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Speisekammer guter Lebensmittel

Großhändler Eco-Plus aus Bayern bietet mehr als Bio

2007 begann Rüdiger Kerschner mit Eco Plus besondere biologische Lebensmittel zu importieren. Inzwischen ist Eco-Plus zu einer Speisekammer guter Lebensmittel geworden. „Wir vertreiben Produkte, mit denen sich der Handel profilieren kann“, erläutert Kerschner das Konzept. Ausschließlich authentische Bio-Hersteller bietet Eco-Plus den besten Lebensmittelhändlern Deutschlands an. Dabei macht er keinen Unterschied zwischen der Welt des SEH und des Naturkost-Fachhandels. Beide sind bei ihm Kunde. Qualitätsanspruch und der direkte Kontakt zum Ursprung verbindet sie alle.

Eco-Plus vertreibt aktuell 160 Produkte von 16 Herstellern. Damit schafft das Unternehmen einen Umsatz von vier Millionen Euro. Vier Vollzeit und vier Teilzeit-Mitarbeiter sorgen dafür, dass alles rund läuft. Die jährliche Umsatzsteigerung beträgt rund 20 Prozent. Auch die Nachhaltigkeit ist bei Eco-Plus ein wichtiges Thema. Eco-Plus Inhaber Rüdiger Kerschner beschreibt es so: „Nur langfristig denken und handeln und permanent daran arbeiten, die Leistung in kleinen Schritten zu verbessern.“

Seit fast sieben Jahren ist Eco-Plus auf dem Markt. Das Unternehmen bietet dem Handel ein Bio-Sortiment aus mehreren Warengruppen. Die Gruppen Wurst und Käse hat Eco-Plus in der Frische besetzt. Bei den Trockenprodukten sind es Fruchtaufstriche, Pasta, Senf und Feinkost, Würzmittel, Soßen, Essig und Öle, Backwaren, Knabberartikel und Schokolade.

Das Sortiment ist eine anspruchsvolle Mischung aus Spezialitäten. „Idealerweise kommt jedes Jahr ein neuer Lieferant dazu“, teilt Kerschner mit.  Aber mehr als 200 bis 300 Produkte sollen es nicht werden, denn das Unternehmen will seine Produkte kennen und aktiv verkaufen.

Mit den Spezialitäten, die Eco-Plus handelt, kann sich der Lebensmittel-Einzelhandel genauso wie der Bio-Fachhandel abheben. Beide bekommen diese Premium-Produkte bei ihren jeweiligen Vorstufen nicht. Deshalb brauchen sie zusätzliche Lieferanten. Selbstständige Einzelhändler wie zum Beispiel Hieber, Scheck oder Zurheide sind bereits Abnehmer für die Köstlichkeiten, ebenso wie zahlreiche Biomärkte.

Bio-Produkte zur Profilierung

„Ich denke, dass sich der Bio-Handel neu erfinden muss. Er arbeitet mit dem Großhandel als Generalist“, analysiert der Eco-Plus Geschäftsführer. Bei zunehmendem Wettbewerb braucht ein Lebensmittelgeschäft aber Sortimente, die andere am Ort nicht haben.

Der selbstständige Biomarkt-Betreiber muss sich hierbei von den Bio-Filialisten ebenso abheben, wie der SEH von den Regiebetrieben oder der Vollsortimenter vom Discounter. Da­zu braucht es Großhändler, die kompetent sind bei Spezialitäten und Teilsortimenten.

So haben sich neben den Großhändlern mit Vollsortiment Fachgroßhändler für Naturkosmetik, Wein, Käse, Feinkost oder Obst & Gemüse etabliert. „Der SEH hat das Format Supermarkt gerettet. In den 90er Jahren schien der Supermarkt das Rennen mit dem Discounter zu verlieren.

Jetzt gibt es innovative, sensationell gut sortierte und gut geführte Supermärkte von Selbstständigen mit bis zu 50.000 Food-Artikeln, darunter 3.000 Bio-Produkte und mehr“, erklärt Kerschner.

Das Unternehmen hat sein Büro in der Freisinger Innenstadt. Die 60.000 Einwohner-Stadt nahe des Münchner Flughafens liegt tief im Süden der Republik. Die Lagerhaltung, die Kommissionierung der Ware und den Versand hat Eco-Plus bei einem großen Lebensmittel-Logistiker in Halle im Bundesland Sachsen-Anhalt ausgelagert.

„Wir könnten auch hier an der A 8 ein Zentrallager betreiben. Das würde aber keine Vorteile bringen. Wir wollen in Zukunft weiter wachsen und mit der jetzigen Lösung können wir uns auf unsere Kernkompetenzen am besten konzentrieren.“, erläutert Kerschner.

In der Zentrale in der Freisinger Innenstadt gibt Eco-Plus einen kleinen Einblick in seine Speisekammer. Die Lebensmittelnation Italien ist groß vertreten. Rigoni di Asiago ist aktuell die stärkste Marke. Marmelade, Nuss-Nougat-Aufstrich und Apfel-Süße sind die exquisiten Produkte von der norditalienischen Hochebene, dem Altopiano von Asiago in den italienischen Süd-Alpen.

Die Terrabio Pasta, Hülsenfrüchte und Getreide hat Eco-Plus 2011 auf dem deutschen Markt mit Erfolg eingeführt. Die Bio-Produkte stammen von einer Erzeuger-Genossenschaft aus der Region Marken.

Die Familienbäckerei Schwienbacher aus dem Ultental im Südtirol liefert charakteristische Dauerbackwaren, unter anderem ein handgeschütteltes Schüttelbrot, Brotchips und den Klassiker Vinschgerl. Die Spezialbrote haben zahlreiche Freunde auf der Alpen-Nordseite. Ein vielfach preisgekrönter Parmigiano Reggiano aus dem Caseificio Santa Rita, südlich von Modena im Appenin gelegen, ist von Anfang an dabei.

Exklusivität als Markenzeichen

„Wir arbeiten exklusiv mit den Herstellern“, sagt Kerschner. Reine Bio-Betriebe sollen es nach Möglichkeit sein. Eco-Plus sucht langfristige Geschäftsbeziehungen und will ein vertrauensvoller Vertriebspartner sein. „Ich möchte mit Herstellern auch in zehn Jahren noch arbeiten“, gibt er als Parole im schnelllebigen Lebensmittelhandel aus.

Die klassischen LantChips aus Schweden, Rigoni di Asiago, die Olivenöle von Redoro und Salvagno (beide Region Gardasee) und das Caseificio Santa Rita hat Eco-Plus seit 2007 im Sortiment.

 Heute hat ein Produkt im Handel oft nur wenige Monate Zeit, um sich zu bewähren. Bei Eco-Plus ist das anders: „Nach einem Jahr sehen wir, welches Potenzial in einem Produkt steckt. Eine der Kernfunktionen von Eco-Plus ist ein Marketing und eine Verkaufsförderung, die an die Möglichkeiten der Hersteller angepasst ist. EcoPlus sensibilisiert die Hersteller hierbei für die Besonderheiten des deutschen Marktes.

Die Hersteller müssen bereit sein, in ihre Marke zu investieren, zum Beispiel in Displays für Zweit- und Sonderplatzierungen, Verkostungen, Anzeigenwerbung, PR usw. Mit Rigoni di Asiago läuft aktuell eine Werbekampagne mit 500 Großflächenplakaten für die Nocciolata Nuss-Nougat-Creme im Westen und im Süden Deutschlands.

Neuheiten sind inzwischen auch in Bio keine Selbstläufer mehr. Eco-Plus verhilft Innovationen  zum Erfolg. Dafür muss der Großhändler vom Produkt überzeugt sein. „Dabei hat der Geschmack der Produkte eine herausragende Bedeutung. Einen Bio-Bonus kann es bei uns ohnehin nicht geben. Wir wollen in unserem Angebot nur Top-Qualitäten“, betont Kerschner.

Besondere Bio-Produkte sind gefragt

Nur besondere Bio-Produkte, von denen Eco-Plus selbst überzeugt ist, werden aufgenommen. Sanddorn Storchennest aus Ludwigslust in Mecklenburg baut den Sanddorn auf den eigenen Feldern selbst an. Das Sortiment umfasst Sanddorn-Direktsaft und -Mischsäfte sowie verschiedene Teemischungen.

Die losen Kräutertees von Kräutergarten Pommerland an der Ostsee hat Eco-Plus erfolgreich im SEH eingeführt. „Die Kunden des SEH kennen solche Produkte kaum. Die losen großblättrigen und farbenfrohen Kräutertee-Mischungen mit den phantasievollen Namen kommen an“, berichtet Kerschner. Die deutschen Verbraucher schätzen im europäischen Vergleich Kräutertees klar überdurchschnittlich.

Auch Thönes Natur Fleisch- und Wurstprodukte im Glas gehören zum Angebot von Eco-Plus. Darunter sind drei Bio-Fonds von Rind, Geflügel und Kalb, die ohne jegliche Geschmacksverstärker hergestellt werden. In dieser Qualität sind Fonds im SEH und im Naturkosthandel selten zu finden. Da hat Eco-Plus fast eine Alleinstellung.

Senf erlebt eine Renaissance in Deutschland. Münchner Kindl ist mit einer edel aufgemachten Range mit besonderen Rezepturen von Bio-Feinkost Senf und BBQ-Saucen auf dem Markt. Es ist der neueste Lieferant von Eco-Plus.

Im nächsten Schritt plant der Großhändler, die Frische auszubauen. Einen Parmigiano Reggiano, einen Grana Padano sowie einen Original-Feta bietet der Händler hier schon an. Ein edles Salami-Sortiment aus Verona soll im März 2014 dazukommen.

Umsatzträger sind die apfelgesüßten Marmeladen von Rigoni di Asiago. Der Fior di Frutta Aufstrich Bitter-Orange und die Nocciolata Nuss-Nougat-Creme sind dabei die Zugpferde. Auch die Zotter Schokoladen aus Österreich vermarktet das Unternehmen im SEH. „Die Marke ist bekannt und verkauft sich fast von selbst.

Hier sehen wir unsere Haupt-Aufgabe, das umfangreiche Sortiment zu strukturieren. Das heißt, dass Eco-Plus und Zotter ein Herbst-/ Wintersortiment sowie ein Frühlings-/Sommersortiment abstimmen. Der Kunde kann also darauf vertrauen, immer eine Top-Zusammenstellung zu bekommen“, erklärt der Eco-Plus Chef.

Der Nutzen für den Handel ist die kompetente Vorauswahl durch den Großhändler. Nur Qualitätsprodukte schaffen den Sprung. Die Produkte müssen ein Plus, einen Mehrwert haben, damit sie Eco-Plus Produkte werden. „Was die Qualitäten anbelangt, wollen wir in der Champions-League mitspielen“, so Kerschner.

Auf Messen und durch die Suche im Internet findet Eco-Plus Hersteller, die geeignete Produkte für das Sortiment haben. Es kommt auch vor, dass Handelskunden spezielle Wünsche an Eco-Plus herantragen. Authentische, wohlschmeckende, biologische Lebensmittel, aus transparenten Rohstoffherkünften und sicheren Produktionsprozessen müssen es sein.

Der Einsatz natürlicher Aromen kann dazu führen, dass Eco-Plus ein Produkt nicht ins Sortiment aufnimmt. Palmöl als Zutat schätzt der Großhändler ebenfalls nicht. Auch Verpackung und Aufmachung müssen stimmen. Wenig Inhalt, viel Verpackung sieht Eco-Plus nicht gerne. Kleinpackungen bei geschnittener Ware, um Preisschwellen einzuhalten, nimmt Eco-Plus nicht ins Sortiment.

Eco-Plus bietet Bio-Produkte mit Potenzial, exzellente Feinkost in Bio-Qualität. Der Inhaber und alle Mitarbeiter stehen mit Leidenschaft hinter den Produkten der Lieferanten. So vermittelt das Unternehmen Lebensmittelkultur.

Anton Großkinsky


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