Start / Ausgaben / BioPress 78 - Januar 2014 / Bio ist Teil des Konzepts

Bio ist Teil des Konzepts

Bei Frischemärkte Baur ist Nachhaltigkeit mehr als ein Wort

Zehn Edeka-Märkte an fünf Standorten am Bodensee betreiben die Frischemärkte Baur. Das Flaggschiff des selbstständigen Einzelhändlers (SEH) Jürgen Norbert Baur ist das 2011 eröffnete E-Center in Konstanz mit 3.800 Quadratmetern Verkaufsfläche und 50.000 Produkten, rund 2.000 davon aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA). Die Universitätsstadt Konstanz mit der benachbarten Schweiz ist ein idealer Standort für die Vermarktung von biologischen Lebensmitteln.

Das ist die Baur Strategie:
Bio wird in die Sortimente integriert und erreicht so jeden Kunden. Die Reiter auf den Preisschildern unterstützen den Bio-Einkauf und zeigen die Bio-Fülle im Haus.
 

Bio ist bei Frischemärkte Baur Teil des Konzeptes zur Nachhaltigkeit. Der Händler sieht sich in der Verantwortung für Mensch, Tier und Natur. Bio ist für ihn deshalb ein gesellschaftliches Anliegen, nicht allein eine Frage von individuellen Vorlieben wie Genuss und Trends.

Dabei zählen für Baur auch die Arbeitsbedingungen und die Auswirkungen auf die Gesellschaft. Als Beispiel nennt er das Idene Projekt der Edeka. Von jeder verkauften Bio-Banane fließt Geld in ein Projekt für Bildung in der Dominikanischen Republik.

Bei dem Lebensmittelhändler vom Bodensee ist Bio mit der Region verbunden. Regionalität bewahrt Traditionen und schafft Vertrauen beim Kunden. Neben diesen weichen Faktoren gibt es harte Fakten wie kurze Transportwege mit wenig CO2-Ausstoß. Sortimente wie Unsere Heimat-Bio, eine Handelsmarke der Edeka Südwest in Offenburg, betrachtet Baur als wichtige Bestandteile im Angebot.

Baur kann nicht billig

Jürgen Norbert Baur hat seine Frischemärkte vor 20 Jahren gegründet. Das E-Center in Konstanz als größter Markt führt auch das größte Bio-Angebot. Im kleinsten Markt in Konstanz mit 340 Quadratmetern gibt es entsprechend weniger Bio.

„Wir sind hier in einer gesegneten Region. Billig können wir nicht. Ich habe die Philosophie, nur gute Lebensmittel zu verkaufen. Ich will keine Paletten in den Laden stellen. Die Auswahl macht es aus“, umreißt er seinen Anspruch.

Baur setzt auf Qualität und nicht auf Aktionen im Handzettel und vorverkaufte Fernsehartikel. „Wenn ich einen Bio-Artikel verkaufen will, muss ich ihm eine Chance geben“, erläutert der Kaufmann. Einmal bestellen und wenn der Artikel nicht nach Wunsch läuft, nicht mehr nachbestellen, ist nicht das Prinzip des Hauses.

50.000 Artikel stehen in dem E-Center. Sechs Prozent tragen die 2.000 Bio-Artikel zum Umsatz bei. Das sind 1,5 Millionen Euro von insgesamt 25 Millionen und liegt über dem Durchschnitt von vier Prozent im deutschen Handel. Die Großfläche in Konstanz könnte ein Sortiment aufnehmen, wie es ein Bio-Supermarkt führt.

Beliebtestes Bio-Produkt bei den Baur-Kunden ist das Bio-Ei mit einem Abverkaufsanteil von 37 Prozent. Die Warengruppe Obst- und Gemüse, das Einfallstor für Bio in den klassischen Supermärkten, hat einen Bio-Anteil von zwölf Prozent, also ebenfalls zweistellig.

Das Mopro-Regal einschließlich der SB-Wurst kommt auch noch auf zehn Prozent. Die anderen Bio-Warengruppen haben nur einen einstelligen Anteil am Umsatz. Das Trockensortiment ist mit sieben Prozent noch recht verkaufsstark. Fisch und Getränke kommen dagegen nur auf einen unterdurchschnittlichen Anteil von zwei Prozent.

Bio von der Insel

Blickfang ist die Obst und Gemüse Abteilung mit mehr als 50 Bio-Produkten, zum Teil regional. Abteilungsleiter Holger Rigling war Landwirt und sorgt dafür, dass während der Saison rund zehn regionale Bio-Artikel im grünen Sortiment vorhanden sind. „Bio und Regional kommt immer mehr. Die Kaufbereitschaft dafür ist höher. Die Leute wollen durch ihren Einkauf die Region unterstützen“, hat Rigling wahrgenommen.

Auch der saisonale Einkauf rückt wieder mehr in den Vordergrund. Das eröffnet regionalen Bio-Erzeugern neue Chancen in den O+G-Abteilungen des SEH. Die Insel Reichenau in der unmittelbaren Nachbarschaft ist ein Gemüse-Anbaugebiet mit wachsender Bio-Erzeugung und einem florierenden Markt vor der Haustür.

Dass Bio immer und überall viel teurer und nicht bezahlbar sei, widerlegt Baur. Die Bio-Salatgurke geht für 99 Cent über die Kasse, die konventionelle, regionale Salatgurke dagegen für 1,29 Euro. Bei den Äpfeln, natürlich vom Bodensee, haben Bio und konventionell den gleichen Preis. Der meistverkaufte Frucht-Artikel in Bio ist auch im Apfel-Anbaugebiet Bodensee die Banane mit einem Anteil von deutlich über zehn Prozent.

Bio ist immer gelabelt oder verpackt, damit es unterscheidbar ist und nicht verwechselt wird. „Das gibt Sicherheit an der Kasse“, sagt Rigling. Die Kassiererinnen sind nicht unbedingt warenkundig bei O+G.

Die Edeka liefert das Bio O+G-Kernsortiment. Ein Fruchtgroßhändler vom Großmarkt beschafft zusätzlich Bio-Produkte. Er hat Bio-Kompetenz und kann täglich frisch liefern. Der eine oder andere Direktlieferant kommt noch dazu.

Zufrieden mit Reform-Großhändler

Rhein-Main Reformwaren Kraushaar & Perner zählt noch zu den Bio-Lieferanten bei Frische und im Trockensortiment. „Das läuft seit fast zwei Jahren und funktioniert richtig gut. Wir haben im Markt Mitarbeiter aus dem Reformhaus“, erläutert Inhaber Baur. Der Kaufmann hat mit dem kompetenten Personal die Voraussetzung, um ein Reformsortiment erfolgreich zu vermarkten.

Nach dem Empfang in der grünen Abteilung passiert der Kunde die kleine Non-Food-Abteilung. Mit dem Frühstückssortiment geht es los. Für die britische Art gibt es biologische Getreideprodukte in reicher Auswahl.

Die noch junge Kindermarke Mogli ist mit Crunchy im Regal. Der Flocken-Spezialist Kölln ist mit seiner Bio-Range vertreten. Bio-Gourmet, eine Dachmarke für den LEH, ist mit ihren Bio-Flocken und -Müsli dabei. Die Flocken der Demeter-Marke Campo Verde führt Baur ebenfalls.

Aus der Region sind die Müslis der Huber Mühle aus Niederschopfheim im Sortiment. Die jungen erfolgreichen MyMüsli funktionieren natürlich in einer Universitätsstadt wie Konstanz. „Das sind wirklich tolle Produkte, die laufen hervorragend“, weiß Reisacher.

Süße Aufstriche sind ein beliebtes Frühstücksprodukt. Von Rigonis Nocciolata und Schokoaufstrichen von Gepa, über Brinkers Schokoaufstriche It’s my Life bis zu Maccadamia und Erdnuss-Aufstrich von Bio-Gourmet bietet der Markt seinen Kunden eine große Vielfalt.

Bei Honig zeigt sich Bio-Gourmet ebenfalls stark. Mit Zitronenblüte und Akazie sind zwei Sorten außerhalb des Standard-Blütenhonigs vorhanden. Rigoni di Asiago aus Italien wartet mit Mediterranem wie Orangenblüte und Eucalyptus auf.

Bei den Bio-Fruchtaufstrichen ist Baur richtig stark. Vier Regalböden widmet er dem Thema. Rigoni hat hier einen großen Auftritt mit mediterraner Marmelade wie Pfirsich, Aprikose, Feige, Traube usw. Die Bio-Gourmet Fruchtaufstriche und die Produkte von Edeka Bio führt Baur ebenfalls.

Das kontinentale Frühstück ist geprägt von Brot und Brötchen. Frisches Bio-Brot gibt es in SB von  Gottschaller und der Fritz Mühlenbäckerei, beide aus München. Der Backwarenvertrieb Thomas Slottke mit Sitz in Hohenbrunn/ Bayern liefert die Produkte.

Bei den Heißgetränken wird Tee im Hauptlauf in einem historischen Apothekerschrank präsentiert. In Bio gibt es die ayurvedischen Yogi-Tees in voller Breite. Golden Heart, Teafriends, Herbaria und Pommerland sind bei Kräuter- und Früchtetee noch im Sortiment. Da bietet Baur seinen Kunden in Bio-Qualität richtig viel an. „Wir verkaufen sehr viel Tee“, gibt Reisacher zu erkennen.

Bei Bio-Kaffee bilden Edeka Bio und Darboven den Einstieg. Die Gepa ist mit ihrem umfangreichen Fairtrade Bio-Sortiment ebenfalls zugegen. Der Kaffa von Original Food aus Freiburg rundet das Sortiment nach oben ab. Die Bio-Kaffeesahne dazu führt Baur ebenfalls sowohl von Bärenmarke wie von Saliter.

Regionalmarke mit einigen Bio-Herstellern

Die Regionalmarke Gutes-vom-See gehört natürlich zum Baur-Sortiment. Mit der Demeter Bäckerei Ratzek aus Allensbach und dem Eier-Lieferanten Albrecht Finsler aus Tengen beteiligen sich zwei Betriebe, die an der Regionalinitiative mitwirken.

Frische ist das Hauptthema von Baur. 60 Prozent der Umsätze werden damit getätigt. Frisch & Schnell ist die gekühlte Convenience im Regal überschrieben. Das fängt an bei frischen Säften von Nature’s best und geht weiter mit frischen Suppen der Küchenbrüder.

Der nationale Bio-Lieferant Heirler produziert in Radolfzell am Bodensee unter anderem Soja-Produkte für Vegetarier und Veganer. „Tofu ist ein starkes Produkt geworden. Jetzt kommt noch die Nachfrage für vegan. Immer mehr junge Leute kaufen solche Produkte“, hat Reisacher beobachtet.

Bei der gekühlten Frische spielen im Südwesten Teigwaren eine wichtige Rolle. Alb-Gold und Bürger sind  in Baden-Württemberg, der Heimat von Spätzle und Maultaschen, ansässig.   

Mopro ist ein Bio-Schwerpunkt

Mopro ist in Bio ein Schwerpunkt im Sortiment mit einem zweistelligen Umsatz-Anteil. Heirler ist mit Bio-Milchprodukten von Kuh und Ziege ein wichtiger Lieferant. Die lactosefreie Linie von Heirler ist in dem Markt ebenfalls zu haben.

Schwarzwaldmilch aus Freiburg stammt aus der Region Südbaden. Trotz der Nähe laufen diese Produkte nicht so gut, wie Baur das gerne hätte. Für die Kunden zählt der Schwarzwald nicht zur Region. Marktführer Andechser ist natürlich im Sortiment. „Da haben wir mittlerweile gute Absätze“, berichtet Reisacher.

Bio-Wurst gibt es im Kühlregal und in der Theke. Die Bedienungsware kommt von Rack & Rüther. Das Sortiment hat sich Edeka weit durchgesetzt. Bei Bio-Fleisch vom Rind und Schwein mit dem Bioland-Zeichen liefert die Edeka in SB. An der Theke wird kein Bio-Fleisch angeboten.

Der Bio-Fleisch-Umsatz ist mit zwei Prozent Anteil noch bescheiden. Der Preisabstand zum konventionellen ist  prägnant. „Das Preis/Leistungsverhältnis des Produkts muss stimmen“, meint Reisacher. Und das ist bei Bio-Fleisch allemal der Fall. Bio-Fisch in der Theke ist relativ neu bei Baur, der Umsatz ist ebenfalls noch klein.

In der Käsetheke sind vor Feiertagen bis zu 55 Käse in Bio-Qualität zu finden. Die einfachen Bio-Schnittkäse liegen bei 1,19 Euro. Die länger gereiften Käse wie ein Bio-Appenzeller kosten mehr als drei Euro pro 100 Gramm. Eine Klientel für solche Qualitätsprodukte kommt hier hin zum Einkaufen.

Im Bio-Trockensortiment bietet Baur seinen Kunden rund 1.200 Produkte. Das reicht von den Hengstenberg Sauerkonserven bis zu Senf von Steck. Beide Hersteller stammen aus Baden-Württemberg. Teigwaren sind in Süddeutschland ein Hauptprodukt.

Alb-Gold und Campo Verde kommen aus dem Ländle. Mit TerraBio hat Baur auch original italienische Pasta im Regal. Bei den Backzutaten ist die Huber Mühle aus der Ortenau mit Bio-Mehlen und -Flocken vertreten. Regionalität zieht sich durch das ganze Bio-Sortiment.

Bei den Dauerbackwaren gibt es in dem E Center ebenfalls eine Vielfalt an Bio-Artikeln. Die Knäcke von Dr. Karg und Knabbergebäck der Demeter-Marke Campo Verde gehören zum Sortiment. Bio-Zwieback ist mit dabei. Sommer ist einer der wenigen Zwieback-Hersteller. Mit Schüttelbrot von Ultner und Preiss aus Südtirol ist eine regionale Spezialität vertreten. Bei den haltbaren Bio-Broten ist Mestemacher aus Gütersloh der große Hersteller.

Schmales Bio-Süßwaren-Sortiment

Bei den Getränken ist mit Seezüngle ein regionaler Hersteller aus Leutkirch im nahen Allgäu vertreten. Das Erfrischungsgetränk enthält fermentierte oberschwäbische Gerste und Früchte vom Bodensee. Den Bio-Wein liefert Riegel. Da ist die Auswahl noch nicht allzu üppig.

Baur ist ein selbstständiger Kaufmann mit einer positiven Einstellung zu Bio. „Ich bin Überzeugungstäter und Realist“, schränkt er ein. Mittlerweile ist er zufrieden, was ihm die Edeka Südwest an Bio bietet. Das war er lange Zeit nicht. Aber er hat auch selbst daran gearbeitet.

„Wir Händler haben großen Einfluss auf die Großhandlung, was das Sortiment angeht“, betont der Kaufmann, der im Aufsichtsrat der Edeka Südwest Verantwortung übernimmt. Bio wächst bei Baur jährlich im einstelligen Prozentbereich.

Anton Großkinsky


E Center Baur
78467 Konstanz
Reichenaustraße 36


Eröffnet:                Nov. 2011
Inhaber:                Jürgen Norbert Baur
Marktleiter:            Marko Peic
Mitarbeiter:            143
Verkaufsfläche:      3.800 qm
Artikelanzahl:         50.000
Anzahl Bio-Artikel:  2.000
Umsatz:                 25 Millionen €
Bio-Umsatzanteil:   6 Prozent
Kundenfrequenz:    2.500/Tag
Durchschnittsbon:   35,- €
Kassen:                 12

 


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