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Schwappt die frische Welle nach Deutschland?

Convenience auch im Bioangebot

Frische Convenience ist in Großbritannien ein äußerst lukrativer Markt. Auch bei uns wächst der Anspruch, dass gekühlte Fertiggerichte nicht nur einfach und schnell zuzubereiten sein sollen. Gesunde Zutaten, hoher Nährwert, viel Geschmack und ansprechendes Aussehen sind mindestens so gefragt. Der Schritt zu Bioprodukten liegt nahe.


 

48 Prozent der Deutschen haben sich laut einer Forsa-Umfrage für 2009 eine gesün­dere Ernährung vorgenommen. Die Ausrede „ich habe keine Zeit dazu” erübrigt sich, wenn man einen Blick in die Kühltheken des Handels wirft. Praktische Fertiggerichte, frische Pastamenüs, Fleischprodukte, geschnittene Salate, bunte Smoothies und mehr stehen zur Auswahl. Und sie werden bereits gern genommen, sei es in der Mittagspause, auf dem Heimweg kurz vor Ladenschluss oder einfach aus Lust am Genuss.

Wenn Bioprodukte noch relativ selten sind, könnte das auch am Zögern der Händler liegen. Schließlich scheint die entsprechende Kauflust vorhanden zu sein. Beispiele bei unseren Nachbarn – etwa Sprossen- und  Schnittgemüse in den Niederlanden, Sandwiches in der Schweiz –  können  auch in Deutschland zur Einlistung anregen.  

Mit frischen Bio-Suppen eine Marktlücke schließen

Eine gute Suppe mögen alle, und zwar zu jeder Jahreszeit. Doch viele Menschen scheuen Mühe und Zeit, sie selber zu kochen. Andere haben es vielleicht einfach nicht mehr gelernt und greifen daher zu Dosen oder Tüten. Mittlerweile stellen die frischen Suppen aus dem Kühlregal von Roggenkamp Organics und Fields of Flavour eine aromatische Alternative dar. Diese weisen einen intensiven, feinen Geschmack auf, enthalten im Gegensatz zu den Dauerprodukten deutlich mehr Vitamine, aber weder versteckte Dickmacher noch Geschmacksverstärker. Als Verpackung haben beide Hersteller stabile 500 Millimeter Becher gewählt.

Tomate-Basilikum, Curry-Kokos, Kürbis-Ingwer und Kartoffel-Lauch-Thymian bilden die kreative Auswahl bei Fields of Flavour. Obwohl es diese Sorten nicht sofort vermuten lassen, werden sie mit Kokken&KØkkenhaven ApS von einer dänischen Firma produziert. Der Vertrieb in Deutschland liegt in den Händen von Nordland Bio, Agentur für Bioprodukte aus Nordeuropa, Ulrich Rueben. Bislang sind sie bei tegut und im Naturkosthandel gelistet.

Um die Distribution zu erweitern, ist derzeit eine spezielle LEH-Marke mit anderem Packungslayout geplant. Später sollen dann Caterer versorgt werden. Während der Vertrieb üblicherweise über den Großhandel erfolgt, beliefert Nordland Bio für Testverkäufe auch einzelne Filialen. Zudem kommt der Importeur dem Handel gern mit Bemusterungen, Werbematerial oder Verkostungen entgegen. Letztere bestätigen die ‚wie-selbst-gekocht-Qualität’ der feinen Blitzmenüs.

Das trifft genauso auf die hocharomatischen Suppen von Roggenkamp Organics aus Gütersloh zu, die seit 2007 auf dem Markt sind. Die Menschen könnten nicht mehr so oft in Restaurants gehen, würden aber nicht auf den Luxus guten Geschmacks verzichten wollen, hat Stefan Roggenkamp erkannt. Außerdem greift das Team gern auf fast vergessene Gemüse zurück, etwa Pastinaken. Exotische Abwechslung bringen dagegen Belugalinsensuppe mit Cashmir-Curry oder marokkanische Linsensuppe mit Datteln und Mandeln.

Nach dem Erfolg des nach und nach ausgebauten Suppensortiments hat er weitere Bioprodukte auf den Markt gebracht. Neben Eis sind dies frische Risottogerichte im Becher, beispielsweise mit Ananas, Kokos und Kardamom.


Frische Nudeln, wenn’s schnell und chic sein soll

 

Bei Hilcona steckt der Begriff Convenience bereits im Na­men, in der Silbe ‘con’. Die Liechtensteiner können auf jahrelange Erfahrung in der Schweiz zurückgreifen und haben sich mit frischen Teigwarengerichten auch bei uns etabliert. Bei Bio Pasta ist Hilcona nach eigenen Angaben die führende Hersteller-Marke im LEH. Neben dem Großhandel der großen Ketten bedienen sie aber auch den selbstständigen Einzelhandel oder Großverbraucher und sehen den Bio-Fachhandel als potentielle weitere Vermarktungsschiene.

Die Bio-Pasta wachse hierzulande zweistellig, womit Bio den Gesamtumsatz ihrer Marke treibe. Hilcona sieht für frische Convenience  zwar großes Potenzial, doch sei die oft zu kleine Kühlfläche in den Märkten ein Hindernis. Während sie dem Endverbraucher ihre Pastamenüs unter anderem über Großflächenplakate, Ladenfunkwerbung oder Verkostungen schmackhaft machen, unterstützen sie den Handel aktiv bei der Gestaltung des Sortiments. Beispielsweise empfehlen sie, die Pasta im Block zu platzieren und sie im Kühlregal in Augenhöhe aufzuhängen.

Frische Pasta, die auch mehrere andere Bio-Hersteller im Angebot haben, zeichnen sich durch viele Vorteile aus. Sie haben zum Beispiel einen typisch zarten Biss und stehen in kurzer Zeit auf dem Tisch. Die Hilcona-Pasta benötigen gar nur zwei Minuten. Ihre Zutaten stammen teilweise vom Schweizer Verband Bio Suisse, wobei Hilcona bis auf den kanadischen Durumweizen regionale Ware bevorzugt.

Ebenso wie die Zielgruppe der ernährungsbewussten Genießer mit ökologischem Bewusstsein wächst, so auch das Pasta-Angebot. Den Ravioli, Spätzle und Gnocchi folgten zuletzt Tagliatelli und drei Sorten Tortelloni. Die vegetarischen Tomatensaucen konnte Hilcona dagegen im LEH nicht verankern. Auch die in der Schweiz an Tankstellen, Kiosken und Vending-Automaten gehandelten frischen Sandwiches, Salate und Snacks ließen sich in Deutschland nicht wirtschaftlich speditieren. Ein gutes Potenzial sehen sie jedoch bei frischer Bio-Convenience für die Gastronomie. Hier bieten sie neben sechs Nudelvarianten auch vier Saucen im Kilobeutel an.

Der bekannte Maultaschen-Hersteller Bürger aus Ditzingen bei Stuttgart ist mit frischen Maultaschen, Spätzle und Schupfnudeln in den Kühlregalen des LEH vertreten. Ausschließlich für den Fachhandel hat der schwäbische Teigwarenhersteller die Marke Erntezeit mit Maultaschen (480 Gramm), Schupfnudeln (500 Gramm und Eierspätzle (500 Gramm) geschaffen.

Alb-Gold aus Trochtelfingen wartet ebenfalls mit einer Bio-Linie an frischen Teigwaren auf. Die Schwaben bieten den qualitätsorientierten Handel und Großverbrauchern ein Vollsortiment an Bio-Teigwaren an.   

Hügli aus Radolfzell am Bodensee arbeitet ebenfalls viel für die Gastronomie, Betriebskantinen und andere Großverbraucher. Sie erkennen dort ebenfalls große Chancen für frische Bio-Convenience. Da die Hürden für komplette Bio-Menüs jedoch recht hoch seien, erwartet Hügli im Lebensmitteleinzelhandel ein größeres und schnelleres Wachstum.

Diese Vertriebsschiene bedienen sie unter anderem über Private-Labels mit Nudel- und Reis-Fertiggerichten sowie mit Desserts. Auch Sojagerichte wie pikantes Tofugulasch oder frittierte Tofuwürfel gehören zum Angebot. Das Sortiment, das erst teilweise aus Bioprodukten besteht, soll im Laufe der nächsten Jahre um weitere Produkte erweitert werden.

Mit hochwertiger Angebotsvielfalt punkten

Andere Hersteller sind bereits groß eingestiegen, zum Beispiel die kff kurhessische Fleischwaren GmbH. Das Unternehmen aus Fulda versorgen mit ihrem Bio-Sortiment der Marke ‚köstlich fertig frisch’ den LEH, SEH sowie die Gastronomie.

Die Verbraucher wünschten sich frische Lebensmittel und akzeptierten daher auch deren kürzere Haltbarkeit. Mario Michel, Vertrieb Großhandel, sagt dazu: „Wir bewegen uns in einem Markt mit viel Potenzial. Schaut man zu den Nachbarländern, sind dort die Sortimente um ein Vielfaches größer und gezielter präsentiert. Oft gleich im Eingangsbereich.”

Die kff deckt mit ihrem praktischen und abwechslungsreichen Angebot die verschiedensten Geschmacksvorlieben ab. Sowohl Vegetarier als auch Fleischfreunde kommen auf ihre Kosten. Sie finden etwa Nudelgerichte wie Rigatonipfanne mit Gemüse, Hähnchenbruststreifen auf Ratatouille oder Sauerkraut mit Kasseler. Praktisch sind zudem die interessanten Beilagen, zum Beispiel Semmelknödeltaler. Der Currywurst als aktuelle Neuheit werden demnächst vier weitere Biomenüs folgen, kündigt Michel an. Verpackt sind die naturbelassenen Gerichte atmosphärisch sicher in dunklen Tiefziehschalen mit transparenter Oberfolie und farbigem Kartonschuber.

Gerade im Hinblick auf die vielen Fleischskandale ist eine sichere Herkunft der Rohstoffe von großer Wichtigkeit. Die kff greift daher wo immer möglich auf regionale Bio-Rohstoffe zurück und verarbeitet bei Fleisch nur Verbandsware. Dieser Maxime gehorcht auch BioGourmet, die einen sehr großen Stamm an festen Lieferanten besitzen und im September ebenfalls in den Frischemarkt eingestiegen sind. Seitdem finden sich im Kühlregal ausgewählter Testmärkte drei frische Saucen. Mit den Sorten Bolognese, Tomaten und Gorgonzola will BioGourmet zunächst die gängigsten Sorten abdecken.

Ähnlich den Teigwaren von Hilcona sind sie in einem Beutel zum Aufhängen verpackt. Das MHD der für zwei bis drei Portionen konzipierten Saucen liegt bei 21 Tagen. Produktion und Vertrieb haben sie in die Hand von Feneberg aus Kempten im Allgäu gelegt. Diese besitzen mit ihrer eigenen Marke ‚Von Hier’ mehr als zehn Jahre Erfahrung in der erfolgreichen Vermarktung von Frischeprodukten.

Gleich einen Monat nach den Saucen ist BioGourmet zu­dem mit einem Wurst- und Fleischsortiment heraus gekommen, das nach den Richtlinien der Bio-Verbände hergestellt ist. Zusätzlich zu Fene­berg hat das Unternehmen mit der Firma Bühler dafür einen weiteren erfahrenen Partner ins Boot geholt. Der Hersteller aus Baden-Württemberg verarbeitet schon seit Anfang der 90-er Jahre Fleisch aus kontrolliert biologischer Tierhaltung und liefert die Wurstspezialitäten.

Frische Fisch-Convenience: Weil’s besser ist

Der Nachfrage nach einfacher und schneller Zubereitung von Fisch antwortet die Deutsche See mit fein veredelten Fischportionen, seit Oktober letzten Jahres auch als SB-Konzept. Nachdem bisher nur die Garnelenpfanne Pesto Bio-Qualität aufwies, werden zur BioFach zwei weitere frische Fischconvenience-Varianten eingeführt: Tilapiafilet Arabica und Lachsfilet Curry. Bei einer Kühlung von maximal zwei Grad Celsius beträgt die Restlaufzeit ab Anlieferung vier bis fünf Tage.

Wie das übrige SB-Sortiment präsentiert die Deutsche See die Artikel in Kunststoffschalen mit Sicht auf den ansprechenden Inhalt, der für zwei Personen konzipiert ist. Die Verbraucher finden zudem nicht nur Tipps für die Zubereitung, sondern auch Angaben zur Herkunft. Schon jetzt zeichnet sich die Deutsche See damit gegenüber anderen Herstellern aus. In Planung sind jetzt sogar Hinweise zu den Beständen.

Der höhere Preis für Biofisch und -Meerestiere relativiert sich schnell, wenn man sich die angelegten Standards anschaut. Beispielsweise dürfen in den Gehegen einer Aquakultur bestimmte Besatzgrenzen nicht überschritten und die verwendeten Netze nicht mit Antifoulingmitteln behandelt werden. Beim Futter muss das proteinreiche Fischmehl von Tieren stammen, die für den menschlichen Verzehr gefangen wurden. Üblicherweise wird unabsichtlicher Beifang ohne Rücksicht auf die gefährdeten Fischbestände wieder über Bord geworfen.

Auch andere Praktiken kommen für die Deutsche See nicht infrage, entsprechend der Regeln von Naturland, Soil Association und Debio. Keine genmanipulierten Elterntiere zur Zucht, auf zwölf Stunden begrenzte Transportzeiten für lebende Tiere, keine synthetischen Medikamente, Wachstumsregulatoren und Farbstoffe wie Etoxiquin, zum Beispiel. Aufgrund eigener Qualitätsansprüche verzichtet das Unternehmen außerdem auf einen Transport per Luftfracht und legt Wert auf 100-prozentige Bio-Qualität.

Das gesamte Biosortiment wurde ständig weiterentwickelt. Damit trug die Deutsche See nicht unwesentlich dazu bei, dass deutsche Verbraucher auf den Geschmack von Exoten wie Pangasius, Tilapia, Roter Trommler oder Loup de Mer kamen. Heimische Fischarten haben sie mit Bachforelle, Saibling und Karpfen ebenfalls im Programm. Die Kunden finden in den zahlreichen Außendienstmitarbeitern kompetente Ansprechpartner. Ein besonderer Service des Hauses ist das Angebot einer persönlich gestalteten Handzettelanzeige. Zu den weiteren Verkaufsförderungsmaßnahmen gehören Muster, Poster und Miniplakate für die Platzierung am Warenträger.

Bettina Pabel

 


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