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EU-Ökoverordnung

Bayern sagt Nein zu den EU-Plänen

Entwurf der Kommission würde Bio-Anbau in Europa ausbremsen

Die bayerischen Bio-Bauern sind wegen der Pläne der EU-Kommission in Brüssel zutiefst entrüstet und massiv verärgert. Denn was Tausende von Bio-Bauern und engagierte Verarbeiter und Händler in den letzten 25 Jahren im Dialog mit den Verbrauchern aufgebaut und gesetzlich abgesichert haben, soll bald nicht mehr gelten.

Die EU-Kommission will den Bio-Landbau in Europa komplett umkrempeln  und schafft ihn dabei faktisch ab. In der Konsequenz heißt das weniger Bio-Produkte für die Verbraucher und weniger Umwelt-, Klima- und Artenschutz. Zur Industrialisierung der Landwirtschaft mit all ihren negativen Auswirkungen für Mensch und Umwelt würde es keine zukunftsfähige Alternative mehr geben.

Die bayerischen Bio-Bauern und Bio-Verarbeiter wehren sich gegen die Pläne der EU-Kommission. Gegen den Willen der gesamten Bio-Branche will die EU-Kommission eine Totalrevision der EU-Öko-Verordnung durchsetzen. Diese Verordnung regelt, was Bio-Lebensmittel sind und wie sie produziert, kontrolliert und zertifiziert werden müssen und gilt als unmittelbares Recht in allen EU-Staaten.

Die EU-Kommission erklärt bei ihrem radikalen Vorgehen, sie agiere im Sinne des Verbraucherschutzes. Doch faktisch arbeitet sie an der Abschaffung des Bio-Landbaus, wie er in den letzten 25 Jahren in Europa entwickelt und gesetzlich verankert wurde. Die Totalrevision der EU-Kommission bedroht die Weiterentwicklung des Bio-Landbaus massiv.

„Wenn die geplante Totalrevision der EU-Öko-Verordnung wirklich so in Kraft tritt, führt das zu dramatischen Einschränkungen der ökologischen Wirtschaftsgrundlage und zu einem massiven Rückgang des Bio-Landbaus und der Bio-Lebensmittelwirtschaft in Bayern, Deutschland und Europa“, befürchtet Josef Wetzstein.

Ohne Weiterentwicklung des Bio-Landbaus würde die Industrialisierung der Land- und Lebensmittelwirtschaft in Europa voranschreiten und artgerechte Tierhaltung und umwelt-, klima- und ressourcenschonende Landbewirtschaftungsmethoden weiter in den Hintergrund gedrängt werden. Das kann nicht im Interesse der Gesellschaft sein, die mehrheitlich eine Ökologisierung der Landwirtschaft fordert“, erklärte Josef Wetzstein.

Totalrevision der EU-Kommission konterkariert steigende Verbrauchernachfrage nach Bio-Produkten „Die Pläne der EU-Kommission stehen im Widerspruch zur steigenden Verbrauchernachfrage nach Bio-Produkten. „Statt das hohe Vertrauen der Verbraucher zu sichern und den Bio-Markt weiterzuentwickeln, will die EU-Kommission den Bio-Landbau wieder in die Nische zurückdrängen und klein halten“, wirft Wetzstein der EU vor.

In Deutschland beträgt der Marktanteil von Bio-Produkten derzeit sechs Prozent. Die Zuwachsraten liegen bei zehn Prozent. Kein anderes Lebensmittelsegment wächst so erfolgreich wie der Bio-Sektor und wird derart intensiv kontrolliert. Bereits jetzt hinkt das Angebot an heimischer Bio-Ware der stetig wachsenden Nachfrage nach Bio-Produkten deutlich hinterher. „Wenn wir die wachsende Nachfrage nach möglichst regional erzeugten Bio-Lebensmitteln decken wollen, brauchen wir Rückenwind statt Gegenwind aus Brüssel“, sagt Wetzstein.

Die bayerischen Bio-Bauern lehnen das Vorgehen der EU-Kommission und den Vorschlag für die geplante Totalrevision entschieden ab. „Der Vorschlag der EU-Kommission muss vom Tisch!“, fordert die LVÖ Bayern. Das Bayerische Landwirtschaftsministerium mit Staatsminister Helmut Brunner unterstützt die Bio-Branche.

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