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Ritter Sport

Ein ehrgeiziger Bio-Ritter

Handel spielt bei den Plänen des schwäbischen Schokoladen-Fabrikanten mit

Alfred T. Ritter war  sichtlich stolz, als er in der Hafencity der Medienstadt Hamburg die Ritter Sport Bio-Quadrate präsentierte. Seit Anfang April werden vier Sorten Bio-Schokolade produziert und an deutsche Supermärkte verteilt. Bereits auf der ISM hatte der Markenhersteller seine Neuheit angekündigt und Riesen-Resonanz beim Fachpublikum gefunden. "Eine Vision wird wahr", erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung von Ritter Sport.


Alfred Ritter mit neuem Bio-Projekt
Die vier Bio-Schokoladen-Sorten Vollmilch, Feinherb, Mandelsplitter und Trauben Cashew laufen bei Ritter in Waldenbuch seit dem 1. April vom Band. Bio ist integriert in das Marken-Design: Ritter-Bio ist quadratisch mit einer eigenen Farbe für jede Sorte und der Knick-Packung aus dem recyclebaren Polypropylen ohne Alu.

Die Bio-Schokolade ist in Täfelchen zu 65 Gramm abgepackt und hebt sich dadurch von den Klassikern ab. "Viele Frauen haben uns gesagt, dass eine 100 Gramm-Tafel oft zu groß ist, um sie an einem Stück zu verzehren", begründet der Schokoladenfabrikant das Gewicht. 99 Cent sind dafür zu berappen. Die Sorten unterscheiden sich auch in der Rezeptur und im Produktnamen von den 22 konventionellen 100 Gramm Tafeln.

Die Bio-Schokolade liegt Inhaber Alfred Ritter am Herzen, wie er signalisierte. Deshalb will der 55-jährige ein Geschäft daraus machen. 500 bis 800 Tonnen Bio-Schokolade sollen das Werk Waldenbuch 2008 verlassen. Aktuell werden jährlich 1.000 Tonnen Schokolade aus  kontrolliert biologischen Anbau (kbA) in Deutschland abgesetzt. Da würden die Schwaben dann aus dem Stand zum Marktführer avancieren. Ein ehrgeiziger Bio-Ritter kämpft für  Bio-Schokolade.

2007 endete mit Verlust


2007 hat die Alfred Ritter GmbH 290 Millionen Euro Umsatz getätigt, rund zehn Millionen Euro mehr als 2006. Gestiegene Rohstoffpreise bescherten am Ende einen Verlust. Durch eine Preiserhöhung soll dieses Jahr wieder ein Gewinn eingefahren werden.

Alle reden von Rohstoffknappheit, auch Ritter: "Bio-Kakao ist schwer zu beschaffen", beklagt der Geschäftsführer. Deshalb musste viel Vorarbeit bei der Beschaffung geleistet werden. Seit 1990 betreibt Marli Hoppe-Ritter, Beiratsvorsitzende des Familienunternehmens, in Nicaragua das Bio-Kakao-Anbauprojekt Cacaonica. Die Rund 50 Tonnen Bio-Kakao aus  Mittelamerika decken allerdings nicht den geschätzten Bedarf für die Bio-Produktion. Da müssen noch weitere Rohstoffquellen angezapft werden.
Die Kakao-Bauern bekommen ein "Ritter-Schlag", eine zusätzliche Prämie für ihren Bio-Anbau.:"Nur mit guten Zutaten kann man gute Schokolade machen." Biologische Mandeln, Cashew und Sulta­ninen müssen ebenfalls aus verschiednen Ländern zusammengetragen werden.

Milchpulver und  Zucker aus kbA kauft der Schokoladen-Fabrikant in Deutschland ein. "Warum soll ich für Rohstoffe, die es hier gibt, einen Transport-Tourismus veranstalten", fragt Ritter. Natürliche Aromen und konventionelles Soja-Lecithine  stehen noch auf der Zutaten-Liste.

Das Lecithine soll sobald als möglich auf biologische Herkunft umgestellt werden. "Wir sind qualitativ in der Spitzengrup­pe, aber wir müs­sen uns noch weiter entwickeln", er­klärt der Initi­ator der Qualitäts­offen­sive bei  Ritter.  

Bio ist in der Mitte angekommen     

Ganz nüchtern betrachtet Marketing-Geschäftsführer Jürgen Herrmann das Engagement: "Bio ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen". Prominente Verwender wie Julia Roberts und Brad Pitt sorgten für Nachahmer. "Bio-Schokolade passt zu unserer Qualitätsstrategie und steht für höchsten Genuss", bemerkte Herrmann. Der Marketing-Manager sieht in Bio eine mittelfristige Entwicklung und keinen kurzlebigen Trend. Die Erfolgsaussichten beurteilte er als gut: "Wir haben ein positives Feedback aus dem Handel".   
Eine große Herausforderung war die Bio-Linie für Christa Schuster-Salas, die Leiterin der Analytik bei den Rittersleuten. Eine getrennte Lagerung der Rohstoffe musste organisiert und separate Leitungen für die Bio-Rohstoffe zu den  Maschinen mussten installiert werden. Vor der Produktion kommt die Investition. 

Anton Großkinsky


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