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Tierhaltung

Jetzt sind die Puten schuld

Vertragen hybride Puten kein Biofutter?

Biokreis / Passau, 12.2.2009 - Nachdem Berthold Franzsander vom beanstandeten Biolandgeflügelbetrieb die Verfütterung von konventionellem Futter an seine Bioputen damit erklärte, dass er sonst die "Tiere verloren" hätte, entstand eine rege Diskussion über die Machbarkeit der Putenmast in biologischer Qualität. Während einige in der Branche der Meinung sind, eine verstärkte Kontrolle von Unternehmen sei ausreichend, um derartige Schwindeleien in den Griff zu bekommen, fordert Bio-Bauer und Grünen-Politiker Friedrich Ostendorff einen Ausstieg aus der Bioputen-Mast mit konventionellen Hybrid-Rassen.

"Ostendorff hat mit seiner Forderung ein heikles Thema angeschnitten, das jedoch mit dem wachsenden Bio-Trend immer mehr in den Fokus rückt", so Sepp Brunnbauer, Geschäftsführer des ökologischen Anbauverbandes Biokreis. Hochleistungstiere, ob Rind, Schwein oder Pute, sind für eine biologische Aufzucht und Mast meist problematisch, werden aber aufgrund der
veränderten Qualitätsanforderungen im Biomarkt immer häufiger auf Biobetrieben  angetroffen.  Fütterungsprobleme aufgrund der fehlenden Eiweißqualität beim Ökofutter sind bei den genetisch auf Leistung gezüchteten Tiere entsprechend vorprogrammiert.

Alte Sorten bzw. Nutztierrassen trifft man leider auch auf Biobetrieben immer seltener an. Das bestätigt auch Biokreis-Mitglied Dr. Martin Bohn von Freiland Puten Fahrenzhausen GmbH, der im Jahr 1997 mit 200 Truthahnküken der Rasse KellyBronzer aus der Zucht des Briten Paul Kelly seine Freiland-Bioputen-Mast in Deutschland begründete. "Die KellyBronzer-Pute ist eine robuste Freilandrasse, Anfang der 70er Jahre aus alten, schottischen und englischen Landschlägen sowie aus bronzefarbenen Landrassen aus Oregon (USA) gezüchtet, die nur in den ersten Wochen besondere Zuwendung, sprich hauptsächlich Wärme, benötigt.

Die Küken bekommen vom ersten Tag an ein auf ihre speziellen Anforderungen zugeschnittenes Futter. Eiweißmangel und futterbedingte Ausfälle können wir bei den KellyBronzerPuten aufgrund der sorgsamen Aufzucht nicht feststellen", so Dr. Martin Bohn.  Nach der fünften Woche erfolgt die Ausmast auf bäuerlichen BioBetrieben, wo sie geschlechtlich getrennt, in große Freiland-Areale entlassen werden.  "Das für her­kömmliche Puten eher niedrige Schlachtgewicht zeigt deutlich, dass unsere KellyBronzer-Puten nicht zu den hochgepäppelten Schwerge­wichten zählen, sondern bewegungsfreudige, natürlich gemästete Tiere sind", so Dr. Martin Bohn.

Der Ökoschwindel eines einzelnen darf laut Brunnbauer nicht dazu führen, dass die Bioputenzucht bzw. die Branche insgesamt in Verruf gerät. Trotzdem müssen sich die Akteure fragen lassen, ob ein "weiter so" die passende Antwort auf die aktuelle Entwicklung ist, denn der Biomarkt trennt sich zunehmend in Klasse und Masse.

Zwar muss und kann jeder einzelne für sich entscheiden welchen Weg er hier einschlagen will, die gesamte Bio-Branche muss sich aber die Frage stellen, ob das Ziel ausschließlich im Wachstum und in der Besetzung von Marktanteilen zu suchen ist, oder ob nicht längst eine neue Wertediskussion geführt werden müsste, in deren Folge man zugibt, dass auf hohe Leistung gezüchtete Tiere in ökologi­schen Betrieben in manchen Fällen nicht machbar sind.

www.biokreis.de

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