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Für mehr Bio made in Germany

Sonnleitner auf der BioFach in Nürnberg

(DBV, 19.02.07) "Die hohe Nachfrage nach Lebensmitteln aus biologischem Anbau kann mittelfristig zu großen Teilen aus heimischer Erzeugung bereitgestellt werden. Dazu notwendig ist ein konzertiertes Vorgehen aller Marktbeteiligten." Dies erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, auf einer Pressekonferenz am 16.2.2007 anlässlich der BioFach in Nürnberg. Sonnleitner hatte zuvor eingehende Gespräche mit deutschen Ausstellern dieser Weltmesse für Bioprodukte geführt und die Maßnahmen zur Stärkung der heimischen Ökobauern im boomenden Ökomarkt mit dem DBV-Fachausschuss unter Leitung von Dr. Heinrich Graf von Bassewitz erörtert.

Allein die Tatsache, dass die Discounter ihr Angebot an billigerer Biomilch vergrößern wollten, könne nicht zum Maßstab für die deutschen Biobauern werden. Eine Umstellung auf ökologischen Landbau für die Betriebe müsse sich auch wirtschaftlich rechnen. Verlässliche politische Rahmenbedingungen, Absatzsicherheit und kostendeckende Erzeugerpreise seien für eine stabile Weiterentwicklung des Ökolandbaus in Deutschland notwendig. Sonnleitner verwies auf eine vom DBV in Auftrag gegebene Umfrage unter Landwirten. Danach bestände ein Potential, die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe in den kommenden zwei bis drei Jahren zu verdoppeln. Die Umfrage zeige jedoch auch, dass es praktisch keine konventionell wirtschaftenden Betriebe gebe, die sich heute bereits fest zur Umstellung auf ökologischen Landbau entschlossen hätten. Vielmehr sei die Umstellung eine von mehreren Optionen zur eigenen betrieblichen Weiterentwicklung.

Sonnleiter empfahl den interessierten Betrieben, sich jetzt über Fördermöglichkeiten zu erkundigen und Absatzmöglichkeiten auszuloten. Hierzu gehöre auch, den Kontakt zu möglichen Abnehmern aufzunehmen, die den Landwirten inzwischen auch längerfristige Abnahmeverträge anböten. Verarbeiter und Handel müssten sich zudem - wie im konventionellen Bereich - auf langfristig steigende Rohstoffkosten einstellen. Insbesondere bei Biomilch und Biofleisch seien höhere Erzeugerpreise unabdingbar, um marktbedingte Impulse für eine verstärkte Umstellung auf Bio zu erreichen.

Neben den unternehmerischen Marktentscheidungen müssten auch Bund und Länder ihrer Verantwortung gerecht werden. Die Bundesländer sollten so rasch wie möglich ihre Vorstellungen der neuen Agrarumweltprogramme bekanntgeben, in deren Rahmen der ökologische Landbau gefördert werde. Ein solches Signal für den Biomarkt sei notwendig, auch wenn die Programme noch nicht abschließend von Brüssel genehmigt seien. Antragsschluss für das laufende Jahr sei in den meisten Ländern der 30. Juni und die Landwirte benötigten ausreichend Zeit zur Entscheidungsfindung sowie zur betriebsindividuellen Planung und Kalkulation. Für das kommende Jahr forderte Sonnleitner die Bundesländer auf, von der Möglichkeit einer erhöhten Förderung in den ersten beiden Umstellungsjahren Gebrauch zu machen. Die Biobetriebe bräuchten diese zusätzliche Liquidität in der finanziell schwierigen Umstellungsphase. Auch in der Forschung für den ökologischen Landbau müsse der Staat in der Verantwortung bleiben und dürfe sich nicht - wie mit der Schließung des FAL-Institutes für Ökologischen Landbau im schleswig-holsteinischen Trenthorst vorgesehen - daraus zurückziehen, kritisierte Sonnleitner.

Der Vorsitzende des DBV-Fachausschusses Ökologischer Landbau, Dr. Heinrich Graf von Bassewitz, ging auf die Neufassung der EU-Öko-Verordnung ein. Da die EU-Agrarminister im Dezember 2006 den gesamten Bereich der Außer-Haus-Verpflegung aus dem Verordnungstext genommen hatten, sollte eine entsprechende nationale Regelung auf den Weg gebracht werden, zumal sich dieser Bereich in Deutschland sehr dynamisch entwickelt habe und die CMA diesen Bereich erfolgreich vorangebracht habe.

Von Bassewitz kritisierte das in der EU-Öko-Verordnung festgelegte europäische Biosiegel, das ab 2009 verpflichtend verwendet werden muss. Das Logo sei optisch unattraktiv, leicht mit anderen europäischen Gütesiegeln zu verwechseln und für eine künftige EU-weit erfolgreiche Vermarktung von Bioprodukten völlig ungeeignet, so von Bassewitz. Zudem werde langfristig Sinn und Daseinsberechtigung des inzwischen erfolgreich etablierten deutschen Biosiegels in Frage gestellt. Die EU-Kommission sollte sich mit der Neugestaltung des europäischen Logos grafisch an dem bestehenden deutschen Siegel orientieren, da Deutschland der mit Abstand größte Markt für Bioprodukte innerhalb der EU sei. Dies werde bei den Verbrauchern Kontinuität und Vertrauen sichern. Als Chance wertete von Bassewitz die ab 2009 vorgesehene Herkunftskennzeichnung für Bioprodukte. Allerdings dürften die Bioerzeugnisse nicht als anonyme EU-Produkte gekennzeichnet werden, sondern müssten eindeutig nach dem jeweiligen Land, aus dem die landwirtschaftlichen Ausgangsstoffe stammten, gekennzeichnet sein.

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