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Verveine als Ganzblatt

Gourveine setzt auf Qualität statt auf Masse

Gabriele Stoll hat sich seit 2006 der Verveine, zu deutsch Zitronenverbene, verschrieben. Die Pflanze mit Ursprung in Südamerika steht seither im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Sie hat Bo-Verveine importiert und Großhandel betrieben. Inzwischen baut sie selbst Verveine an und trocknet die Blätter. In Hohberg bei Offenburg mitten im Mais-Anbaugebiet der Ortenau in Südbaden liegt ihre zwei Hektar Bio-Oase, die sie nach Demeter-Richtlinien bearbeitet.

2013 war kein Glücksjahr für die Verveine. Ein nass-kaltes Frühjahr sorgte für spätes Setzen der Stecklingen. „Normalerweise wird das Feld im Mai bestellt, dieses Jahr war es Juli“, erläutert die promovierte Agrar-Wissenschaftlerin Gabriele Stoll.

Eine Gärtnerei zieht die Setzlinge und Gabriele Stoll steckt sie mit ihren Helfern in den Boden. Verveine ist eine mehrjährige Pflanze. In Deutschland pflanzt Stoll jährlich neu. Die Ernte begann reichlich spät parallel mit der Weinlese Ende September.

Die Blätter des Strauches werden von Hand gepflückt. Dazu sind fünf, sechs Helfer auf dem Feld nötig. Am späten Vormittag, wenn der Tau getrocknet ist, kann das Pflücken beginnen. Die Blätter müssen leicht abgehen vom Trieb, dann sind sie reif. Die anderen reifen weiter und werden in einer zweiten Pflückung geerntet.

Die Blätter werden im Freien dünn auf Papier ausgelegt und unter Folie bei rund 40 Grad schonend getrocknet. Ein Tag reicht dafür. 10.000 Pflanzen stehen auf einem Hektar. Das gibt eine Erntemenge von einer Tonne. Bei einer Anbau-Fläche von zwei Hektar gibt das eine Gesamtmenge von zwei Tonnen.

Die Handpflückung bringt Qualität und macht das Produkt hochpreisig.  In Italien wird Zitronenverbene überwiegend maschinell geerntet. Dabei werden die Blätter zerrupft und verlieren Aroma. „Unsere Verveine wird als Ganzblatt angeboten. Das ist unsere Nische“, sagt Stoll. Zudem ist die Plantage gerade in Umstellung auf Demeter-Anbau. Im September 2014 ist die Umstellung abgeschlossen. Das ist ein weiterer Baustein in der Qualitätsstrategie.

Bei der Zubereitung werden drei ganze Blätter in ein Glas gegeben. Ein Aufguss mit heißem Wasser ergibt ein köstliches Getränk. Die Blätter können beim Trinken im Glas bleiben. Das gibt eine dekorative Optik. Der Tee wird nicht bitter und verändert seinen Geschmack nicht, wenn die Blätter nicht heraus genommen werden.

Mit dem Unternehmen Gourveine vermarktet Stoll die ganzen Blätter als biologischen Kräutertee. Der Vertrieb läuft überwiegend über Teefachgeschäfte. Ein durchsichtiger Beutel mit 20 Gramm kostet sieben Euro. Das ergibt 70 bis 80 Tassen. Eine Tasse kostet also unter zehn Cent.

Verveine-Tee ist in Nordafrika und Frankreich ein beliebtes Getränk. In Deutschland ist es als Mono-Tee noch wenig bekannt. In Mischungen ist das Kraut, weil als preiswerte Importware auf dem Markt, oft zu finden.

Die Verveine hat einen fruchtigen Zitrusgeschmack und kann ungesüßt getrunken werden. Ätherische Öle und Gerbstoffe sind charakteristisch für das Aroma. Allerdings ist die preiswerte Verveine auf dem Markt oft bitter. Die ätherischen Öle haben die Trocknung, Verarbeitung und Lagerung oft nicht überlebt.

Die Verveine ist in den Anden zuhause. Erst im 18. Jahrhundert kam sie nach Spanien, wurde  im milden Mittelmeer-Klima kultiviert und erfreut sich dort großer Beliebtheit. Hierzulande wurde die Pflan-ze bisher nicht angebaut. Gabriele Stoll ist die Pionierin für den Anbau in Deutschland.

Die Verveine findet außer für Tee noch andere Verwendung. In der Küche kann sie als Zutat für Sorbets dienen. In Cocktails oder Likören kann sie eingesetzt werden. Für Gewürzmischungen und Gewürzsalze ist Verveine interessant. Die Sterne-Gastronomie hat die Pflanze als Gewürz bereits entdeckt.

Stoll hat 2006 begonnen, die Pflanze zu importieren, war mit der Qualität auf dem Rohstoffmarkt oft nicht zufrieden. Sie hat nach einem Anbauer, der nach ihren Vorstellungen arbeitet, gesucht und in der Türkei gefunden. Von dort kam die gewünschte Qualität in Deutschland an. Während der laufenden Vermarktungssaison hat dann der Lieferant den Preis verdreifacht. Das war das Ende der Geschäftsbeziehung.

Dann stand für die Biologin fest: „Ich baue die Verveine selbst an“. Als Argarbiologin weiß sie, dass das warme Klima im Südwesten der Republik der Pflanze behagt. Verveine ist allerdings empfindlich gegen Bodennässe. Das verursacht Wurzelfäule. „Nasse Füße mag sie nicht, deshalb habe ich eine Drainage gelegt“, erläutert die Agrarbiologin.

Allerdings kann es im Sommer auch recht trocken sein in der Ortenau. Deshalb hat sie eine sparsame Tröpfchenbewässerung installiert. Der Grundwasserspiegel in der Rheinebene ist hoch. So hat sie mittels eines Brunnens Zugang zum Wasser. „Vielleicht lege ich auch einen Teich an“, erzählt sie.

Anton Großkinsky

 


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