Start / Ausgaben / bioPress 85 - Oktober 2015 / Antrieb für die Bio-Vermarktung am Niederrhein

Vienhus

Antrieb für die Bio-Vermarktung am Niederrhein

Harald Vienhues besitzt drei Biomärkte und ist Mitgründer eines regionalen Verbands

Seinen ersten Hofladen eröffnete Harald Vienhues 1998 neben seinem Elternhaus im idyllischen Willich am Niederrhein. 2007 folgte ein Bio-Fachmarkt im 15 Kilometer entfernten Kempen und 2013 ein Bio-Supermarkt in der Kreisstadt Viersen. Ihr Gesamtumsatz beläuft sich auf über vier Millionen Euro. Gemeinsam mit anderen Bio-Erzeugern gründete er vor drei Jahren den Verband Bio-Region-Niederrhein, um die Vermarktung regionaler Bio-Produkte voranzutreiben.

Seine Vita liest sich, als hätte er einen strikten Plan verfolgt. Dabei habe Vienhues nie die Absicht gehabt, einen Bioladen zu eröffnen. Erst als der studierte Lehrer immer unzufriedener mit dem Angebot konventioneller Supermärkte wurde, sei ihm Mitte der 90er die Idee gekommen, den Schuppen im Garten seiner Eltern zu einem Hofladen umzubauen.

„Durch die kleine Gärtnerei meiner Eltern wusste ich um den besseren Geschmack von Bio-Produkten“, sagt der 54-Jährige. Dort fing er in seiner Studentenzeit mit dem eigenen Anbau von Obst und Gemüse an, das er mit reißendem Absatz in seiner Krefelder WG verkaufte. In dieser Zeit wurde er auch Mitglied bei Bioland, um mehr über Bio-Anbau zu erfahren. Seit vielen Jahren ist er stellvertretender Sprecher der Bioland-Gruppe Niederrhein.

Verkaufte er im Hofladen anfangs noch an wenigen Tagen in der Woche selbst angebautes Obst- und Gemüse, stieg die Nachfrage mit dem Aufkommen von BSE rapide. 2003 entschied er sich zu vergrößern und den Laden professionell zu betreiben.

Neben dem Willicher Laden und der angrenzenden Gärtnerei befindet sich ein Stall mit 250 Hühnern, deren Eier vor Ort für je 40 Cent verkauft werden. Der Schwerpunkt der 3.000 Artikel, die sich auf einer Verkaufsfläche von 120 Quadratmetern verteilen, liegt auf frischen Produkten wie Salaten, Gurken, Zucchini, Tomaten, Schwarzkohl oder Fenchel aus eigenem und regionalem Anbau. Auch die Waren für die Brottheke liefern zwei regionale Bäcker und der Steinofenbäcker aus Ibbenbüren, der überwiegend NRW-Getreide verarbeitet.

Neben Lebensmitteln verschiedener Hersteller wie Allos, Spielberger Mühle, Naturata, Zwergenwiese und Byodo werden zudem Kosmetikprodukte von Dr. Hauschka und Reinigungsmittel von AlmaWin und Sodasan angeboten. Im Durchschnitt kaufen die Kunden für 32 Euro ein. Der Jahresumsatz liegt bei 950.000 Euro.

Der Hofladen lebt von der Gärtnerei

„Ökologie bedeutet für mich nicht nur ungespritztes Gemüse. Spaß und eine gute Qualität stehen für mich ebenso im Vordergrund“, sagt der Inhaber und klopft auf den großen Holztisch im Aufenthaltsraum. Seit Juni ist der Hofladen Rapunzel-Partnerladen. Mit Dennree arbeitet Vienhues bereits seit 17 Jahren zusammen. „Der Großhändler ist ein super Logistiker, weil er auch sehr pragmatisch ist.

Von Anfang an arbeite ich außerdem mit dem Naturkostgroßhandel Peter van Leendert zusammen, der Obst, Gemüse und Eier aus der Region Rhein-Maas/Niederrhein bezieht und auch nur in diese ausliefert. Hinzu kommen noch ein Kartoffel- und ein Kräuterlieferant.“ Die Kosmetikartikel bezieht er von Weiling.

Fünf Autominuten vom Hofladen entfernt befindet sich seine zweite Gärtnerei, die mit einem Hektar doppelt so groß ist wie die neben seinem Haus. Unter Schlauchfolie wachsen dort verschiedene Sorten Tomaten, im Freien gedeihen unter anderem Salate, Gurken, Kohlrabi, Weißkohl und Rhabarber. Neun Mitarbeiter hegen und pflegen das Gemüse.

Dass sich die Erfahrungen mit einem Hofladen nur bedingt auf einen Stadtladen, der auch noch denkmalgeschützt ist, übertragen lassen, wurde Vienhues kurz nach der Anmietung des heutigen Bio-Fachmarkts in Kempen klar: „Wir haben viel Lehrgeld bezahlt. Die übernommene Kälte- und Computertechnik funktionierte nur bedingt und wir hatten einige Schwachstellen beim Personal. Durch die Finanzkrise hatte auch der Hofladen ein schwaches Wirtschaftsjahr. Es hat etwas gedauert, bis sich alles eingespielt hat“, sagt Vienhues und schmunzelt: „In Zukunft würde ich immer vor dem Kauf von gebrauchter Technik einen Sachverständigen heranziehen.“

Das Haus aus der Gründerzeit hat eine Verkaufsfläche von 300 Quadratmetern. Es befindet sich in der Fußgängerzone und bietet viele öffentliche Parkplätze. Vor allem ältere Kunden kaufen regelmäßig dort ein, durchschnittlich für 20 Euro. Pro Jahr macht der Laden mit 4.000 Artikeln einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro. Der Anteil an Frischeprodukten beträgt 65 Prozent. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Kosmetikartikeln, da es keine Mitbewerber im Einzugsgebiet gibt.

Mit Zweigstellen das Angebot verdichten

Gemeinsam mit Dennree-Filialleiter Peter Sommer machte sich Vienhues auf die Suche nach einem dritten Standort in Viersen. „2012 kam dann die Anfrage eines Wirtschaftsförderers der Kreisstadt. Ihn und den Investor kannte ich bereits als Kunden meines Hofladens“, sagt Vienhues. Orientiert hat man sich beim Bau des Supermarkts an dem Konzept von denn’s Biomarkt, einige Stellschrauben wurden aber verändert, wie die breite Fensterfront oder die offene Decke, die von Holzträgern gehalten wird. Im hellen Eingangsbereich befinden sich die Brot- und Käsetheke und eine Sitzecke.

„Der Standort ist ideal: direkt an der Hauptstraße und nicht weit entfernt von der Fußgängerzone“, so Vienhues. 400 Quadratmeter bieten Platz für breite Gänge und 4.300 Artikel. Durchschnittlich kaufen die Kunden für 24 Euro ein. Mit 1,7 Millionen Euro machte er dort im letzten Jahr den größten Umsatz.
Vienhues lässt seine Marktleiter in Viersen und Kempen selbst über ihr Sortiment und ihre Lieferanten entscheiden. Sie arbeiten mit Dennree als Verbundpartner. „Es gibt keine Vorgaben. Jeder Laden kalkuliert selbst“, sagt er. Insgesamt beschäftigt er 52 Mitarbeiter in seinen drei Betrieben.

„Die Region Niederrhein hat eine Fläche von über 2.500 Quadratkilometern und nur 65 Bio-Landwirte – das sind viel zu wenig“, so Vienhues. Um den Bio-Anbau anzuschieben und die Vermarktung regionaler Produkte zu stärken, gründete er vor drei Jahren mit anderen Erzeugern den Verband Bio-Region-Niederrhein. Das Netzwerk besteht zurzeit aus 35 Bio-Anbauern, von denen 15 auch Vermarkter sind.

„Für unsere Mitglieder haben wir ein eigenes Logo und Schilder entworfen, mit denen sie ihre regionale Ware kenntlich machen können. So sieht der Kunde direkt, woher die Produkte kommen.“ Um in das Netzwerk aufgenommen zu werden, muss man Demeter, Bioland oder Naturland angehören. Die Mitgliedskosten übernehmen die Vermarkter, die Anbauer sind zu nichts verpflichtet.

Austausch

Ein weiterer Vorteil sei der bessere Austausch unter den Betrieben. „Unsere Mitglieder und ihre Angestellten werden mit Newslettern auf den neuesten Stand gebracht und über Veranstaltungen wie Hoffeste, Besichtigungen und Märkte informiert“, sagt Vienhues, dem das Organisieren besonders viel Spaß bereitet. Schon für den 50. Geburtstag der Grünen-Politikerin Bärbel Höhn sei er für die Beschaffung regionaler Produkte aus Nordrhein-Westfalen beauftragt worden. „Das war gar nicht so einfach. Das Produktnetz ist einfach sehr dünn bei uns.“ Der Niederrheiner steht auch als Ansprechpartner für potenzielle Bio-Produzenten und -Händler zur Verfügung.

Und wo sieht sich Vienhues in der Zukunft? „Ich habe  eigentlich nicht vor, mich zu erweitern oder gar in die Städte zu gehen. Der Konkurrenzdruck ist mir dort viel zu groß. Außerdem bevorzuge ich das Land.“ Doch wer weiß, was in zehn Jahren ist.

Sina Hindersmann
 


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