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Brauchen wir Labornahrung, um die Welt zu ernähren?

Biofach-Kongress-Panel am Mittwoch, 11. Februar, 14 Uhr
NCC Ost, Ebene 2, Raum Oslo

Hunger ist kein Knappheitsproblem – er ist ein Verteilungsproblem. Während Menschen in ärmeren Ländern nicht genug zu essen haben, quillen unsere Supermärkte an Produkten über. Laut Daten der Vereinten Nationen wird ungefähr ein Drittel aller Lebensmittel weltweit weggeworfen oder geht im Laufe der Produktionskette verloren.

Solange wir nicht fähig sind, der Lebensmittelverschwendung Einhalt zu gebieten und den nicht verwendeten Anteil wieder in das Ernährungssystem zu integrieren, ist es unsinnig, über neue Produktionsarten nachzudenken, die nur noch mehr Energie verbrauchen, zusätzlich zu der Energie, die für das verlorene Drittel bereits aufgewandt wurde. Leisten können sich von Hunger bedrohte Menschen diese ohnehin nicht.

Ein weiterer wichtiger Aspekt dabei ist die weltweite Spekulation auf Nahrungsmittel. Laut Oxfam sind maßlose Börsenwetten auf Agrarrohstoffe – oft Grundnahrungsmittel, wie etwa Mais und Weizen – für die starken Preissprünge der letzten Jahre mitverantwortlich und tragen so zu globalen Nahrungsmittelkrisen bei. Zudem konnten die Agrargiganten dieser Welt mit ihrer Monopolstellung ihre Profite in den letzten Jahren auf ein noch nie dagewesenes Niveau steigern. Laut einer unabhängigen Studie der niederländischen NGO SOMO haben sich deren Gewinne in den letzten drei Jahren verdreifacht, während der Hunger in der Welt weiter gewachsen ist.

Dazu kommt, dass auf den globalen Ackerflächen ein großer Teil dazu benutzt wird, um Biotreibstoffe oder Tierfutter anzubauen, anstatt Menschen zu ernähren. Wenn Pestizide, Monokultur und nicht-nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken zu Bodenverarmung und Nährstoffmangel führen und wenn Kleinbauern weiterhin verdrängt werden, die bis jetzt immer noch 70 Prozent unserer Lebensmittel produzieren – selbst wenn die FAO sie gerne kleinrechnen würde –, so wird es schwierig, ein Null-Hunger-Ziel zu erreichen. Und wenn Labornahrung in Zukunft diese Kleinbauern ersetzen soll, dann wird das ziemlich energieintensiv.

Evelyn Rottengatter

 

Diskutieren Sie auf der BIOFACH mit:

am Mittwoch, 11. Februar, 14-15 Uhr
NCC Ost, Ebene 2, Raum Oslo
Ist Tierhaltung schlecht oder wird einem vom Fake-Fleisch schlecht?

mit:

  • Franz-Theo Gottwald, Experte für Nachhaltigkeit, Ethik und Transformation
  • Claudia Vaderna, Geschäftsführerin Schweizer Allianz Gentechfrei SAG
  • Erich Margrander, Bio-Experte und bioPress-Verleger

Moderation: Bernward Geier, Journalist und Filmemacher, Colabora

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