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Virrankoski-Report irreführend

GLOBAL 2000 fordert: EU-Parlament muss Pro-Gentech-Report ablehnen.

Wien/Brüssel (12.3.07) Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 fordert die österreichischen Abgeordneten im EU-Parlament auf, den so genannten "Virrankoski-Report" abzulehnen.

GLOBAL 2000 bezeichnet den Bericht über die Biotechnologie als "irreführend, tendenziös und einseitiges Lobby-Papier der Biotech-Industrie". Das EU-Parlament stimmt diese Woche im Europäischen Parlament über den Report ab. "Durch solche Berichte versucht die Biotech-Industrie kommende Gesetzesvorschläge in ihrem Sinne zu beeinflussen. Sollte dieser Bericht angenommen werden, ist zu befürchten, dass die Inhalte dieses Berichts in konkrete Gesetzesvorschläge der EU-Kommission einfließen", so Jens Karg, Gentech-Sprecher von GLOBAL 2000. "Wir haben jedes österreichische Mitglied des Europäischen Parlaments kontaktiert und über dieses Skandalpapier informiert. Diese Arbeit hat sich gelohnt, die Österreichischen Delegierten haben uns zugesichert, den Report abzulehnen."

Der gesamte Report ist als reines Lobby-Papier der Biotech-Industrie zu werten, so Global 2000. Im Papier ist die Rede davon, dass eine Ausweitung des Anbaus von Gentech-Pflanzen massiv neue Arbeitsplätze schaffen soll. Eine Untersuchung der Universität Oldenburg hat ergeben dass derzeit weniger als 500 Menschen in der privatwirtschaftlich finanzierten Agro-Gentechnikindustrie arbeiten und dass es auch bei Ausweitung des Anbaus zu keinen neuen Arbeitsplätzen kommen wird.

Der Virrankoski-Report spricht davon, dass das EU-Zulassungsverfahren langsam, bürokratisch und wettbewerbsverhindernd sei, was dazu beitrage, dass die EU hinter der weltweiten Konkurrenz zurückfalle. Was nicht beachtet wird, ist, dass das Zulassungsverfahren primär dem Schutz der Gesundheit der Bevölkerung und dem Schutz der Umwelt dienen soll und nicht den wirtschaftlichen Interessen der Biotech-Industrie.

"Der Report geht sogar so weit, Gentechnik als nachhaltig zu bezeichnen. Wissenschaftlich erwiesen ist jedoch, dass der Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft auf große Monokulturen ausgerichtet ist und zu einem erhöhten Pestizideinsatz führt."

Autor: GLOCALIST (redaktion@glocalist.com)

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