Start / Ausgaben / bioPress 94 - Januar 2018 / Der Exot im Mannheimer Hafen

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Der Exot im Mannheimer Hafen

Traditionsfirma Seyfried importiert seit 2009 Bio-Gewürze

Der Exot im Mannheimer Hafen © bioPress, EM

Das Mannheimer Unternehmen Seyfried blickt auf über 150 Jahre Erfahrung in der Gewürzbranche zurück. Als B2B-Lieferant versorgt der Spezialist mit der Marke Seyma – Seyfried Mannheim – die weiterverarbeitende Industrie. Seit 2009 auch in Bio-Qualität. Der Gesamtumsatz beträgt 20 Millionen Euro mit einem Bio-Anteil von fünf Prozent.

90.000 Tonnen Gewürze werden jedes Jahr von 70 Verarbeitern in Deutschland importiert. Seyfried ist einer von nur wenigen landesweiten Anbietern, die ihre Rohstoffe direkt aus den Ursprungsländern beziehen und im eigenen Haus verarbeiten. „Die Ausnahme bilden Gewürze, von denen nur geringe Mengen benötigt werden. Sie werden von Händlern aus Rotterdam und Hamburg geliefert“, erklärt Stephan Möller, der mit Jörg Steenpass die Geschäfte leitet. 70 Prozent aller Gewürze bezieht Seyfried außerhalb von Europa. Meist gelangen sie per Schiff in den Mannheimer Hafen, in dem Seyfried seinen Sitz hat.

Auf dem Firmengelände duftet es nach Gewürzen. Denn in der vierstöckigen Mühle neben dem Verwaltungsgebäude werden die Rohstoffe verarbeitet. Der Produktionsprozess verteilt sich über alle Etagen: Im oberen Stockwerk werden die sortenreinen Gewürze eingeschüttet. Dann fallen sie in die Mühlebene, wo sie von acht Mühlen grob bis fein gemahlen werden. Mithilfe der Schwerkraft erreichen sie dann die Siebebene, um anschließend im Erdgeschoss verpackt zu werden.

„Einen Großteil der Gewürze vermahlen wir kalt mit Stickstoff“, erklärt Möller. Durch die Kaltvermahlung blieben zum einen wertvolle ätherische Öle erhalten und zum anderen entstünden weniger Verklebungen bei öl- und fetthaltigen Produkten wie Muskatnuss. Außerdem könnten auch empfindliche Gewürze feiner vermahlen werden, ohne dass sich ihre Eigenschaften verändern.

225 Tonnen Gewürze in Bio-Qualität

„Wir importieren jährlich 4.500 Tonnen Rohgewürze, davon 225 Tonnen in Bio-Qualität. Bis zu 2.000 Tonnen haben wir immer auf Lager“, sagt Möller.
In den letzten vier Jahren habe Seyfried jedes Jahr sechs bis sieben Prozent Wachstum mit Bio-Gewürzen verzeichnet, betont Möller. Wie im konventionellen Bereich decke der Spezialist auch alle gehandelten Bio-Gewürze ab, darunter die klassischen Sorten Pfeffer, Fenchel, Paprika, Ingwer, Kümmel, Muskat und Koriander. Der Vorteil der Bio-Zertifizierung sei unter anderem auch, dass die Warenströme der Bio-Gewürze lückenlos verfolgt werden könnten und Verbesserungspotenziale einfacher erkannt würden.

Zu Seyfrieds Kunden gehören Mischbetriebe, Abfüller, Gewürzgroßhändler für die Gastronomie, aber auch Handwerksbetriebe aus der Fleisch- und Backwarenbranche. „Metzger verwenden häufig Mischungen, während Bäcker ihre Gewürze als Einzelzutaten in die Produkte hineingeben. Fenchel, Koriander, Anis und Kümmel sind die Grundkomponenten für Bäcker“, sagt Steenpass.

Seyfried biete seinen Kunden auch Nachreinigung und Entkeimung an sowie Sonderabpackungen, -vermahlungen, -schrotungen und gesonderte Analyse-Zertifikate und mikrobiologische Untersuchungen über externe Labore.

Projekt Little Smile

„Neben der Bio-Kontrolle durch QC&I haben wir auch andere Zertifizierungen wie Flocert, Halal und IFS. Seit zwei Jahren sind wir zudem Naturland-zertifiziert. Fair gehandelte Gewürze gibt es nur wenige auf der Welt. Wir beziehen seit 2009 Fairtrade-Gewürze aus Sri Lanka“, so Möller. „Dort unterstützen wir außerdem das Kinderdorf ‚Little Smile‘, das Waisenkindern ein Zuhause gibt und durch Hilfe zur Selbsthilfe sowie Schul- und Berufsausbildungen eine berufliche Perspektive. Seit zehn Jahren werden dort für uns Pfeffer, Nelken, Zimt, Muskat, und Vanille angebaut. Die Kosten für die Bio-Zertifizierung übernehmen wir.“

Als Fairtrade-Produkte bietet Seyfried außerdem Kurkuma, Ingwer, Kardamom, Muskatnuss, -blüte, Nelken, Schwarzen und Weißen Pfeffer sowie Vanilleschoten aus Sri Lanka an. Sowohl konventionell als auch in Bio-Qualität. „Verbraucher verbinden mit fair gehandelten Produkten meist Bio. Deshalb versuchen wir diese Produkte immer in Bio zu beziehen“, ergänzt Steenpass. Weitere Bio-Projekte, in denen Seyfried intensiv mit Anbauern zusammenarbeite, gebe es in Ägypten, Indien, Polen und der Türkei.

„Unsere Rohstoffqualitäten sind standardisiert. Bevor wir Ware bestellen, lassen wir uns Muster zukommen. Nach erfolgter Freigabe wird die Ware verschifft und schließlich ein weiteres Mal geprüft, wenn sie bei uns eintrifft“, sagt Steenpass. In die Vermahlung werde nur gereinigte, sortenreine Rohware gegeben. „Kontrolle und Vertrauen sind wesentliche Punkte. Das gilt sowohl für Importgeschäfte mit Bio- als auch konventioneller Ware.“ Die konsequente Qualitätssicherung sei dabei ein zentraler Erfolgsfaktor des Unternehmens. Seyfrieds große Stärke liege darüber hinaus in der Pflege langfristiger Lieferantenbeziehungen.

Steenpass: „Durch unser sogenanntes Kontraktgeschäft haben die Lieferanten die Sicherheit, dass sie bestimmte Mengen zum gemeinsam festgelegten Preis bekommen. Wir kennen die Anbauflächen unserer Erzeuger und können dadurch gut einschätzen, wie viele Mengen realistisch sind.“ Schwierigkeiten in der Beschaffung habe es bisher sehr selten gegeben. Die Ernteschwankungen bei Gewürzen ließen sich fast immer durch Überhänge aus dem Vorjahr oder die Beschaffung aus anderen Anbaugebieten ausgleichen, so Möller.

„Unsere Kunden befinden sich hauptsächlich in Europa. 90 Prozent unserer Gewürze liefern wir deutschlandweit, der Rest geht nach Frankreich, England, Russland, Benelux, Polen, Österreich und in die Schweiz“, führt Steenpass aus.

Steenpass und Möller sehen auch weiterhin ein großes Wachstumspotenzial für Bio-Gewürze. Nicht zuletzt deshalb, weil die Bereitschaft der Verbraucher immer mehr zunimmt, auch beim Kauf von Gewürzen zu Bio-Qualität zu greifen. „Die frühzeitige Ausrichtung auf den Bereich der Bio-Gewürze war für Seyfried eine wichtige und richtige unternehmerische Entscheidung“ lautet Steenpass‘ Fazit.

Seyfried ist auf der Biofach in Halle 9, Stand 271 vertreten.

Sina Hindersmann

Historie

1857 begann das im pfälzischen Rülzheim gegründete Unternehmen mit dem Vertrieb von qualitativ hochwertigen Naturgewürzen, Kräutern, Saaten und Lebensmittelzusätzen. 1874 wurde es an den Firmen-Namensgeber Phillip Seyfried verkauft, bevor es 1908 in eine GmbH umgewandelt wurde. Zwischen 1902 und 1939 fanden viele Inhaberwechsel statt. 1945 entstand die Marke Seyma – Seyfried Mannheim. Seit 2003 gehört Ph. Seyfried zur Unternehmensgruppe AVO in Belm bei Osnabrück. Bis heute hat sich der Importeur als Gewürzspezialist und Partner in der Fleisch-, Backwaren- und Lebensmittelindustrie sowie im Fachgroßhandel und für GV-Zulieferer etabliert.
 


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