktdemokratisch zum Bioland Schweiz?) verwies Niggli auf die damit verbundenen Herausforderungen: „Sie könnten zu einer raschen Ausdehnung des Biolandbaus führen.“

Die Idee eines Forschungs-, Beratungs- und Bildungs-Campus wurde vom FiBL-Team und dem Stiftungsrat während der letzten Jahrzehnte ausgebrütet. Der Ausbauplan bildet die Antwort auf die stark wachsende Nachfrage nach Forschung und Dienstleistungen. Gleichzeitig ist die ursprünglich vom FiBL mitbegründete und nach wie vor am gleichen Standort verankerte Inspektions- und Zertifizierungsfirma bio.inspecta AG stark gewachsen.

„Gut ausgebildete Bäuerinnen und Bauern legen in der Schweiz und weltweit die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung“, mit diesem Statement setzte Urs Niggli einen erfrischenden Kontrapunkt zu gewissen Ökonomie-Lehrmeinungen. In den ärmeren Regionen der Welt könnte die bäuerliche Landwirtschaft zudem einen eigentlichen wirtschaftlichen Aufschwung bewirken. Dass diese Entwicklung weit über die Landwirtschaft hinaus wirke, zeige sich auch im Forschungsbereich: „Alle diese zukünftigen Anforderungen in der Landwirtschaft und der Ernährung brauchen eine moderne Forschung, sie brauchen zahlreiche erfahrene Beraterinnen und Berater, und sie brauchen eine neue Generation von Fachleuten, die im Biolandbau, in der Agrarökologie und in der nachhaltigen Ernährung aus- und weitergebildet werden.“

Lösungen, die auch konventionellen Landwirten zugutekommen
Urs Brändli ist Bio Suisse-Präsident und Mitglied des FiBL-Stiftungsrates. Beim Spatenstich wies er darauf hin, dass immer mehr konventionelle Landwirtinnen und Landwirte entdecken, wie Praktiken und Lösungsansätze des Biolandbaus auch auf ihren Höfen gute Resultate liefern. „Höchste Zeit also, die in die Jahre gekommene Infrastruktur des FiBL für die wachsende Nachfrage zu rüsten.“

In der Biolandwirtschaftspraxis sei das FiBL weit über die Schweiz hinaus gut verankert, so Brändli: „Fachleute aus allen Produktionsrichtungen an einem Institut zu vereinen, ist eine der Stärken des FiBL. Dies wissen nicht nur Biobauern in der Schweiz, sondern auch europa- und weltweit schon lange.“
Die Herausforderungen für die Zukunft seien dabei offensichtlich: „Wir kennen die Gefahren von sich bildenden Resistenzen bei Medikamenten. Wir wissen, dass die tierische Ernährung die menschliche in Zukunft immer weniger konkurrieren darf. Wir wissen, dass wir für die Produktion der Lebensmittel in Zukunft weniger Ressourcen verbrauchen dürfen. Und wir lesen in regelmässigen Abständen von Pestizidbelastungen in Gewässern, Böden und sogar auf Lebensmitteln. Und betreffend Klima hoffen wir, dass 2018 als Ausnahmejahr in die Geschichte eingehen wird, und nicht am Anfang einer Periode steht, die Existenzen von Mensch, Tier und Natur in Frage stellt.“   

Claudia Friedl betonte als stellvertretende Stiftungsratspräsidentin und Nationalrätin (Schweizer Bundesparlament) die zunehmende Bedeutung des FiBL, weit über Landwirtschaft und Tierhaltung hinaus. Das FiBL sei eine wichtige Stimme aller Biobäuerinnen und Bauern und ihrer Verbände, aber auch der VerkäuferInnen und VerarbeiterInnen von Bioprodukten. Rund eine Million im Jahr beträgt das Volumen, welches allein die Bio Suisse für Forschung an das FiBL bezahlt. „Die Gesellschaft und Politik wollen mehr FiBL“, so Friedl. „Die anstehenden Initiativen für eine Neugestaltung der schweizerischen Landwirtschaft wie fair Food, Ernährungssouveränität, Trinkwasser-Initiative oder die Pestizidverbotsinitiative zeigen die hohe Sensibilität der Bevölkerung für die Herausforderungen in der Landwirtschaft. Um die Pestizide ersetzen zu können, braucht es noch viel Forschung und Entwicklung. Die hier gebauten neuen Labors werden genau für das gebraucht!“

Breite finanzielle Abstützung

Die von Urs Niggli, Urs Brändli und Claudia Friedl gleichermaßen betonte breite Verankerung und Kooperation des FiBL, namentlich mit den Bioverbänden und den wichtigsten Vermarktungsunternehmen, zeigt die wesentlichen Elemente der auch wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte des Bio-For- schungszentrums auf. Während in der Schweiz gleichzeitig die staatlichen Agrarforschungsanstalten von Zusammenlegungen oder Schliessungen bedroht sind, kann das FiBL ausbauen. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in dem seit mehr als vier Jahrzehnten etablierten Status als unbestrittenes Bio-Kompetenzzentrum.

Längst forscht das FiBL denn auch bei staatlichen Forschungsprogrammen mit. Gleichzeitig schaffte es das FiBL stets, nicht zu abhängig von Bundesgeldern zu werden und zusätzliche Aufträge zu gewinnen. Bereits als der heute grösste Schweizer Biovermarkter Coop Bioprodukte ins Sortiment aufnahm, entstand sehr bald eine enge Zusammenarbeit. Seither unterstützt Coop die Forschungsarbeiten am FiBL, um den Biolandbau zu entwickeln und zu modernisieren.

Ein schon 1992 begonnenes Projekt unterstützte beispielsweise den biologischen Apfelanbau und die Vermarktung. Innerhalb zehn Jahren stellten zahlreiche Schweizer Obstbauern ihre Betriebe auf Bio um. Heute ist eine Vielfalt an sehr beliebten Bio-Obstsorten in den Verkaufsregalen zu finden. Ähnlich erfolgreich waren weitere Projekte im Weinbau und bei Beerenkulturen. Mit dem Coop Fonds für Nachhaltigkeit hat Coop seit 2003 das Engagement für die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Biolandwirtschaft im Rahmen verschiedener Projekte verstärkt. Das Engagement von Coop Schweiz ist bis heute sehr stark, längst sind jedoch weitere Kooperationen dazu gekommen, darunter auch Projekte mit dem zweiten orangenen Riesen Migros.

Peter Jossi

FiBL - 45 Jahre Forschung für den Biolandbau

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) wurde 1973 gegründet und ist seit 1997 in Frick ansässig. Es ist weltweit eine der führenden Forschungseinrichtungen für biologische Landwirtschaft und beschäftigt über 175 Mitarbeiter. Zum FiBL gehören ein Weingut mit eigener Kelterei, eine Obstanlage, ein Landwirtschaftsbetrieb mit Hofladen und ein Restaurant, die alle biologisch betrieben werden.

Die enge Verzahnung verschiedener Forschungsgebiete und der rasche Wissenstransfer von der Forschung zur Beratung und in die Praxis sind die Stärken des FiBL. Die Kompetenz des FiBL ist auch ausserhalb der Schweiz gefragt. Das Institut betreibt seit Jahren je eine Zweigstellen in Deutschland und Österreich und ist mit einem eigenen FiBL-Europa-Team zudem in Brüssel verankert. Das FiBL ist international an zahlreichen Projekten beteiligt – sowohl in Forschung, Beratung und Weiterbildung als auch in der Entwicklungszusammenarbeit.

http://www.fibl.org/de/schweiz/standort-ch.html
http://www.fibl.org/de/fibl-europe/standort-europe.html
http://www.fibl.org/de/deutschland/standort-de.html
http://www.fibl.org/de/oesterreich/standort-at.html

Der FiBL-Ausbau in der Übersicht

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL investiert gesamt über 25 Millionen Franken. Dank dem Beschluss des Regierungsrats des Kantons Aargau, die Modernisierung der Infrastruktur des FiBL zu unterstützen, stammen elf Millionen davon aus dem Swisslos-Fonds.
Die Ausbauarbeiten umfassen:

  • 550 Quadratmeter neue Laborplätze für Forschung, die der Landwirtschaft und der Verbesserung der Tiergesundheit und des Tierwohls dient.
  • 300 Quadratmeter moderne Gewächshäuser für die Entwicklung von neuen biologischen Pflanzenbehandlungsmitteln, die biologische Pflanzenzüchtung und die Bodenfruchtbarkeitsforschung.
  • Ein artgerechter Kuhstall mit Vorbildwirkung und verschiedene experimentelle Anlagen für Kleintiere (Schafe, Hühner, Kälber) zur Entwicklung alternativer Gesundheitsansätze, neuer Gruppenhaltungssysteme und nachhaltiger Fütterungskonzepte.
  • Die Modernisierung des FiBL-Gutsbetriebs, so dass er der Obstbau-, Weinbau- und Ackerbauforschung besser dient.
  • 650 Quadratmeter moderne Büroräume für die FiBL-Forschenden und die vom FiBL mitbegründete und benachbarte Zertifizierungsfirma bio.inspecta AG.
  • 1200 Quadratmeter für eine moderne Aus- und Weiterbildungsinfrastruktur mit Schulungsräumen, einer grossen Aula und einem Restaurant, welche in der Nordwestschweiz als Campus für eine nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung dient.


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