Start / Ausgaben / BioPress 78 - Januar 2014 / Terra Bio mit Traumstart im SEH

Genossenschaft Terra Bio

Terra Bio mit Traumstart im SEH

Original italienische Pasta mit Naturland Fair Zertifizierung

Die Genossenschaft Terra Bio aus der Provinz um die historische Stadt Urbino in der Region Marken hat ein Sortiment für Endverbraucher aufgelegt. Bisher hat die Genossenschaft Getreide und Hülsenfrüchte ausschließlich auf dem Rohstoffmarkt angeboten. Seit 2011 gibt es ein Terra Bio Sortiment für den Export. Kernstück ist das Pasta-Sortiment mit Naturland Fair Zertifizierung als Alleinstellungsmerkmal. Das Sortiment erfuhr sofort Akzeptanz im deutschen SEH.

Die Region Marken in Mittelitalien ist Getreideanbaugebiet. Terra Bio ist dort die größte Bio-Erzeugergemeinschaft 15.000 Hektar Ackerland bearbeiten die 80 Bauern. Die Genossenschaft Terra Bio verkauft biologisches Getreide, Hülsenfrüchte und Ölsaaten auf dem Rohstoffmarkt und hat 2011 angefangen eine Marke für deutsche Endverbraucher aufzubauen.

Vorsitzender Maurizio Gambini hat seine Kollegen von der Marken-Strategie überzeugt. Viele Mitglieder sagten: Bauer bleib bei deinem Korn. Ein LKW voll Hartweizen ist schneller verkauft als ein LKW voll Pasta-Packungen.

Marketing-Experte Fillipo Maz­zoli hält eine reine Rohstoff-Strategie für nicht zukunftssicher: „Bei weltweit wachsendem Bio-Anbau kann Getreide anderswo genauso gut und vielleicht sogar günstiger erzeugt werden als hier. Dann sind wir im Preiswettbewerb.

Original italienische Pasta vom Anbau bis zur Herstellung aus der Region Marken mit Naturland Fair Zertifizierung kann nur Terra Bio bieten“, gibt er zu bedenken. Die Bauern von Terra Bio sind Mitglied bei Naturland.

Vom Acker in die Verpackung

Die geschlossene Kette von der Saatgutvermehrung, über den Anbau bis zur verpackten Pasta ist der Wettbewerbsvorteil von Terra Bio. Alle Produktionsschritte verbleiben in den Marken.

Terra Bio selbst besitzt keine eigene Mühle. Aber zum Konsortium Marche Bio, dem Zusammenschluss von Bio-Genossenschaften, gehört eine Mühle und ein Pasta-Hersteller. Das Pastificio arbeitet mit traditionellen, rau­en Bronzeformen. Diese sorgen für­ ­bessere Soßenaufnahme als glatte Teflonformen.

Terra Bio führt ein Sortiment bestehend aus Pasta, Getreide und Hülsenfrüchten. Tragendes Element sind die populären Teigwaren. Das biologische Pasta-Sortimente besteht aus einer eifreien Linie mit Spaghetti, Linguine, Radiatori, Pennoni, Calamarata und Lumaconi. Mit Ei sind Tagliolini, Fettuccine und Pappardelle.

2013 kamen Halbvollkorn-Dinkelnudeln neu auf den Markt und zwar in den Ausformungen Penne, Fusilli und Maccheroni. Vollkorn wollte Terra Bio nicht haben wie Export-Managerin Frauke Weissang sagte. Da ist der Genuss-Aspekt zu wenig präsent, wie die Deutsche mitteilt, die in den Marken eine Landwirtschaft von 30 Hektar und den Agri-Turismo Le Cesane, Ferien auf dem Bauernhof auf italienisch, betreibt.

Die großen Formen Pennoni, Calamarata und Lumaconi ha­ben ein augenfälliges Reiteretikett. Die Eiernudeln sind in der Karton-Schale. Dort sind die brüchigen schmalen Fettuccine und Tagliolini gut geschützt. Spaghetti, die gedrehten Radiatori und die Dinkel-Pasta sind im Schlauchbeutel mit Etikett.

So ist jedes Produkt leicht erkennbar im Regal. Die eifreie Bio-Pasta ist im mittleren Preissegment bis zwei Euro und im gehobenen über zwei Euro pro 500 Gramm angesiedelt. Die Eier-Pasta kostet den Verbraucher pro 250 Gramm Packung mehr als drei Euro.  

Für den Handel gibt es noch ein Sortiment an Hülsenfrüchten mit Heimat in den italienischen Marken. Die typischen Borlotti Bohnen sind dabei. Berglinsen, grüne Linsen, rote Linsen und Kichererbsen werden zudem angeboten.  

Esstrends helfen Terra Bio  

Die Getreideprodukte Goldhirse, Couscous und Dinkel gibt es ebenfalls in Endverbraucher-Packungen. Der Din­kel kann wie Reis verwendet werden. Couscous ist bereits etabliert im deutschen Handel. Außerdem wird eine Trockenmischung für Minestrone mit Dinkel und Hülsenfrüchten geführt. Mischungen bergen für die Zukunft noch Potenzial. Convenience ist nach wie vor im Aufwind, ebenso wie Vegetarisch und Vegan.

Da wandern Hül­senfrüchte und Teigwaren vom Tellerrand ins Zentrum.  „Der Trend zu vegetarischem und veganem Essen hilft uns sicher. Ich bin aber dennoch dafür, weiter einen Teil des Getreides zu verfüttern und guten italienischen Schinken herzustellen“, sagt Vorsitzender Gambini.

Er will strategisch nicht komplett auf Endverbraucher-Produkte umstellen. „Wir vermehren Bio-Saatgut. Das werden wir nicht aufgeben, weil das eine wichtige Aufgabe ist“, so der Genossenschafts­chef und Mitbegründer im Jahr 1997. Seit 2011 vermehrt Terra Bio autochthones Saatgut. Das sind traditionelle, für die Region typische Sorten.  

Terra Bio ist eine Genossenschaft von 80 Bauern mit 15.000 Hektar Ackerfläche. Paolo Bruscoli verwaltet zwei Betriebe mit zusammen 280 Hektar. Elf Mitarbeiter beschäftigt die Azienda. Hartweizen, Linsen und Bohnen baut die Familie auf den fruchtbaren Böden an.

Zusätzlich bewirtschaftet Bruscoli Weinberge und Olivenhaine. Der Beherbergungsbetrieb Urbino Resort und ein Restaurant nebst Fischteich gehören dazu. 15 Pferde für reitbegeisterte Touristen stehen auf der Koppel. Ein Bio-Bauer muss sich viel einfallen lassen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.  

Terra Bio-Vizepräsident Antonio Santini ackert auf 60 Hektar: „Kann man davon leben?“ fragt er sich selbst. „Ich habe zwei Kinder groß gezogen, fahre ein kleines Auto, war nie in Urlaub und habe keine Ersparnisse“, antwortet er. In den Marken ist man Bauer aus Passion und Überzeugung und wird es nicht, um reich zu werden.  

Ein hügeliges Bio-Land

Die Marken liegen südlich der Emilia Romagna und nördlich der Abruzzen. Die Region reicht von der Adria bis zum Apennin. Im Umland der historischen Stadt Urbino sind die Felder der Terra Bio-Bauern. Die hügelige Landschaft sieht aus wie auf einem Gemälde. Die ästhetisch gele­genen Äcker lassen sich allerdings nur schwer bearbeiten. In der Bio-Kornkammer Marken müssen Landmaschinen mit Neigetechnik eingesetzt werden.

Eine bessere Wertschöpfung soll die eigene Marke bringen. Im Moment ist die Marke Terra Bio noch ein Säugling. 2012 flossen durch die Endverbraucher-Produkte 600.000 Euro an Umsatz in die Kasse. Gemessen am Gesamtumsatz von 14 Millionen Euro ist das noch nicht viel. Bis 2015 erwartet Präsident Maurizio Gambini etwa 2,5 Millionen Umsatz aus dem Marken-Geschäft.

In Deutschland wird das Sortiment vom Großhändler Eco-Plus im qualitätsorientierten Handel vertrieben. Im SEH kam die Pasta auf Anhieb gut an. Im Naturkosthandel ist der Markt etwas schwieriger. Bio-Teigwaren sind kein Mangelprodukt.

Verkaufschefin Frau­ke Weissang ist mit Terra Bio auf der BioFach, den regionalen BioMessen und war auf der Anuga vertreten. Die authentischen fairen Produkte der Terra Bio-Bauern werden so bekannt gemacht.

Anton Großkinsky


Ticker Anzeigen