Start / Ausgaben / BioPress 55 - Mai 2008 / Weltweite Lust auf Bio

BioFach

Weltweite Lust auf Bio

Trotz Besucherrekorden Nachdenklichkeit auf der BioFach in Nürnberg

Die BioFach in Nürnberg 2008 führte vor Augen, dass die Bio-Bewegung noch längst nicht an ihren Grenzen angekommen ist. Bio wird  immer internationaler. Biologische Lebens­mittel sind gefragt wie nie zuvor. Die Lust auf  Bio-Produkte ist groß. Die Zahl der Markteilnehmer wächst. Allerdings geht Transparenz verloren und nährt Angst vor Betrug. Die BioFach ist inzwischen ein unübersichtlicher Dschungel geworden. Der Besucher kann sich nur schwer orientieren.

Vom 21. bis 24. Februar strömten 46.484 Fachbesucher auf das Messegelände in Nürnberg, um sich über den Weltmarkt für Bio-Produkte und Naturkosme­tik zu informieren. Das waren rund 1.000 mehr als 2007.  Auf 2.764 stieg die Zahl der Aussteller gegenüber  2.547 im Vorjahr. Neben einem beeindrukken­den deutschen Auftritt (939) waren Italien (397), Spanien (211), Frankreich (175) und Öster­reich (112) zahlreich vertreten. Die Fachbesucher kamen aus 124 Ländern. Bio lockte Menschen rund um die Erde nach Nürnberg, Bio wächst global. Natürlich wird dann weltweit gehandelt. Das löst Ängste aus.

Die Furcht vor Bio-Betrug geht um, wie auf dem IFOAM-Forum am Vorabend der Messe zu hören war. Die Lieferanten lassen Vorsicht walten. Tradin aus Amsterdam, Europas größter Bio-Rohstoff-Großhändler, kauft möglichst direkt am Ursprung ein und investiert in die Qualitätssicherung. Der BNN stellt sein Ökomonitoring vor, mit dem der Verband  seine Mitglie­der im deutschen Fachhandel absichert. Das Risiko entdeckt zu werden ist für schwarze Schafe hoch.

Die Unregelmäßigkeiten halten sich in Grenzen. Bio-Nahrungsmittel seien nahezu frei von Pestiziden und Gentechnik, berichtete Bayerns Verbraucherschutzminister Otmar Bernhard (CSU) auf der BioFach in Nürnberg. Bei den Kontrollen des bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit musste nur ein Prozent der Produkte beanstandet werden. Während der Anteil bei Erzeugnissen aus der konventionellen Landwirtschaft elf Prozent beträgt, teilte Behördenchef Volker Hingst mit.

Der biblische Satz, wer suchet, der findet, gilt für diese Messe nicht mehr. Die Vivaness und die Weinhalle bieten den Einkäufern alles an einem Platz. Alle anderen müssen sich durch zahlreiche Hallen kämpfen. Wer Fleisch, Backwaren oder Tiefkühlkost sucht, dem nützt eine Einteilung nach Verbänden und Ländern wenig. Auf Dauer hilft nur eine Hallenbelegung nach Warengruppen.    

Die Eröffnungsfeier war 2008 unpolitisch. Die BioFach hatte sich Ernährungsminister Horst Seehofer als Redner gewünscht. Doch der wollte nicht zur Bio-Gemeinde sprechen. Seehofer ist ein konsequenter BioFach-Verweigerer und zeigt der Zu­kunftsbranche in der Lebensmittelwirtschaft weiter die kalte Schulter. Doch das verdriest die Bio-Welt nicht, die Geschäfte laufen gut. Nachfrage und Angebot wachsen weltweit.

Star war diesmal der Schauspieler Gerard Depardieu als Red­ner der Eröffnungsfeier. Soviel Publicity gab es selten für die BioFach. Eine große Schar an Fotografen und Kameraleuten kam nur seinetwegen. Der Promi-Auftritt zeigt, dass sich Bio vom Rand in die Mitte der Gesellschaft bewegt hat.

Der französische Künstler ist im Nebenberuf Restaurant-Betreiber und Winzer. "Ich verwende nur Bio-Produkte. Bio ist natürlich. Wir müssen zurück zur Natur", gibt der Filmstar als Losung aus. Der Gourmet lockte Film- und Fotokameras an und bescherte mehr Medien-Aufmerksamkeit als jeder Politiker. Der Mime aus Frankreich verkörpert Bio, er schauspielert es nicht.

Staatsekretär Gerd Müller aus dem Verbraucherschutzministerium repräsentierte die Bundespolitik und spazierte ein wenig an der Internationalität der Weltleitmesse vorbei, als er bei seinem Auftritt am Gäa-Stand verkündete: "Wir wollen Bio saisonal und regional". Gut gemeint, aber in Nürnberg sind das eher die falschen Töne. Zwei Drittel der Aussteller kommen aus dem Ausland. Afrika unternimmt vereinte Anstrengungen, Serbien empfiehlt sich als neuer Bio-Produzent; China rückt ins Rampenlicht, der faire Handel mit der dritten Welt blüht.

Fairtrade und Bio sind zu einer Erfolgskombination geworden. Schon zwei Drittel aller fairen Produkte stammen aus biologisch zertifiziertem Anbau. "Fairtrade schafft oftmals erst die Voraussetzungen, um auf biologischen Landbau umzustellen", sagte Dieter Overath, TransFair-Geschäftsführer. 30 Firmen präsentierten Fairtrade-Produkte.

Allerdings ruft die Globalisierung gleichzeitig eine Gegenbewegung hervor. Bio ist international und regional, wie Heiner Sindel vom Bundesverband Regionalbewegung (BVRB) Vorsitzender der Regionalbewegung in der Diskussionsrunde "Regionale Erfolgsbeispiele" auf dem BioFach-Kongress darlegte. Auch hier macht es die Kombination. Regional wird durch bio geadelt.

Die Stimmung bei den Ausstellern war heiter und zuversichtlich, allerdings  nicht so euphorisch wie in den beiden vergangenen Jahren. Der Erfolg ist zu einem Stück Normalität geworden. "Die Entwicklung ist super. Die Qualität der Besucher wird besser. Heute redet die Geschäftsführung mit einem Vertriebsleiter. Das war früher nicht der Fall", resümierte Gepa-Vertriebsleiter Rolf Bierhance. Für Marketingleiterin Maren Schimanski von Dennree  war der "Tenor der Messe positiv".

Die Metzgerei Bühler aus Steinhausen stand in der Bioland-Halle. "Die Frequenz war hier nicht so hoch wie in anderen Hallen. Die Kontakte waren aber effizient", resümierte Geschäftsführer Horst Bühler. "Wir sind mit der diesjährigen BioFach sehr zufrieden", urteilte Ge­schäftsführer Aster von den Nürnberger Bio-Originalen. Durch die Mehrheitsbeteiligung an Eisblümerl aus Thalheim, dem Spezialisten für Aufstriche, tun sich neue Felder auf.

Dänemark wird auf der BioFach 2009 Land des Jahres 2009.  "Die Wahl fiel auf Dänemark, weil das Land einen der weltweit führenden Bio-Märkte hat. Außerdem ist Dänemark ein starker Exportpartner mit international anerkannten Bio-Produkten. Wir freuen uns auf das Bio-Land des Jahres 2009", erklärte Projektleiter Udo Funke. Ein erfolgreicher Auftritt ist vorprogrammiert, denn die Lust auf Bio beim Verbraucher ist ungebrochen.



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