Start / Gerber erinnert an Steiner

Nachhaltigkeit

Gerber erinnert an Steiner

Plädoyer des Demeter-Vorstands für eine nachhaltige Agrarkultur

Demeter-Vorstand Alexander Gerber erinnerte in der Pressekonferenz des ökologischen Dachverbandes BÖLW in Berlin an die Ursprünge der modernen biologischen Agrarkultur: „Pfingsten 1924 hält Rudolf Steiner seine Vorträge zum Gedeihen der Landwirtschaft. Heute wissen wir: das war die Geburtsstunde des modernen, ökologischen Landbaus.“

Steiners Impuls für eine nachhaltige Ernährungskultur fiel auf fruchtbaren Boden. Das biodynamische Prinzip, den landwirtschaftlichen Betrieb als möglichst geschlossenen Organismus zu betrachten, ist zum Fundament der gesamten ökologischen Landwirtschaft geworden: Auf dem Bauernhof werden nur so viele Tiere gehalten, wie sich  mit eigenem Futter ernähren lassen. Dadurch wiederum liefern die Tiere ausreichend Dung, um die Pflanzen zu ernähren. Mit diesem Grundsatz geht der ökologische Landbau über das schlichte Weglassen von chemischen Dünge- und Spritzmitteln hinaus.  

Der promovierte Agrarwissenschaftler untermauerte die Zukunftsfähigkeit des ökologischen Landbaus mit wissenschaftlichen Studien und betonte: „Das Prinzip eines vielfältigen Betriebsorganismus mit Wiederkäuern ist der Königsweg für den Aufbau der Boden-Fruchtbarkeit.“ Nur tierischer Dung sichere dauerhaft stabile Erträge in einem System, das bewusst auf mineralischen Dünger verzichtet. Zurückgehende Erntemengen auf Bio-Marktfruchtbetrieben ohne Tierhaltung verdeutlichten diesen Zusammenhang.

Gerber widerlegte auch die These, Kühe seien Klimakiller. „Gerade die Milchvieh haltenden Betriebe sind besonders klimafreundlich, weil sie Humus im Boden aufbauen und damit über 200 Kilogramm Kohlenstoff pro Hektar und Jahr anreichern. Im Mittel der ökologischen Marktfruchtbetriebe ist hingegen von gleich bleibenden Humusgehalten auszugehen. Konventionelle Marktfruchtbetriebe weisen sogar deutliche negative Humussalden von minus 150 Kilo Kohlenstoff je Hektar und Jahr aus. Das sind die aktuellsten Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu Klimawirkungen des Bio-Landbaus an der TU München.“
 
Immer wichtiger werde zudem, was Tiere in der Landwirtschaft den Menschen des 21. Jahrhunderts schenken. Sie brächten eine seelische Qualität in den landwirtschaftlichen Betrieb und damit  in die Landschaft.  Eindringlich verwies der Sprecher der biodynamischen Gemeinschaft auf die damit verbundenen Pflichten: „Der Mensch trägt hohe ethische Verantwortung. Deshalb legen wir Bio-Bauern höchste Maßstäbe an eine artgerechte,  wesensgemäße Tierhaltung.“ Gerber beklagte, dass die notwendige Tierethik in der Gesellschaft verloren gegangen sei. Er forderte die Verwandlung der Wertschöpfungskette in eine Wertschätzungskette und nannte dafür Transparenz  auf jeder Stufe und Teilhabe bis hin zum Konsumenten als Voraussetzungen.

[ Artikel drucken ]

Ticker

Das könnte Sie auch interessieren

Zukunftskommission Landwirtschaft veröffentlicht neue Empfehlungen

Aus für Flächenzahlungen, Bürokratieabbau und mehr Fairness für Erzeuger

Zukunftskommission Landwirtschaft veröffentlicht neue Empfehlungen © BMEL

Die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) hat heute nach ihren ersten Empfehlungen 2021 einen zweiten Abschlussbericht veröffentlicht. Das Ergebnis des ‚Forum des Interessenausgleichs‘ wird sowohl vom Deutschen Bauernverband als auch von Umweltschützern gelobt. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehört die Honorierung von Ökosystemleistungen anstelle von Flächenzahlungen, die Stärkung der Marktposition von Erzeugern, eine höhere Mehrwertsteuer auf tierische Produkte sowie Bürokratieabbau.

26.11.2024mehr...
Stichwörter: Nachhaltigkeit, BÖLW

Sustainable Economy Summit: Bereit für die Transformation

400 CEOs diskutieren in Berlin über Wege zu mehr Nachhaltigkeit

Sustainable Economy Summit: Bereit für die Transformation © Joerg Farys - www.dieprojektoren.de

Vom 11. bis 13. Dezember 2023 fand in Berlin erstmalig der Sustainable Economy Summit statt. Veranstaltet von der Sustainable Economy gGmbH, zu der Bioland und das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) gehören, hatte der Kongress zum Ziel, nachhaltige Lösungen und ökologische Innovationen voranzubringen und Leuchtturm-Ansätze aus der Wirtschaft zu präsentieren. Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck übernahm die Schirmherrschaft der Veranstaltung.

09.01.2024mehr...
Stichwörter: Nachhaltigkeit, BÖLW

Bio-Nachfrage bleibt hoch

Retail Sales Monitor mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit

Der neue Retail Sales Monitor der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit Fokus Nachhaltigkeit bescheinigt der Nachfrage nach Bio auch im Jahr 2022 ein hohes Niveau. Von 2014 bis 2021 habe sich der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken nahezu verdoppelt, auf mehr als 15,87 Milliarden Euro. Zudem ernähre sich mittlerweile knapp jeder Fünfte in der Altersgruppe 14 bis 29 vegetarisch oder vegan.

15.12.2022mehr...
Stichwörter: Nachhaltigkeit, BÖLW