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AboKiste

Flotte Bio-Kisten

Lieferpionier AboKiste erreicht seit über 25 Jahren Haushalte in und um Dortmund

Flotte Bio-Kisten © bioPress, EM

Ob Obst, Gemüse, Backwaren oder Mopro – viele Haushalte beziehen ihre Lebensmittel bequem über einen Lieferservice auf vier Rädern. Marc Schmitt-Weigand ist seit drei Jahren Betriebsleiter bei der AboKiste in Dortmund. Der Lieferservice für ökologische Lebensmittel gehört mit einem Hofladen und Ständen auf vier Wochenmärkten zur Werkhof Service Gesellschaft. Die nahegelegene Demeter-Gärtnerei der gemeinnützigen Tochter Werkhof Projekt versorgt sie ganzjährig mit Frischware.

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Der Arbeitstag für die Kistenpacker beginnt morgens um sechs. Dann setzt sich das Rollband in der 400 Quadratmeter großen Packhalle in Bewegung und transportiert die AboKisten vorbei an drei Kommissionierern, die sie mit Obst und Gemüse befüllen. Nach dem Einscannen der Kisten liefert ihnen die Packsoftware Informationen über das bestellte Sortiment und die richtige Menge. Dann werden sie zu den blauen Kisten mit der Trockenware gestellt und stehen zur Auslieferung bereit.

„Einen großen Teil unseres Gemüses beziehen wir von der Werkhof-Gärtnerei“, erklärt Schmitt-Weigand. Um den 1.200 Aufträgen, die jede Woche bearbeitet werden müssen, gerecht zu werden, liefern weitere, größtenteils regionale Gärtnereien, Bäckereien und Landwirte ihre Erzeugnisse an die AboKiste. Das restliche Naturkostsortiment wird über den Großhändler Weiling in Coesfeld abgedeckt. „Er ist zuverlässig und bietet eine hohe Qualität, vor allem bei den Frischeprodukten. Zudem ist beim Obst und Gemüse immer der Erzeuger erkennbar. Darauf legen wir viel Wert“, so der gelernte Bio-Landwirt.

Auch im eigenen Betrieb, der bei seiner Gründung vor 25 Jahren zu den Pionieren im Bio-Lieferservice gehörte, wird Transparenz großgeschrieben. Auf der Homepage finden Interessenten alle Informationen zu den Erzeugern und Produkten. Die Tatsache, dass die AboKiste im Winter bis zu 80 Prozent qualitativ hochwertige Importware aus Spanien, Frankreich und Italien bezieht, wird offen kommuniziert. „Ehrlichkeit gegenüber unseren Kunden ist uns sehr wichtig.“ Die Kundenstruktur bestehe zu 85 Prozent aus Privathaushalten, 15 Prozent machten Schulen, Kitas und Firmen aus.

Online-Shop

Die meisten der 1.500 aktiven Kunden bestellen im Online-Shop, wo sie aus 1.700 Artikeln wählen können. Um den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, bietet die AboKiste neben der Möglichkeit, sich sein eigenes Sortiment zusammenzustellen, auch vorgepackte Mutter und Kind-, Regional-, Rohkost- oder Single-Kisten an.

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Bei Bedarf kann der Inhalt auch hier individuell angepasst werden. „Wir planen immer eine Woche im Voraus, welche Produkte wir unseren Kunden anbieten können und informieren sie per E-Mail. 70 Prozent stellen sich aus unseren Vorschlägen ihre eigene Kiste zusammen, 30 Prozent nehmen das, was kommt“, sagt Schmitt-Weigand.

Im Online-Shop kann der Kunde den Preis seiner Bestellung direkt einsehen. „Bestellt er ein Kilo Möhren und erhält 970 Gramm, bezahlt er natürlich auch nur das tatsächliche Gewicht“, fügt er hinzu. Bei der Preisgestaltung orientiere sich der Lieferservice am Markt. Der durchschnittliche Bestellwert liege bei 33 Euro inklusive 3,70 Euro Liefergebühren.

Im Gegensatz zum Wochenmarkt, der jede Woche eine gewisse Vielfalt bieten müsse, erfordere der Lieferservice eine andere Logistik. Denn die wöchentlich geplanten Produkte für die Kisten werden in größeren Mengen benötigt.

Während rote Paprika, Äpfel, Tomaten und Brokkoli immer gefragt seien, würden weniger nachgefragte Produkte wie Rotkohl nur drei Mal im Jahr eingeplant. Der Vorteil, den Bedarf weit im Voraus planen zu können, komme auch den Gärtnereien zugute, die ihren Anbau genau auf die Bedürfnisse der AboKiste ausrichten können und dadurch ihren Absatz sichern.

„Und wir können durch das Bestellen von größeren Mengen bezahlbare, frische Ware anbieten. Was Kunden auch an der AboKiste schätzen ist, dass sie in den Kisten Produkte bekommen können, die sie normalerweise im Supermarkt nie kaufen würden. Unsere Rezeptvorschläge tragen dazu bei, auch mal etwas Neues auszuprobieren.“

Demeter-Gärtnerei

Die fünf Hektar große Werkhof-Gärtnerei gibt es bereits seit 30 Jahren und wird von Rita Breker-Kremer geleitet. Neben dem Anbau von Obst und Gemüse in Demeter-Qualität für die AboKiste betreut die Gärtnerin und Sozialpädagogin dort auch Schulverweigerer in einer Schulersatzmaßnahme.

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Zudem ermöglicht sie Jugendlichen, in Kooperation mit einer Dortmunder Berufsschule, ihren Schulabschluss nachzuholen. „Die Erfolgsquote liegt bei 70 Prozent“, sagt sie. Auch Saisonkräfte packen mit an. Sie helfen etwa bei der Erhaltungszucht von 100 historischen Tomaten- und 30 verschiedenen Chilisorten und der Anzucht der Jungpflanzen.

Neben der Gärtnerei befindet sich der Natura Hofladen, der an zwei Tagen in der Woche geöffnet hat. „Der direkte Kundenkontakt ist uns sehr wichtig. Deshalb freuen wir uns, im Hofladen und auf den Wochenmärkten ins Gespräch mit den Leuten zu kommen und Anregungen aufzunehmen“, sagt Schmitt-Weigand. Mit den beiden Vertriebswegen macht er einen Umsatz von 400.000 Euro. Die AboKiste fährt 1,6 Millionen Euro ein.
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Hin und wieder beliefert Schmitt-Weigand seine Kunden auch selbst, um den einen oder anderen persönlich zu begrüßen. Die AboKisten werden mit fünf eigenen Fahrzeugen in einem Umkreis von 20 Kilometern um Dortmund verteilt. Zwischen drei und fünf Touren werden täglich zurückgelegt. „Unser System ist ökologisch sinnvoll. Pro Kunde fahren wir 2,3 Kilometer. Würden sie für ihren Einkauf selbst fahren, würden deutlich mehr Kilometer zusammenkommen.“

Kundenwünsche

Die Menschen seien es gewohnt, von verschiedenen Paketzustellern mehrmals täglich beliefert zu werden. Einige erwarteten diesen Service auch von der AboKiste. Zu vermitteln, dass Tag und Zeitpunkt der Auslieferung von den jeweiligen Touren abhängig gemacht werden, sei eine Herausforderung.

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„Wir nehmen die Erwartungshaltung aber ernst und machen uns Gedanken über neue Modelle, die ökologisch vertretbar sind.“ Packstationen, wie sie in London oder der Schweiz üblich sind, seien vorstellbar, müssten aber gekühlt werden – zum Nachteil für die Umwelt und den Geldbeutel.

„Künftig werden wir innerstädtische Bereiche zweimal pro Woche beliefern. Die Kundendichte ist dort groß genug, dass es sich lohnt“, sagt Schmitt-Weigand. Denkbar sei auch, dass man nachmittags eine Extra-Tour in gewisse Liefergebiete für Spontanbesteller anbietet. Das sei ein guter Kompromiss.

Im Bio-Lieferservice sieht Schmitt-Weigand noch viel Potenzial, da er den Bestell-Gewohnheiten der jüngeren Generationen entspricht. „Dazu bringen wir eine echte regionale Verwurzelung mit, eigenen Anbau und ökologische Werte. Diese Erfolgsbasis kann uns kein Startup und kein Amazon nehmen.“

Sina Hindersmann



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