Start / News / Bio-Tops / Slow Food bedauert Einstampfen der Bauernregeln

Slow Food

Slow Food bedauert Einstampfen der Bauernregeln

Im Streit zwischen Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat die Ernährungsorganisation Slow Food Deutschland der Umweltministerin den Rücken gestärkt und sie aufgerufen, ihre ‚neuen Bauernregeln‘ doch noch zu plakatieren. Nach heftiger Kritik der Bauernlobby und massivem Druck auf das Ministerium hatte Hendricks von der geplanten Kampagne Abstand genommen. Slow Food Vorsitzende Ursula Hudson sagte, die von Hendricks lancierten Bauernregeln hätten „die Misere der Landwirtschaft in leicht zugänglicher Form für jedermann verständlich gemacht: humorvoll, komprimiert, pointiert und inhaltlich auf den Punkt." Nicht die Bauern seien hier aufs Korn genommen worden, sondern eine desaströse Landwirtschaftspolitik, die von der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt werde. Dass die Plakatierung jetzt unter dem Protestgeschrei des Landwirtschaftsministers gestoppt werde, sei eine „undemokratische Posse und ein Kniefall der Bundesregierung vor der Agrarlobby“, so Hudson. Über die Internet-Medien würden die Plakate aber auf jeden Fall weiterverbreitet, das könne keine noch so mächtige Interessenpolitik verhindern.

Die elf zur Plakatierung vorgesehenen neuen Bauernregeln sind in Reimform verfasst und illustriert: „Ohne Blumen auf der Wiese, geht's den Bienen richtig miese!“ Oder: „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein!“ Und: „Zuviel Dünger auf dem Feld, geht erst ins Wasser, dann ins Geld!“

Inhaltlich, so die Slow Food Vorsitzende, würden hier unbestreitbare Probleme der Landwirtschaft thematisiert, die auch wissenschaftlich ausreichend belegt seien. Der Aufschrei der Agrarlobby und die maßlose Kritik an der Umweltministerin belegten, dass die Plakate voll ins Schwarze getroffen hätten.

Hudson bezeichnete die an die Adresse der Ministerin gerichteten Rücktrittsforderungen als „schamloses politisches Getrumpel“. Offenbar sei die deutsche Agrarlobby nicht nur herzlos, sondern auch vollkommen humorlos; sie habe die Reime als Angriff auf die Bauern umgedeutet und bewusst missverstanden.

Der Streit zwischen den beiden Ministerien schwele seit vielen Jahren unproduktiv vor sich hin, sagt Tierarzt und Slow Food Vorstand Rupert Ebner. Immer wieder hätten das Bundesamt für Naturschutz und das Umweltbundesamt – beide Behörden unterstehen dem Umweltministerium – Maulkörbe verpasst bekommen. Kritik an der Landwirtschaftspolitik werde regelmäßig abgeblockt, deshalb sei es mutig und in der Sache vollkommen richtig, wenn Ministerin Hendricks das lange Sündenregister des Agrarmolochs endlich aus dem Dunkel der Kabinettsdisziplin herausgeholt habe.

An den Gift- und Gülleorgien, an einer zu weiten Teilen grausamen Tierhaltung, an Höfesterben, Artenschwund und Bienensterben habe sich viel zu wenig geändert. Im Gegenteil: Die biologische Vielfalt gehe von Jahr zu Jahr weiter zurück, die Ackerflächen der Intensivlandwirtschaft seien zunehmend totes Land. Und die überfällige Agrarwende komme seit Jahren keinen Millimeter voran.

Der ewige Streit zwischen den beiden Ministerien zeige aber auch, so Hudson, dass die alten Ressortzuschnitte reformbedürftig seien. Die Kompetenzen für eine neue Ernährungspolitik müssten dringend zusammengebracht werden – ressortübergreifend. Wir brauchen keine Agrarpolitik, die einseitig Interessen vertritt, sondern eine Ernährungspolitik, die das Ganze in den Blick nimmt und verantwortungsvoll gestaltet – eine gute Zukunft für uns alle.

[ Artikel drucken ]

Ticker

Das könnte Sie auch interessieren

Carlo Petrini ist gestorben

Slow Food trauert um seinen Gründer

Carlo Petrini ist gestorben © Marcello Marengo

Gestern ist der Slow Food-Gründer Carlo Petrini im italienischen Bra im Alter von 76 Jahren verstorben. Das hat Slow Food heute mitgeteilt. Als visionäre Führungspersönlichkeit und engagierter Intellektueller, der sich dem Gemeinwohl, zwischenmenschlichen Beziehungen und der Natur verbunden fühlte, hinterlasse Petrini ein bleibendes Vermächtnis.

22.05.2026mehr...
Stichwörter: Slow Food

Hof Sackern erhält Ursula-Hudson-Preis

Slow Food Deutschland ehrt vier gleichrangige Gewinner

Hof Sackern erhält Ursula-Hudson-Preis © Ingo Hilger

Im Rahmen der Slow Food Messe in Stuttgart hat Slow Food Deutschland am vergangenen Freitag den Ursula-Hudson-Preis vergeben. Dabei entschied das Kuratorium, dass alle vier Nominierten als gleichrangige Gewinner ausgezeichnet werden. Der Siegerpreis im Wert von rund 1.500 Euro ging damit an den Demeter-Betrieb Hof Sackern (Ruhrgebiet) sowie die Bliesgau Ölmühle (Saarland), den Verein zum Erhalt und zur Rekultivierung von Nutzpflanzen (VERN, Uckermark) und die Rabelades Farm (Brandenburg).

14.04.2026mehr...
Stichwörter: Slow Food

Bio-Dorf feiert Premiere auf der Slow Food Messe

Neuer Bereich für zertifizierte Bio-Qualität

Bio-Dorf feiert Premiere auf der Slow Food Messe © Thomas Wagner / Messe Stuttgart

Vom 9. bis 12. April findet die Slow Food Messe – der ‚Markt des guten Geschmacks‘ – in der Messe Stuttgart statt. Einen Schwerpunkt auf Bio-Produkte setzt dieses Jahr erstmals das Bio-Dorf als zentraler Anlaufpunkt für zertifizierte Bio-Qualität. Bio-Aussteller präsentieren dort ihre Angebote, es gibt eigene Workshops, Vorträge und Verkostungen.

24.03.2026mehr...
Stichwörter: Slow Food