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Geflügel

Qualität, die beflügelt

Marktführer Bodin kontrolliert die gesamte Produktionskette seines Bio-Geflügels

Das Familienunternehmen Bodin mit Sitz in Sainte-Hermine im Westen Frankreichs produziert seit 35 Jahren Bio-Geflügel. Um die beste Qualität seiner vier Marken zu garantieren, nimmt es die gesamte Produktionskette selbst in die Hand – angefangen beim Einkauf der Rohstoffe, über deren Verarbeitung zu Futtermitteln, dem Mästen der Hähnchen, Puten, Perlhühner und Enten bis hin zum eigenen Schlachthof. Der Umsatz des europäischen Marktführers, der seit 1997 zur Gastronome-Gruppe gehört, liegt bei 43 Millionen Euro.

Hinter der Stalltür eines Geflügelhofs im französischen Dorf Châteauneuf ertönt das Piepen von 4.800 Schwarzfederhähnchen. Gerade einmal acht Tage sind sie alt und auf die Fürsorge von Landwirt Jérôme Caille angewiesen. Er passt auf, dass sich keiner seiner Schützlinge in dem 480 Quadratmeter großen Gebäude verläuft und zu wenig Nahrung und Wasser zu sich nimmt.

„In drei Wochen sind sie groß genug, um über die zwei Hektar große Wiese zu laufen und sich zusätzlich von Kräutern und Gemüse zu ernähren, geschützt durch hohes Gras und aufgestapeltes Holz“, sagt er. Bio spielt für den Familienvater eine wichtige Rolle. Zum einen, weil er seine Kinder gesund ernähren möchte, zum anderen, weil er im ökologischen Anbau, den er zusätzlich mit Getreide betreibt, eine langfristige Marktentwicklung sieht. Caille ist einer von 102 Geflügel-Mästern, die für Bodin in einem Umkreis von 100 Kilometern um das Schlachthaus in Sainte-Hermine im Département Vendée arbeiten.

Bodin mäste neben Schwarzfederhähnchen als regionale Rasse auch Weiß- und Maishähnchen, erklärt der Generaldirektor Bertrand Thomas. Während männliche Schwarzfederhähnchen eine Lebensdauer von mindestens 91 Tagen hätten, bildeten weibliche Tiere nach mindestens 100 Tagen genügend ultramuskuläres Fett, das sich im Geschmack und in der höheren Qualität bemerkbar mache. Weiß- und Maishähnchen würden nach 81 Tagen geschlachtet.

Vier Eigenmarken

Jede Woche schlachtet Bodin rund 50.000 Hähnchen, 1.800 Puten, 1.600 Perlhühner und dieselbe Anzahl Enten. Damit hat das Unternehmen einen Anteil von 41 Prozent an der französischen Gesamtproduktion von Bio-Geflügel.

Mit seinen vier verschiedenen Marken bedient es jedes Verteilernetz. Bodins
älteste Marke ‚Le Picoreur‘ wurde 1984 speziell für Bioläden entwickelt. Sie umfasst ganze Hähnchen und Perlhühner, Geflügelteile, frische und TK-Convenience-Produkte sowie Wurstwaren. Das gleiche Sortiment wird unter der Marke ‚Nature de France‘ über den LEH vertrieben.

‚Bodin Professionnel‘ richtet sich mit ganzem Geflügel und Geflügelteilen an Metzgereien und Gaststättengewerbe. Gehobenen Restaurants und Feinkostgeschäften bietet das Unternehmen unter dem Premium-Label ‚Black C‘ ganze weibliche Schwarzfederhähnchen an.

15 Prozent des Umsatzes durch Export

In Frankreich vertreibt Bodin 41 Prozent seiner Produkte an den Fachhandel und 32 Prozent an den LEH. 15 Prozent des gesamten Umsatzes werden über den Export generiert. Dies geschieht hauptsächlich über die Schweiz, Belgien, Deutschland, Spanien, Dänemark und die Niederlande.

„Deutschland stellt mit einem Anteil von drei bis fünf Prozent den größten ausländischen Bio-Markt für Bodin dar“, sagt Jeanine Friese, die das Exportgeschäft in Deutschland aufgebaut und bis Oktober letzten Jahres verantwortet hat. Exportiert würden hauptsächlich Convenience-Produkte und Geflügel für vereinzelte Bio-Metzgereien.

„Die Marke ‚Le Picoreur‘ wird im deutschen Biohandel durch die Großhändler Weiling, Dennree und Terra vertrieben und findet sich in den Regalen von Denn’s und Basic“, sagt Frieses Nachfolger Samuel Alama, der seit zwei Jahren die Exportgeschäfte in Deutschland betreut.

Qualität steht vor Wachstum

Seit 1997 gehört Bodin als einzige Bio-Linie zum Geflügelproduzenten Gastronome. Thomas betont, dass die vier Grundlagen Gesundheit, Umwelt, Tierschutz und soziale Verantwortung sowohl für die 150 Mitarbeiter als auch für Vertragspartner in der Landwirtschaft oberste Priorität hätten.
Seit 2010 mästet der europäische Marktführer an vier weiteren Standorten im Westen und Osten Frankreichs Hähnchen. Geschlachtet und vertrieben würden sie lokal. Da die Zahl der Mäster in Vendée höher sei als die Nachfrage, würden die Produkte auch überregional vertrieben. Denkbar seien für ihn weitere Partnerschaften mit Produzenten in Europa, die ihr Geflügel vor Ort mästen und schlachten lassen.

Für 2016 rechnet Thomas mit einem Umsatz von 50 Millionen Euro. Dennoch stehe bei Bodin nachhaltige Qualität statt Wachstum im Vordergrund. „Um eine vertragliche Partnerschaft mit uns einzugehen, müssen sich die Mäster an die Vorgaben des unternehmenseigenen Bio-Pflichtenhefts halten“, sagt er. Darin werde zehn Tieren ein Quadratmeter Stallfläche zugesprochen. Die Wiese müsse jedem Tier vier Quadratmeter Platz bieten.

Verzicht auf Antibiotika

Mäster Gaec Bienvenue in Les Herbier dokumentiert täglich alle wichtigen Informationen, etwa zu Krankheiten, Sterbefällen, Futtermengen und der Temperatur in seinem Mastbetrieb. „In den ersten zwei Wochen brauchen die Hähnchen eine Lufttemperatur von 30 bis 32 Grad. Die Wärme dient der Gesundheitsvorsorge“, erklärt er.

Zurzeit mästet er 4.800 Schwarzfederhähnchen. Sie sind 50 Tage alt. Auf der Wiese neben dem Stall wachsen Kräuter wie Chicorée, die ebenfalls Krankheiten vorbeugen sollen. „Wenn die Hähnchen krank werden, bekommen sie ein Konzentrat aus Knoblauchpflanzen und Artischocken zu trinken. Wir halten uns an die Vorgaben von Bodin, kein Antibiotika einzusetzen“, sagt er.

Einige Kilometer weiter in Mauléon kümmert sich Landwirt Nicolas Devanne um die Aufzucht von je 2.000 Weiß-, Mais- und Schwarzfederhähnchen. Weißhähnchen seien in den ersten Lebenstagen robuster als Perlhühner, weiß er aus Erfahrung. Einmal im Monat lasse Bodin seine Ställe und die der anderen Geflügel-Mäster in Vendée von Agrartechnikern kontrollieren.

Futtermittelfabrik

Ihre Futtermittel erhalten die Mäster von der Fabrik Samab, die im nahegelegenen Ort Teille ausschließlich Bio-Rohstoffe verarbeitet. Sie gehört zur Kooperative Terrena, die im letzten Jahr einen Umsatz von fünf Milliarden Euro verzeichnete. Davon steuerte Samab mit ihrer Bio-Linie 120 Millionen Euro bei. Für dieses Jahr erwartet Einkäufer Franck Bodin ein Wachstum von acht Prozent in der Bio-Produktion.

Jedes Jahr stellt Samab 57.000 Tonnen Bio-Futtermittel her, von denen 40 Prozent an Bodin gehen. „Puten, Hähnchen, Perlhühner und Enten bekommen unterschiedliches Futter. Es besteht hauptsächlich aus Mais, Weizen, Getreide, Gerste, Hafer, Erbsen, Bohnen, Soja, Sonnenblumenkörnern, Sesam, Weizenkleie und Mineralien. Das Granulat gibt es als Mehl und als Pellets in verschiedenen Größen, zugeschnitten auf das jeweilige Alter der Tiere“, erklärt er.

Auf einem Bildschirm in der Steuerungszentrale können die Angestellten den Produktionsablauf in der Fabrik verfolgen. Zunächst werden zwei Tonnen verschiedene Rohstoffe aus den Zellen in eine Waage geleitet und dosiert. Anschließend werden sie zermahlen, vermischt und mit Mineralien versehen. Die Zugabe von Soja-Öl und das abschließende Erhitzen sollen Salmonellen und Bakterien vorbeugen.

70 Prozent der Rohstoffe beziehe Samab aus Frankreich, mindestens die Hälfte komme aus dem regionalen Umfeld, schildert Franck Bodin. Die Kooperative Terrena produziere für Samab rund 12.000 Tonnen Bio-Getreide pro Jahr. Auf lange Sicht solle der bisherige Anteil von 25 Prozent des Terrena-Getreides auf 80 Prozent ansteigen. Da es in Frankreich nicht ausreichend Bio-Soja für die Produktion von Tierfutter gibt, importiere das Unternehmen zusätzlich Ware aus Brasilien, Afrika und Indien.

Qualitätssicherung

Bevor Rohstoffe aus dem Ausland zu Samab geliefert würden, untersuche man sie vor Ort auf Pestizide, gentechnische Veränderungen, Salmonellen, Dioxid, Schwermetalle und chemische Nährwerte, sagt Franck Bodin. Zusätzlich prüfe Samab die Rohstoffe neuer Lieferanten in Teille. 2013 seien 350.000 Euro für Untersuchungen ausgegeben worden. „Das sind zehn Mal so viele wie im konventionellen Bereich“, sagt er. Die Rohstoffproben würden sechs Monate lang archiviert und könnten beidseitig zurückverfolgt werden.
Gemeinsam mit Generaldirektor Thomas halte Franck Bodin durch Besuche vor Ort den persönlichen Kontakt zu ausländischen Produzenten, um eine langfristige Partnerschaft zu pflegen.

Futter macht 70 Prozent der Produktionskosten aus

Das Futter habe einen Einfluss auf 70 Prozent der Produktionskosten, erklärt der Neffe des Gründers Jean-Philippe Tranchet in seiner Funktion als Agrartechniker. „Ein Schwarzfederhähnchen frisst in einem Alter von 91 Tagen drei Kilo Futter, um ein Kilo Fleisch anzusetzen. Ein 56 Tage altes Hähnchen muss dazu zwei Kilo Futter zu sich nehmen. Vor dem Schlachten bringt es fünf Kilo auf die Waage.“ Da die Hähnchen bei Bodin eine viel längere Lebenszeit hätten und daher mehr Futter benötigten, steige auch der Preis.

„Unsere Küken kommen aus drei konventionellen Legehennen-Brütereien“, sagt er. Das Mästen von Bio-Küken rentiere sich erst, wenn Bodin mindestens 40.000 Schlachtungen pro Woche von einer Rasse durchführe.

Schlachthof in St. Hermine

Direkt neben der Zentrale in St. Hermine befindet sich der unternehmenseigene Schlachthof. 90 Mitarbeiter sind für das Schlachten, Zerlegen und Verpacken des Bio-Geflügels zuständig. „Wir schlachten jeden Morgen um fünf Uhr, damit die Ware mittags ausgeliefert werden kann“, erklärt Produktionsleiter Remy Guimier. Unter den wöchentlich geschlachteten 50.000 Hähnchen befänden sich in der Regel 30.000 Weißhähnchen, 12.000 Schwarzfederhähnchen und 8.000 Maishähnchen.

Am Fließband zerlegen ein Dutzend Mitarbeiter 80 Prozent des Geflügels: Einer entfernt die Beine, ein anderer die Keulen, der nächste die Flügel. Nach einer halben Stunde wechseln sie ihre Positionen. Während nebenan Putenkeulen mit der Hand entbeint werden, übernimmt eine Maschine das Entbeinen der zarteren Hähnchenkeulen.

Es gibt drei verschiedene Verpackungsarten: Lose Produkte seien für Metzgereien, Filmverpackungen für den LEH und Vakuum-Verpackungen für Bioläden und Großverbraucher vorgesehen. Das Besondere bei Bodin sei, dass auch kleine Kunden bedient würden. Sie bekämen individuell gepackte Kartons.

Bodin bleibt Ziel seines Gründers treu

Exportleiter Yves Bodin wuchs als Sohn des Gründers Jean Bodin mit dem Bio-Gedanken auf. Das Bewusstsein für Bio habe in den letzten zehn Jahren zugenommen, sagt er. Er würde sich freuen, wenn eines Tages alle Menschen mit Bio-Produkten versorgt werden könnten, jedoch liege das Ziel in weiter Ferne. Sicher sei, dass das Unternehmen auch in Zukunft dem Ziel seines Gründers mit der nachhaltigen Produktion qualitativ hochwertiger Bio-Produkte treu bleibe.
Sina Hindersmann

Geschichte von Bodin

1979: Landwirt Jean Bodin beginnt mit der Aufzucht und dem lokalen Verkauf der ersten Bio-Hähnchen in Frankreich
1984: Entwicklung und Vermarktung der Marke ‚Le Picoreur‘ in Europa
1992: Jean Bodin entwickelt mit seinem Neffen Jean-Philippe Tranchet das erste Bio-Pflichtenheft für Mäster
1997: Die Gruppe Gastronome übernimmt Bodin
2000: Der eigene Schlachthof in St. Hermine produziert zu 100 Prozent Bio-Geflügel
2010: Neue Partnerschaften für Bio-Geflügel entstehen mit anderen Regionen Frankreichs, die ersten Convenience-Produkte werden eingeführt

Mehr Infos unter:
http://www.bodinbio.fr/willkommen
 


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