Einzelhandel fordert Nachbesserungen bei NGT-Regulierung
Abstimmung im Umweltausschuss auf Juni verschoben
Kennzeichnung bis zum Endprodukt, Rückverfolgbarkeit und Schutz der europäischen Bauern und Züchter vor Patenten: Das fordert eine Allianz des europäischen Lebensmitteleinzelhandels, bestehend aus Rewe-Gruppe, Alnatura, Dennree, dm, EcorNaturaSì (Italien), Odin (Niederlande) sowie dem Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG), in einem gemeinsamen Schreiben an den Umweltausschuss (ENVI) des EU-Parlaments. Die Abstimmung im ENVI über den aktuellen Entwurf zur Regulierung Neuer Gentechnik (NGT) sollte eigentlich heute stattfinden, wurde jedoch kurzfristig in den Juni verschoben.
Die Handels-Unternehmen warnen, dass der vorliegende Kompromiss, der zwischen den EU-Institutionen im Trilog ausgehandelt wurde, funktionierende und transparente Lebensmittelmärkte beeinträchtigt.
Daher fordern die Unterzeichner die Abgeordneten des Umweltausschusses dazu auf, zur ursprünglichen Position des Europäischen Parlaments zurückzukehren und:
eine verpflichtende Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit für alle NGTProdukte sicherzustellen
einen wirksamen Schutz vor Patenten auf Pflanzen und Saatgut zu gewährleisten.
Im Trilog waren diese Leitplanken gestrichen worden.
„Wir begrüßen es sehr, dass sich unsere Mitglieder im Einzelhandel auf die Seite der europäischen Verbraucherinnen und Verbraucher stellen, die sich in überwältigender Mehrheit eine Kennzeichnung auch von neuen Gentechniken wünschen“, sagt die Demeter-Vorständin Ute Rönnebeck. „Jetzt hoffen wir, dass auch das europäische Parlament im Namen der Verbraucher:innen arbeiten wird.“
Die Unternehmen Rewe, dm, Alnatura, dennree und Rapunzel haben einen Offenen Brief an die EVP-Abgeordneten Manfred Weber, Jessica Polfjärd und Stefan Köhler versandt. Darin fordern sie die EU-Parlamentarier auf, die vollständige Kennzeichnungspflicht auch für Neue Gentechnik zu erhalten.
Lebensmittelhersteller und -händler können sich anschließen
Fünf Unternehmen der deutschen Lebensmittelwirtschaft haben heute eine Initiative für den Erhalt von Kennzeichnung und Wahlfreiheit bei Gentechnik-Lebensmitteln gestartet. In einem offenen Brief appellieren Alb-Gold, Alnatura, dm, die Andechser Molkerei und Frosta an Manfred Weber, den Fraktionsvorsitzenden der Europäischen Volkspartei (EVP), sich für die Koexistenz gentechnikfreier Lebensmittel einzusetzen. Alle Unternehmen aus Lebensmittelherstellung und -handel in Deutschland sind eingeladen, den offenen Brief zu unterzeichnen.
In wenigen Wochen soll im Europaparlament final über den Gesetzesentwurf zur Deregulierung Neuer Gentechnik (NGT) abgestimmt werden. Aus Sicht von Landwirtschaft und Verbrauchern sei der aktuelle Vorschlag inakzeptabel, sagen vier bäuerliche Verbände. In einem offenen Brief fordern sie die Abgeordneten auf, den Gesetzestext grundlegend zu verbessern oder abzulehnen.