Start / Ausgaben / BioPress 24 - August 2000 / Bio-Vollsortiment im SEH

Bio-Vollsortiment im SEH

Der Chef persönlich ist auf der Fläche anzutreffen, wenn die Büroarbeit das zulässt. Er hat seine eigenen Vorstellungen von Ladenbau, Sortiment und Qualität. „Wenn der Kunde etwas sucht, erklären wir ihm nicht einfach nur den Weg, das hat nämlich nichts mit Service zu tun. Wir gehen mit an den Regalplatz“, beschreibt der Geschäftsführer Georg seine Haltung. Georg will besser sein als die anderen. Insgesamt 10.000 Quadratmeter Fläche betreibt er in Taunusstein, Idstein, Bad Camberg, Oberursel und Bad Schwalbach.

Der Einkaufstempel von Uwe Georg in Idstein/Taunus bietet mit 35.000 Artikeln eine Menge Auswahl. Rund 3.000 davon sind Bio-Produkte, wie der  stellvertretende Geschäftsführer Mark Pickert erklärt. In den anderen vier Märkten des Unternehmens sind es jeweils der Größe angepasst etwas weniger. „Ganz klar vorn in der Beliebtheit liegt Obst und Gemüse mit einem Anteil von bis zu 15 ⁠Prozent in Spitzen-Monaten. Im Schnitt erreichen wir einen Bio-Anteil von acht Prozent“, führt Pickert aus.

Bio aus der Region holen

Qualität und Nachhaltigkeit sind für den Edeka Unternehmer die wichtigsten Bio-Prinzipien. Deshalb vertreibt er bevorzugt regionale Bio-Produkte. „Da sind Bio-Apfelwein und -Fruchtsäfte der heimischen Kelterei Heil dabei oder die Biosfere Apfelschorle von Rhönsprudel. Melicena aus dem benachbarten Waldems stellt Bio-Milch- und Fruchteis her, für Menschen mit einer Unverträglichkeit auch lactosefreie Sorten.

Verkostungen gehören bei Georg zum täglichen Markt-Betrieb. Bio-Blutorangensaft aus Italien und Bio-Olivenöl wurde 2010 schon zum Probieren angeboten. So wird auch Bio am POS gefördert.

Die Großfläche mit ausreichend Parkplätzen bietet sogar ein Cafe in der K&U-Bäckerei und zusätzlich ein Restaurant. Ungewöhnlich platziert, aber von den Kunden akzeptiert ist die Frischfischtheke im Vorkassenbereich. Konzessionär ist hier Fischspezialist Kenan Camgöz. Bei ihm geht auch Bio-Lachs über die Theke. Der frische Fisch trägt mehr als fünf Prozent zum Umsatz bei. „Damit liegen wir weit über dem Durchschnitt“, erklärte Uwe Georg.

Glanzlicht im Bio-Angebot ist das Obst- und Gemüse-Sortiment. Das sieht preisverdächtig aus. Rund 80 bis 100 Artikel je nach Saison werden im Schrägaufbau präsentiert. Frische-Experte Ralf Bardenhewer erklärt die verschiedenen Qualitäten: „ Probieren sie diese günstige konventionelle Tomate und dann eine Bio-Tomate. Merken Sie den Unterschied?“  Da ist die unausgereifte Säure der konventionellen Tomate; dort die leichte Süße der wesentlich teureren Bio-Tomate. Da gibt es für mehr Geld auch mehr Geschmack.

Etwa 70 Prozent kommt vom EDEKA-Fruchtkontor. Tollgrün als regionaler Bio-Lieferant im Frischezentrum Frankfurt mit eigenem Bioland-Gemüseanbau in Hüttenberg bei Gießen versorgt den Markt zusätzlich. Bei den Bio-Kartoffeln kann der Kunde wählen zwischen verschiedenen Sorten für Salat, Gemüse und Püree. Auch französischen Kohl und Wurzelgemüse beschafft Tollgrün.

Bio-Ananas als Markenprodukt

Neben dem staatlichen Bio-Siegel tragen einige Produkte auch regionale Siegel aus Hessen und Baden-Württemberg. Der Markt gehört zum Gebiet der EDEKA Südwest, die sich außer über das Kernland Baden-Württemberg noch über Südhessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland erstreckt.

Bei Bio war die Ananas bis vor kurzem noch ein Exot. Jetzt liefert sie der Fruchtriese Dole mit Herkunft Costa Rica als Markenprodukt zum bezahlbaren Preis von 2,50 Euro pro Stück. Die Bio-Bananen kommen aktuell aus der Dominikanischen Republik. Bio-Trauben aus Chile versüßen den Tag.
Georg zeigt auch in der Fleischtheke Bio-Kompetenz. Das Weiderind des Bio-Fleischprogramms der EDEKA Südwest wird in der Theke von Metzgermeister Uwe Mayer verkauft. „Bio-Fleisch ist heute unumgänglich und ein guter Botschafter für das Bio-Sortiment“, meint Georg. Die Verfügbarkeit von Teilstücken beim  Bio-Weiderind sollte allerdings noch erhöht werden.
Bio-Wurst in Bedienung kommt ebenfalls aus Hessen und zwar von Rack & Rüther aus Fuldabrück. Außerdem gibt es Salami des italienischen Feinkost-Großhändlers Di Gennaro aus Stuttgart. „Bei Bio-Wurst sind wir noch am Anfang. Das entwickelt sich langsam, und wir fördern es durch Verkostungen“, erläutert Mayer. Im SB-Bereich führt Georg das Bio-Fleischprogramm von Vion aus den Niederlanden und das Bio-Geflügel von Velisco. Hackfleisch und Fleischwurst sind in Bio die stärksten Artikel. 
In der Käse-Theke sind rund 20 Bio-Produkte verfügbar.  Der Fachgroßhändler Käse-Wolf  aus Rodgau in Hessen liefert die konventionellen und die Bio-Artikel. „Er besorgt uns auch ausgefallene Käse von hoher Qualität“, so der Kaufmann. Deutschland, Frankreich, Schweiz und die Niederlande sind die Käsenationen, die hier vertreten sind. 
Zum Bio-Käse gehört der passende Bio-Wein. Die Groß-Kellerei Peter Mertes aus Bernkastel-Kues ist EDEKA-Lieferant auch für Bio-Weine. Pfälzer Spätburgunder oder Riesling aus ökologischem Anbau kommen von Mertes. Von Rapunzel stammen ein Chianti, Syrah und ein  Trebiano aus Italien. Feinkost Käfer aus München liefert einen roten italienischen Bio-Tropfen. 
Viel Bio-Feinkost wird geboten
Die Feinkost-Abteilung ist mit Bio gespickt, insbesondere bei den Ölen. Bio-Gourmet ist präsent mit Olive, Sesam und Kürbiskern. Die bekannte griechische Marke Gaea steuert Oliven-Öl bei. Italienisches Bio-Olivenöl von Crudigno steht im Regal. Aus Deutschland kommt Bio-Rapskernöl von der Teutoburger Ölmühle.
Bei den Essigen ist die Rapunzel-Tochter Bio-Gourmet mit Balsamico rot und weiß sowie mit Rotwein-Essig vertreten. Das Familienunternehmen Mazzetti aus Italien liefert 250 Milliliter-Fläschchen mit Essig aus Modena.
Auch Industriemarken mit Bio-Range wie Hengstenberg aus Baden-Württemberg mit seinen Sauerkonserven werden angeboten. Gurken, Bohnensalat, Karotten, rote Beete und Rotkraut stellen die  Schwaben in Bio-Qualität her. BioFit steuert Fruchtkonserven zum Bio-Sortiment bei.
Bei Kaffee ist bio oft mit fair gekoppelt. Gepa-Kaffees sind inzwischen unumgänglich geworden für jede anspruchsvolle Verkaufsstelle. Darboven bio und fair hat sich ebenfalls etabliert.
Eine Backstation gehört zu jedem modernen Markt dazu. Biologisch wird dort eher selten gebacken. Georg tut es mit Teiglingen von Hiestand. Bei den Bio-Broten bietet der Händler  noch Mühlhof aus der Glocken-Bäckerei zum fertig Backen und abgepackt zum sofortigen Verzehr.
Aufs Bio-Brot gehört ein Belag. Der Wurstesser kann sich mit dem hochwertigen biologischen Dosen-Sortiment der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall etwas geschmackvolles auf das Brot legen. Auch die Meica-Würstchen in Bio-Qualität können von Bio-Brot und -Brötchen begleitet werden.
Auch Demeter-
Qualität erhältlich
Beim Bio-Frühstück dürfen traditionell Fruchtaufstriche nicht fehlen. Biologische Maintal Konfitüren aus dem benachbarten Franken beleben das Angebot. Die Beerenbauern sind ebenfalls in Franken beheimatet und stellen süße Aufstriche aus heimischen Beeren in Demeter-Qualität her. Von Rigoni gibt es einen biologischen Frucht-Aufstrich aus Italien, der mit Apfelpektin gesüßt wird.
Backzutaten sind im Frühjahr nicht die Schnelldreher, aber in recht guter Auswahl in Bio-Qualiät erhältlich. Dr. Oetker mit biologischen Backmischungen, Whole Earth mit Agavensirup als Süßmittel bis zu Bauck-Mehlen ist alles vorhanden. Bei Nüssen, Kernen, Saaten und Trockenfrüchten bietet Georg seinen Kunden eine breite Auswahl von Biofarm über Seeberger bis Stellisch. Mit einem edlen Weiß und dem geschwungenen Schriftzug hebt sich Stellisch optisch deutlich ab von der Konkurrenz.

Teigwaren sind als wachsende Warengruppe zu einem wichtigen Bestandteil im Sortiment geworden. Georg ist hier in Bio gut gerüstet. Nudel-Spezialist Zabler ist mit seiner eifreien Linie Paradiso Bio bei der EDEKA etabliert. Die Pasta von Bio-Gourmet darf auch nicht fehlen, um nur zwei Marken  zu nennen.

Bei den Süßwaren ist Schokolade der wichtigste Artikel. Der Markt in Idstein hat hier Vivani, Gepa, Ritter und Sarotti vorzuweisen. „Vivani ist die stärkste Bio-Schokolade bei uns“, weiß der Inhaber.

Knabber-Hoch bei Fußball-WM

Während der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika im Juni und Juli ist ein kleines Hoch bei Knabberartikeln zu erwarten. Der sportliche Fernsehkonsum kann biologisch mit Chips, Brezeln und anderen salzigen Gebäck-Variationen von  Huober, Mayka, LantChips und Praum begleitet werden. 

Biologische Tiefkühlkost ist eine Herausforderung, die Georg annimmt mit Eis von Roggenkamp, Naturice und Melicena (siehe auch Seite 52). Wagners Bio-Pizza ist da. Wilke’s Bio-Forelle aus Schleswig-Holstein mit Naturland-Zertifizierung und Bio-Garnelen von Escal aus Straßburg sorgen für ein kleines Bio-Angebot bei TK-Fisch. Das TK Gemüse von Bio Wertkost gehört zum Pflichtprogramm. Die Salomon-Fleischartikel von Vion sind vorhanden. Die Moin TK-Backwaren wie Blätterteig und auch Germknödel von Hänsel und Gretel überraschen in der TK-Truhe. Das Bio-TK-Angebot ist gemessen an dem, was üblicherweise in Supermärkten geboten wird, beachtlich. 
Die Bio-Sortimentsarbeit lässt dem Kaufmann keine Pause. Der Reformhaus-Hersteller Eden wird mit seinem Bio-Sortiment einziehen und das Sortiment mit Feinkost wie Senfe und Aufstriche bereichern.

Anton Großkinsky


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