Umwelt
Nitrat im Grundwasser: Deutschland liegt weit über EU-Schnitt
Evaluierung der EU-Nitratrichtlinie unterstreicht Handlungsbedarf
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Am Mittwoch hat die EU-Kommission die erste umfassende Evaluierung der EU-Nitratrichtlinie seit deren Inkrafttreten im Jahr 1991 vorgelegt. Während die Gesamtbilanz positiv ausfällt, sieht die Kommission mit Blick auf die Umsetzung auch Verbesserungsbedarf. Ein Sorgenkind bleibt Deutschland. Wird der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter EU-weit an zehn Prozent der Grundwassermessstellen überschritten, so sind es hierzulande 25 Prozent – das zweitschlechteste Ergebnis nach Malta.
Nach dem Kommissionsbericht ist die Nitratrichtlinie nach wie vor relevant für die Bekämpfung der Nitratbelastung durch die Landwirtschaft und deren Auswirkungen auf die Wasserqualität und die Ökosysteme. In vielen Teilen der EU habe sie zu einem besseren Nährstoffmanagement und einer Verringerung der Stickstoffüberschüsse beigetragen
Das lohne sich auch wirtschaftlich. Während sich die jährlichen Umsetzungskosten für landwirtschaftliche Betriebe und Behörden EU-weit auf rund drei Milliarden Euro beliefen, verursachten Nährstoffüberschüsse durch die Folgen für die biologische Vielfalt und Trinkwasserressourcen jährlich Kosten in Höhe von 68 bis 182 Milliarden Euro. Der gesellschaftliche Nutzen der Richtlinie wird auf 10 bis 22 Milliarden jährlich geschätzt.
In der Bewertung wird außerdem Potenzial für Vereinfachungen und den Abbau des Verwaltungsaufwands für Landwirte identifiziert, insbesondere für kleinere Betriebe. Digitale Werkzeuge könnten die Düngeplanung und Dokumentation erleichtern. Bis Ende 2027 sollen die Überwachungszyklen der Nitratrichtlinie und der Wasserrahmenrichtlinie aneinander angeglichen werden.
Deutschland gehört laut dem Länderbericht nicht nur zu den Schlusslichtern, was die Überschreitung der Nitratgrenzwerte anbelangt, es gebe auch insgesamt eine unterdurchschnittliche Zahl an Messstellen für das Nitratmonitoring. Positiv bewertet wird dagegen der deutsche Umgang mit Gärresten aus Biogasanlagen, der EU-weit am strengsten gehandhabt werde.
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) begrüßen die Evaluierung der Nitratrichtlinie. Die DUH fordert zum Schutz des Trinkwassers eine bundesweite digitale Datenbank, mit der die Nährstoffeffizienz landwirtschaftlicher Betriebe transparent erfasst werden kann. Als Beispiel verweist sie auf Dänemark, wo Höfe ihre Nährstoffdaten seit Jahren digital meldeten und automatisch Rückmeldungen zu möglichen Überschüssen erhielten. In Deutschland sei es hingegen bislang erlaubt, gewässergefährdende Güllemengen handschriftlich auf Zettel zu notieren, die von Behörden nicht kontrolliert werden.
Außerdem weist die DUH darauf hin, dass 2025 rund 41 Prozent mehr Gülle aus den Niederlanden nach Deutschland importiert wurde als im Vorjahr. Ohne bessere Kontrollen drohe Deutschland zur „Güllegrube Europas“ zu werden.
Auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) plädiert für eine Reform der deutschen Düngepolitik. Statt pauschaler Auflagen in sogenannten roten Gebieten fordert sie eine einzelbetriebliche Nährstoffbilanz sowie finanzielle Anreize für Betriebe, die besonders gewässerschonend wirtschaften. Blieben wirksame Maßnahmen aus, sei ein weiteres Vertragsverletzungsverfahren zu befürchten.







